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(v.re.): Student M. von Beverfoerde, Pressesprecher Friedrich Louen (Wald und Holz NRW) und NRW-Waldschutzexperte Dr. Mathias Niesar mit überlebensgroßem Modell des Buchdruckers.

Borkenkäfer überwintern massenhaft

Am 7. März stellte Wald und Holz NRW in Bonn das im Herbst 2018 gestartete Forschungsprojekt zur Situation der aktuellen Borkenkäferproblematik vor. Dabei wurden Borkenkäfer im Waldboden und in der Baumrinde gezählt und ermittelt, wieviele der Käfer wo überwintern. Erste Ergebnisse: Die Borkenkäfer überwintern massenhaft.

Die aktuelle Borkenkäfersituation erforschte ein Team um den NRW-Waldschutzexperten Dr. Mathias Niesar. In den Proben suchen die Forschenden vor allem nach Ips typographus, dem Buchdrucker. Niesar dazu: „Im letzten Jahr haben sich die Käfer extrem vermehren können. Es sind also sehr viele in den Winter gegangen und, das zeigen unsere Untersuchungen, leider kommen wohl auch sehr viele gesund bis ins Frühjahr um dann wieder auszuschwärmen“.

Borkenkäfer überwintern selten im Boden

Nachdem sich die Borkenkäfer im Vorjahr, begünstigt durch Sturmholz, Dürre und Hitze, massenhaft vermehrten, hatten Waldbesitzer auf eine Dezimierung der Käfer über den Winter gehofft. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse aber zeigen, dass nur 9 % dem Winter zum Opfer fielen. Im Schnitt überwintern 90 % der Buchdrucker in der Rinde und nur 10 % im Boden. „Wir haben noch ein kleines Zeitfenster von ca. vier Wochen, um möglichst auch jetzt noch viele befallene Fichten einzuschlagen und aus dem Wald zu entfernen, bevor die Käfer im April stehende, gesunde Fichten attackieren“, so Niesar. Und weiter: „Wir werden nicht alles schaffen können, aber jeder Schritt zählt, um die Käferpopulation vor dem Schwärmbeginn zu verkleinern.“

Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, dazu: „Wir sind landesweit seit Ende Herbst letzten Jahres dabei, die befallenen Bäume mit den Borkenkäfern aus dem Wald zu schaffen. Das ist bei der riesigen Zahl eine echte Herausforderung für unsere Mitarbeitenden, die Forstunternehmer und Fuhrleute. Die Sägewerke arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Der Preis für Käferholz hat sich bereits fast halbiert. Wir müssen sogar damit rechnen, dass ein Teil der toten Bäume nicht rechtzeitig absetzbar sein wird. Alles hängt vom weiteren Witterungsverlauf ab.“

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: „Unsere Waldschutzexperten und Forstleute bereiten sich konzentriert und fachkundig auf die Massenvermehrung der Borkenkäfer vor, die sich bei ungünstigem Witterungsverlauf in wenigen Wochen unvermindert fortsetzen kann. Dabei sind die großen Privatwälder genauso in Gefahr wie der der Staatswald und die Wälder zehntausender Kleinprivatwaldbesitzerinnen und -besitzer. In dieser Situation ist es wichtig, dass sich Betroffene und potentiell Betroffene gut informieren und solidarisch handeln.“

Praxisorientierte Broschüre

Um Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in die Lage zu versetzen, Borkenkäferschäden einzuschätzen und daraus resultierend Borkenkäfer erfolgreich zu bekämpfen, hat Wald und Holz NRW eine praxisorientierte, kostenlose Broschüre herausgegeben. Die Broschüre und weitere Informationen gibt es hier: www.wald.nrw/borkenkäfer

Wald und Holz NRW
Forstamtsleiter Uwe Schölmerich verweist auf die Fraßgänge des Buchdruckers. Die Fraßgänge und Entwicklungsstadien des Buchdruckers sind deutlich zu erkennen. Auf dieser Rindenplatte sind es allein 38 Käfer.

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