Ausbildung

VR-Brillen bringen mehr Arbeitssicherheit in die Holzernte

Bearbeitet von Carolin Föste

Die Forstwirtschaft, vor allem die motormanuelle Holzernte, ist eine unfallträchtige Arbeit. Technische Neuerungen sollen diese fortlaufend sicherer machen. Aber kann auch schon in der Ausbildung der Forstleute für mehr Sicherheit gesorgt werden? In Bayern können Baumfällungen nun ohne Schnittschutzhose, Helm und Visier erlernt werden. Mit VR-Brillen.

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) haben ein neues Konzept im Bildungszentrum Buchenbühl. Die Ausbildung junger Forstwirtinnen und Forstwirte will man dort im Unterricht sicherer, abwechslungsreicher und auch effektiver gestalten. Dazu wurden Helm und Visier gegen eine VR-Brille (engl. virtual reality) ausgetauscht. Ist das die Zukunft der forstwirtschaftlichen Ausbildungswelt?

Arbeitssicherheit für junge Forstwirte an erster Stelle

Ausbilder des Bildungszentrums und Mitarbeitende der Bayerischen Landesunfallkasse entwickelten die VR-Anwendung im Forstbereich gemeinsam. „Die Arbeit im Wald ist eine gefährliche Tätigkeit. Arbeitsschutz ist daher ein herausragender Punkt unserer Unternehmensstrategie“, erklärt Großmann, der für die Arbeitssicherheit am Bildungszentrum zuständig ist. „Als Fachkraft für Arbeitssicherheit und als Ausbilder ist es mir wichtig, das Thema für jeden Einzelnen greifbar zu machen.“ Der Einsatz der Brillen soll den Auszubildenden vor Augen führen, welche Gefahren die Holzernte mit sich bringt und sensibilisieren.

Möglichst realitätsnah habe man den Wald und die Bäume daher abbilden wollen. Damit alle Handgriffe sitzen, werden die Bewegungen in Echtzeit an die Brille übertragen. Das funktioniert durch Kontroller, die bei den Übungen in den Händen gehalten werden, sowie über Sensoren am Helm.

Wald realitätsnah durch die VR-Brille erkunden

Auch im virtuellen Raum wird mehr erlernt als die reine Baumfällung. Zuerst müsse die Auswahl des Werkzeuges getroffen werden. Auf dem virtuellen Weg zum Baum müssen die Lernenden sogar unebenes Gelände passieren. Großmann beschreibt: „Viele Arbeitsunfälle im Wald entstehen nach wie vor durch Stürzen, Stolpern oder Ausrutschen.“ Wird durch die VR-Brille zu viel in die Baumkronen geschaut, vibriert die Technik. Die Auszubildenden sollen lernen, auf ihre gesamte Umgebung zu achten. Denn der Wald halte mehr Gefahren bereit als ein Schulungsraum.

Virtueller Waldrundgang per VR-Brille
Den Wald virtuell zu erleben, heißt auch, auf Stolpermöglichkeiten und Totholz in den Baumkronen zu achten.
Screenshot: Bayerische Landesunfallkasse

Am Ende einer Übungseinheit folgt eine Auswertung der Handgriffe. Damit könnten auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen ihre Kenntnisse und Fertigkeiten kontrollieren: „Nicht nur für Forstwirtinnen und Forstwirte in der Ausbildung ist das ein eindrucksvolles Tool, um den richtigen Arbeitsablauf der Fällung und den dazugehörigen Arbeitsschutz zu erlernen. Denn hier dürfen Fehler gemacht werden“, so Großmann. Die Baumfällung per VR-Brille könnte damit auch als Fortbildungstool genutzt werden oder Menschen ohne forstlichen Hintergrund neugierig auf das Berufsbild machen.

Auf der INTERFORST erhielt die digitale Neuerung in der Waldarbeit einen KWF-Members Award.

Quelle: BaySF