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Kottenforst: Die Stahlskulptur „Engel der Kulturen“ des bekannten Burscheider Künstlerehepaars Carmen und Gregor Merten am Wanderweg lädt den Waldbesucher zum Verweilen an diesem Ort und zur Auseinandersetzung mit anderen Blickwinkeln ein.

„wald.anders.denken“ im Kottenforst bei Bonn

An einer Waldfläche an der Venner Allee im Kottenforst bei Bonn macht das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft gemeinsam mit dem European Forest Institute (EFI) und dem LIFE+-Projekt „Villewälder“ mit der Veranstaltungsreihe „wald.anders.denken“ auf das Waldsterben im Kottenforst und auf die Bedeutung unserer Wälder für den Menschen und den Planeten Erde aufmerksam.

Hintergrund des Projektes ist die Auszeichnung der Stadt Bonn zur „European Forest City 2020“ durch das European Forest Institute (EFI). Mit der Auszeichnung soll die besondere Bedeutung der Wälder und deren Wert für das Wohlbefinden der Stadtbewohner in Ballungsräumen hervorgehoben werden. Initiiert vom EFI und der Stadt Bonn wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bonner Waldgespräche“ gemeinsam mit verschiedenen lokalen Institutionen und Ministerien ein buntes und vielfältiges Programm organisiert. Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft und das LIFE+-Projekt „Villewälder“ beteiligen sich unter anderem mit der Veranstaltungsreihe „wald.anders.denken“.

Der Wald in der „Zeitenwende“

Der Wald, der sich an der Venner Allee über zwei Menschengenerationen entwickelt hatte, ist tot. Abgestorben durch Borkenkäferfraß und Dürre. Um das neuerliche Ausschwärmen der Käfer in weitere Bereiche zu stoppen, fällte das Forstamt die Bäume. Doch vergebens – im Hintergrund stehen die abgestorbenen Gerippe der Bäume, die vor dem Zugriff des Käfers geschützt werden sollten. An ihnen entfaltet sich mahnend das Wort „Zeitenwende“. Die massiven Folgen des Klimawandels werden den Besuchern damit konkret vor Augen geführt und ins Bewusstsein gerufen. Sie bleiben kein abstraktes Phänomen, das sich immer nur „woanders“ ereignet, sondern werden begreifbar.

Auf der Kahlfläche regt sich aber bereits neues Leben. Mit Mitteln des europäischen LIFE-Naturschutzprojektes „Villewälder“ haben die Förster bereits Eichen, Hainbuchen und Linden gepflanzt. Ein kleiner Tümpel wurde für Springfrosch, Geburtshelferkröte und Co. als Laichort angelegt. Am Rande sollen weitere 13 Baumarten wie z. B. Esskastanie, Mehlbeere, Elsbeere, Roterle und die Vogelkirsche – in kleinen Gruppen gepflanzt – ihr Potenzial im Klimawandel auch in den europäisch bedeutsamen Wäldern des Kottenforstes demonstrieren. Auf all diese Baumarten und Mischwälder setzt wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel auch das Waldbaukonzept NRW. Der benachbarte naturnah bewirtschaftete, alte Laubmischwald mit seiner natürlichen Verjüngung weist bereits den Weg zur Abkehr von reinen Fichtenwäldern. Die Stahlskulptur „Engel der Kulturen“ des bekannten Burscheider Künstlerehepaars Carmen und Gregor Merten am Wanderweg lädt den Waldbesucher zum Verweilen an diesem Ort und zur Auseinandersetzung mit anderen Blickwinkeln ein.

Die Senker Kuhle – Sie ist mit dem Schriftzug „Zeitenwende“ Symbol und Ausgangspunkt des Projektes „wald.anders.denken“. „Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wald gewinnt dem Vertrauten und Altbekannten neue Dimensionen ab“, so Projektinitiator Manfred Hören, zuständig für die Umweltbildung im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. „Die Welt hinter dem Tellerrand wird sichtbar, dem Betrachter eröffnen sich neue Einblicke“. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Wald fordert dazu auf, genau hinzusehen. Sie bildet den Wald nicht nur ab oder imitiert ihn. Sie überrascht durch neue Perspektiven als Sehnsuchtsort oder als Raum für Hoffnungen und Ängste.

Aktionen bis ins Frühjahr 2021 geplant

Bis in das Frühjahr 2021 sind an der Fläche eine Vielzahl von Aktionen mit Künstlern, Schulen und Institutionen geplant, so die Corona-Pandemie dies zulässt:

  • „Einblicke in Wald und Natur“ (Präsentation von Fotoarbeiten, Foto Club Bad Godesberg)
  • Schülerinnen und Schüler ortsansässiger Schulen werden in einer Projektarbeit Steckbriefe für die Baumarten der Zukunft entwerfen und gestalten
  • Über QR-Codes auf der Fläche werden Informationen zum Wald im Klimawandel weltweit bereitgestellt (European Forest Institute)
  • Studierende präsentieren ihre Fotoarbeiten (Alanus Hochschule Alfter, Prof. Andrea Sunder-Plassmann)
  • „Wald kreativ und Waldvisionen“, Kinderwaldwoche im Kottenforst zum Thema für Kinder von 7 bis 12 Jahren vom 6. bis 10. Juli (Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft)
  • „Kleiner Käfer – große Wirkung“, Waldführungen zum Thema Klimawandel für Kindergärten und Schulen (ZUB e. V., Bonn in Zusammenarbeit mit dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft)
  • Waldführungen, die sich inhaltlich und künstlerisch mit dem Klimawandel und Waldschäden auseinandersetzen (Haus der Natur, Umweltbildungszentrum Bonn in Zusammenarbeit mit dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft)
  • „Wurzeln der Kunst“, ein dreitägiges Seminar mit dem Bremer Künstler Werner Henkel- NaturArte; abgestorbene Bäume, Fichtenstubben und Wurzelwerk sind die Basis für das schöpferische Gestalten im Wald; die künstlerischen Signale der gestalteten Materialien stehen für den Wald als Lebensgrundlage auf einem grünen Planeten
  • Ringvorlesung „Wald-Lese“ (Dozenten verschiedener Fachbereiche sowie externe Vortragsgäste Themenspektrum Erlebnis-/Waldpädagogik, Naturtherapie, Wald als Wirtschaftsfaktor Wald in der bildnerischen Kunst)
  • Erntedankfest (ökumenischer Gottesdienst) im Kottenforst mit den umliegenden Kirchengemeinden
  • Texte und Bilder informieren über die Zerstörung der Wälder in den anderen Teilen der Erde und die damit für alle Menschen verbundenen Konsequenzen (Oroverde, Tropenwaldstiftung Bonn)

Besuchen Sie die Projektfläche „wald.anders.denken“ im Kottenforst am Gudenauer Weg zwischen Bonn-Ippendorf und Wachtberg-Pech.

Quelle: Wald und Holz NRW

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