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Wälder müssen jetzt vor Schädlingsbefall gerettet werden

Der Pflanzenschutzeinsatz im Waldgebiet rund um Beelitz bei Potsdam konnte am 6. Mai nicht durchgeführt werden: Das Wetter sowie ein Widerspruch, den die Anwohner mehrerer Gemeinden eingereicht haben, hatten dies verhindert. „Unserer Wälder müssen jetzt gerettet werden“, sagte der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Brandenburg, Thomas Weber, „daher muss dieser Einsatz stattfinden“. Die Dürre im vergangenen Sommer, die vorangegangenen Stürme und der milde Winter haben die Wälder geschwächt. Dadurch konnten sich Schädlinge wie die Nonne in den Wäldern bei Fichtenwalde, Borkheide und Borkwalde rasant vermehren. Die Befallsdichte sei so hoch, dass die Raupen den Wald 25 Mal kahlfressen könnten. „Wir befinden uns in einer Notlage: Wird jetzt nicht gehandelt, dann werden die Wälder in Kürze keine Nadeln mehr haben und absterben“, so der Vorsitzende.

Viele Betroffene

Betroffen sind Flächen des Bundesforstes, der Gemeinde Beelitz und von einer Vielzahl privater Waldeigentümer. Von den über 1.100 Waldeigentümern, die vom Landesforstbetrieb angeschrieben wurden, haben sich gerade mal sechs gegen den Einsatz ausgesprochen. „Eine Handvoll Eigentümer blockiert die Rettung von 1.000 ha Wald“, sagte Weber, „hier ist eine deutliche Schieflage entstanden“. Er betonte, dass der Einsatz von Pflanzenschutz immer nur der letzte Hebel sei, um die Wälder vor dem Kahlfraß zu retten. Das Waldschutzmonitoring des Landesforstbetriebes weist angesichts der Schädlingsexplosion die Notwendigkeit eines solchen Pflanzenschutzeinsatzes aus. Auch Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger sieht laut RBB keine Alternative zu der geplanten Bekämpfungsaktion. Wenn nichts unternommen werde, drohe der Kahlfraß. Daher sehe er diesen Einsatz als letztes Mittel.

Dass sich die Anwohner in den Gemeinden Sorgen um den Lebensraum Wald machen, sei verständlich und gut, sagte Weber. Jedoch mangle es an Vorschlägen, wie der Wald jetzt gerettet werden könne. Auch der Waldumbau sei gefährdet, wenn der Einsatz nicht käme, da der Schädling vor Jungpflanzen und Laubbäumen nicht Halt machen würde. „Unsere Wälder sind Klimaschützer, Wasserspeicher, Erholungsort und Lebensraum für Tiere“, sagte Weber, „wenn wir sie jetzt nicht vor dem Schädling retten, gibt es keinen Wald mehr, der diese Funktionen erfüllen kann.“ Darüber hinaus wäre der Waldumbau für Jahrzehnte hinfällig. Weber: „Wir beginnen wieder mit der Kiefer, und alles geht von vorne los.“

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