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Wärmere Temperaturen stören Lärchenwickler-Massenvermehrung

Wärmere Temperaturen stören Lärchenwickler-Massenvermehrung

Die wärmeren Temperaturen in den Alpen stören die zyklische Massenvermehrung des Grauen Lärchenwicklers (Zeiraphera diniana). Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL fanden zusammen mit Kollegen aus den USA, Norwegen und Deutschland heraus, dass die markantesten Einbrüche in Jahrringbreite und Spätholzdichte, welche diese Schmetterlingsart im Lärchenholz verursacht, in den letzten Jahrzehnten von ursprünglich rund 1600 auf heute über 2000 m Meereshöhe angestiegen sind. Dies ist ein eindeutiges Indiz für den Klimawandel und seine unmittelbare Auswirkung auf das Ökosystem des Insekts.
Die Studie macht eindrücklich auf die Komplexität des Klimawandels aufmerksam, indem sie unterschiedlich schnell reagierende Entwicklungen in einem Ökosystem berücksichtigt. Während das Ansteigen der Waldgrenze nicht mit der Geschwindigkeit der Erwärmung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mithalten kann, sind die empfindlichen Insekten anpassungsfähiger. Sie suchen sich einen höher gelegenen Lebensraum und sind somit viel flexibler als ihre langsam wachsenden Futterquellen, die Lärchenwälder. Die Ausbruchherde der alpinen Lärchenwicklerpopulationen, die durch die Zonen des stärksten Nadelverlusts, sowie die markantesten Einbrüche in Jahrringbreite und Spätholzdichte nachgewiesen werden können, sind in den letzen Jahrzehnten von rund 1600 m auf über 2000 m Meereshöhe, also bis an die obere Waldgrenze, angestiegen. Dieses zeitliche Diskrepanz im Reaktionsverhalten von sich schnell anpassenden Insekten und deren sich nur langsam verändernden Futterreserven, den Bäumen, auf den globalen Klimawandel hat fundamentale Auswirkungen auf ein Ökosystem, das sich nachweislich über mehr als tausend Jahre im Gleichgewicht befunden hat.
Wie sich das zyklische Ausbruchverhalten des Grauen Lärchenwicklers in Zukunft verhalten wird, ist nicht vorhersehbar. Tatsache ist jedoch, dass die Verbreitung der Lärchenwälder und somit die primäre Futterquelle des Lärchenwicklers in der Höhe begrenzt ist.
 
 

Originalartikel Johnson et al. (PDF 980 KB)

 

Abstract Johnson et al. in in PNAS

 

Lärchenwickler im Engadin – Neues aus den Jahrringen

 

WSL-Forschungsgruppe Paläoklimatologie

 
WSL

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