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VSH warnt vor zu hohem Rundholzpreis

Der Verband Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg e. V. (VSH) äußert sich in einem offenen Brief vom 23. Juni 2010 zu aktuellen Entwicklungen am Holzmarkt und warnt darin vor zu hohem Rundholzpreis; dem jüngst bekannt gegebenen neuen Rundholzpreis (Spontanmeldung von Forst BW, 10.06.2010) kann nicht gefolgt werden.

Hintergrund für den offenen Brief des VSH vom 23. Juni 2010 ist die Spontanmeldung von Forst BW vom 10.06.2010, in der von einem ersten Abschluss im östlichen baden-württembergischen Landesteil mit 94,- €/Fm im sogenannten Leitsortiment berichtet wird. Der VSH warnt, diesem Preisbeispiel zu folgen. Es ist nicht hinnehmbar, dass dies jetzt die Messlatte für die baden-württembergischen Sägewerke sein soll. Abgeleitet vom Schnittholzmarkt sieht der VSH derzeit die Möglichkeit einer Rundholzpreiserhöhung in Höhe von etwa 2,- bis 3,- €/Fm. Die Großzahl der Betriebe, dies wurde auf einer VSH-Sitzung dieser Tage deutlich, fühlt sich von dem gemeldeten Preisabschluss gewissermaßen vorgeführt. Der Abschluss ist als Marktpreis für die zahlreichen anderen Betriebe nicht hinnehmbar, deshalb wird eine sofortige Abkehr von den bisherigen Gepflogenheiten mit sogenannten „Pilot“-Abschlüssen gefordert.

Der Abschluss ist außerdem insofern zu relativieren, da es sich um eine kaum repräsentative Menge handeln soll (die hinterlegten Mengen sind in der Spontanmeldung von Forst BW nicht enthalten) und zudem spezifische Besonderheiten der Regionen wie z. B. Tannenabschläge und Starkholzabschläge nur unzureichend wiederspiegelt. Für explosive Stimmung in der baden-württembergischen Sägeindustrie sorgt zudem der Eindruck, dass sich hier eine verfehlte staatliche Subventionspolitik vielleicht auf die betriebliche Preispolitik ausgewirkt hat.
Nach zuletzt mehreren Preissprüngen erwartet der VSH einen verantwortungsvollen  Umgang, denn die Rundholzpreise erreichen jetzt eine Größenordnung die der nachgelagerten Wertschöpfungskette zunehmend Probleme bereitet, auch angesichts der bei weitem nicht sicheren weiteren Entwicklung der Schnittholzmärkte: Niemand kann letztlich beurteilen wie stabil die Märkte bleiben. Das Preispotential am Rundholzmarkt wie auch am Schnittholzmarkt darf nicht überbewertet werden, zumal angesichts der zuletzt bereits erfolgten Preissprünge in vergleichsweise kurzen Abständen. Die Betriebe sehen die Probleme der Kundschaft sehr genau, wo vielfach längerfristige Preisbindungen nicht einfach übergangen werden können. Der VSH sieht die Gefahr, dass zunehmend Marktanteile die im Holzbau gewonnen wurden über Substitution verloren gehen, wenn der vom Rundholzpreis ausgehende Zwang zu Preiserhöhungen in zu kurzen Intervallen überzogen wird.
Das Cluster Forst und Holz fährt insgesamt besser mit mehr Kontinuität anstelle sprunghafter Auf- und Abwärtsbewegungen. Eine Riesengefahr besteht darin, dass sich schon wieder eine Hochpreisinsel bildet, welche die baden-württembergische Sägeindustrie zuletzt schon in den Jahren 2006 bis 2008 viel Substanz gekostet hat.
Der VSH warnt vor dem Versuch, diese Preislinie den vielen anderen Betrieben quasi überstülpen zu wollen und ermahnt die Betriebe diesem Preisbeispiel nicht zu folgen. Als Ungereimtheit mit Blick auf eine mögliche Verallgemeinerung werden zum Beispiel die genannten Preise für die Stärkeklassen 5 und 6 bewertet, da diese Starkhölzer nach hiesiger Einschätzung dort von eher untergeordneter Bedeutung sind. Auch die Führung von Forst BW und des zuständigen Ministeriums sind aufgefordert, hier Verantwortung zu zeigen. Gleiches gilt für den Privat- und Kommunalwald, denn es ist nur wenige Wochen her, dass deren Vertreter mit der Sägeindustrie in größerem Kreis zusammensaßen und Kontinuität proklamierten.
Die Landtagsfraktionen und das Ministerium haben zuletzt mehrfach die Bedeutung der mittelständischen Sägeindustrie für den ländlichen Raum betont und man erwartet, dass diesen Worten jetzt auch Taten folgen. Die Auseinandersetzung zwischen Forst und Sägeindustrie um Preise und Menge hat schon viel zu oft Marktchancen zunichte gemacht. Rundholz ist zur Zeit knapp, deshalb werden Rundholzexporte ins benachbarte Ausland scharf kritisiert. Der Waldbesitz wird aufgefordert, mehr Holz einzuschlagen und dieses im Inland zu vermarkten. Ohne diese Voraussetzung können die im ländlichen Raum angesiedelten Arbeitsplätze der Sägeindustrie schwerlich erhalten werden, was jedoch im Rahmen des Clusters Forst und Holz erklärtes Ziel ist. Der VSH bewertet die Geschäftsentwicklung nach dem langen Winter als derzeit durchaus gut, er sieht Potential für weitere jedoch moderate Rundholzpreiserhöhungen und mit Verweis darauf sollten sich die Kunden der Sägeindustrie schon ab 1. Juli 2010 auf eine entsprechende Preissteigerung im Schnittholz einstellen.
VSH

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