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Wärmewende

„Wärmewende mit Holz“: Auftaktveranstaltung in Boos

LandSchafftEnergie und die Bayerischen Staatsministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) und für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (StMWi) haben am 4. Dezember in Boos im Unterallgäu den Startschuss für die dritte Veranstaltungsreihe „Wärmewende mit Holz“ gegeben. In den kommenden Monaten finden bayernweit 13 Veranstaltungen statt, die vom Beratungsnetzwerk LandSchafftEnergie durchgeführt werden.

Ziel der Informationsveranstaltungen ist es, über die effiziente energetische Nutzung von Holz ausführlich zu informieren. Themen sind unter anderem moderne Verbrennungstechniken oder Fördermöglichkeiten für Holzheizungen.

„Holz ist ein weitgehend CO2-neutraler Brennstoff. Es ist regional verfügbar und ständig nachwachsend“, betonte Dr. Werner Ortinger vom StMELF. „Bioenergie ist zudem eine wichtige Einkommensquelle für den ländlichen Raum.“ Die energetische Nutzung von Holz erzeuge eine hohe Wertschöpfung, die in der Region bleibe. Waldbesitzer und Waldarbeiter, Maschinenbauer, Planungsbüros und Energieerzeuger aus der Region profitierten von der Nutzung heimischer Ressourcen. „Das hier erzeugte Einkommen erhöht die Kaufkraft und schafft Perspektiven für den ländlichen Raum“, sagte Ortinger. Durch die Heizanlage der Gemeinde Boos verblieben rund 25.000 € für die eingesetzten Hackschnitzel als Wertschöpfung pro Jahr in der Region. Zudem komme der Umwelt zugute, dass durch den Einsatz des Brennstoffs Holz im Vergleich zu fossilen Energieträgern pro Jahr rund 200 Tonnen CO2 eingespart werden.

„Holz ist auch deswegen so beliebt, weil es als Rohstoff so vielseitig einsetzbar ist“, sagte Dr. Christoph Härle vom StMWi. Er bezeichnete den ökologisch hochwertigen Brennstoff Holz als „Energieträger der Zukunft“. In diesem Zusammenhang nannte er die geringen Emissionen, die hohen Wirkungsgrade sowie das hohe Maß an Bedienungsfreundlichkeit. „Wir wollen Holz als Energieträger noch intelligenter nutzen und die Vorteile von Holz noch bekannter machen“, unterstrich Härle. Die Energiewende gelinge nur dann, wenn man neben der Stromwende immer auch die Wärmewende im Blick habe. Als Erfolg nannte Härle das 10.000-Häuser-Programm, das das StMWi für modernisierungsbedürftige Wohnhäuser entwickelt habe. Mit insgesamt rund 80 Mio. € werden damit moderne Heiz- und Speichersysteme und innovative Energietechnik gefördert. Damit werden private Investitionen von 1 Mrd. € ausgelöst.

Wie die Wärmewende auf kommunaler Ebene aussehen kann

Die Heizanlage und das Nahwärmenetz in Boos, deren Errichtung Mitarbeiter von LandSchafftEnergie unterstützten, wurden im Rahmen einer Dorferneuerung geplant und mit 200.000 € vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Schwaben gefördert. Bruno Hampl vom ALE Schwaben stellte das Energiekonzept der Gemeinde sowie den Prozess der aktiven Bürgerbeteiligung vor. Dr. Bernhard Widmann, Leiter des Technologie- und Förderzentrums in Straubing, moderierte die Veranstaltung.

In Boos sahen die Veranstaltungsteilnehmer, wie die Wärmewende auf kommunaler Ebene aussehen kann. Das kompakte Wärmenetz mit kurzen Entfernungen zwischen den Verbrauchern und größeren Wärmeverbrauchern bietet gute Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb. Die Netzverluste sind gering (weniger als 10 %) und die Netzkennzahl liegt bei 1,64 MWh pro Meter und damit über dem empfohlenen Mindestwert von 1,5 MWh pro Meter Wärmetrasse.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde die Hackschnitzel-Heizanlage (zwei Kessel mit jeweils 200 kW) und das Hackschnitzellager im Beisein von Helmut Erben, Erster Bürgermeister der Gemeinde Boos, besichtigt. Erben lobte den „aktiven Beitrag zur Energiewende“ seiner Gemeinde. Thomas Knecht vom Ingenieurbüro Knecht Ingenieure erläuterte die technischen Details der Anlage. Sie wurde im September 2016 in Betrieb genommen und deckt einen Jahresenergiebedarf von rund 610 MWh Über ein Nahwärmenetz von knapp 390 m versorgt die Biomasseheizung unter anderem Rathaus, Schule, Kindergarten, Gemeindezentrum und die Geschäftsstelle der ortsansässigen Bank mit Wärme. Die Anlage verfügt außerdem über drei Heizwasserpufferspeicher mit einem Inhalt von je 5.000l Inhalt. Die Gesamtkosten betrugen 900.000 €.

Nähere Informationen zu den 13 Veranstaltungen „Wärmewende mit Holz“ finden sich online: www.landschafftenergie.bayern.de

Technologie- und Förderzentrum (TFZ)

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