WaldÖkologie

Von Schadflächen im Wald profitieren?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Tagfalter, Totholzkäfer, Vögel und Fledermäuse – sie alle könnten sich auf den Versuchsflächen, die über den gesamten Schwarzwald verteilt sind, wohlfühlen. Hier sind in den Trockenjahren 2018 bis 2020 viele Bäume abgestorben. Dadurch kommt viel Licht auf den Waldboden und es gibt gleichzeitig große Mengen Totholz. Es stellen sich grundlegende Fragen: Sollen die Flächen geräumt werden oder das Totholz im Wald stehen bleiben? Was für die Forstwirtschaft eine große Herausforderung darstellt, kann jedoch für viele Tierarten eine Chance sein. Ein Projekt an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) untersucht deshalb, welche Auswirkungen der neue Lebensraum auf seltene Arten hat.

Im Rahmen des FVA-Notfallplanprojekts wird untersucht, welche Auswirkungen das Absterben von Waldflächen und deren anschließende Behandlung (Belassen oder Räumen) auf die Tier- und Pflanzenvielfalt hat. „Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen abgeleitet werden, ob und wie die vermehrt auftretenden, klimawandelbedingten Störungen für die Förderung der Waldbiodiversität genutzt werden können“, erläuterte Laura Harms, Projektbearbeiterin an der FVA, die Praxisrelevanz des Themas und ergänzte: „Wir wollen auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auf den Schadflächen viel Neues entsteht.“

Wie wirken sich Schadflächen auf die Biodiversität aus?

Zu Tages- und Nachtzeiten werden in den kommenden Tagen und Monaten auf den Flächen Häufigkeit und Diversität von Gefäßpflanzen, Tagfaltern, Totholzkäfern, Vögeln und Fledermäusen erhoben. Spezialistinnen und Spezialisten für die unterschiedlichen Artengruppen identifizieren, zählen und sammeln in mehrtägigen Aufnahmearbeiten die jeweiligen Arten.

Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) bevorzugt waldreiche Gebiete sowohl in Mittelgebirgslagen als auch Tiefland.
Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) bevorzugt waldreiche Gebiete sowohl in Mittelgebirgslagen als auch Tiefland.
Foto: FVA

Das Projekt ist Teil des größeren Forschungsprojekts „Biodiversität entlang eines Waldnutzungsgradienten“, das unter der Leitung von Dr. Veronika Braunisch die Biodiversität auf unterschiedlich intensiv bewirtschafteten Flächen untersucht. Von ihm werden naturnah bewirtschaftete und geräumte Vergleichsflächen übernommen und durch Flächen mit aktuellen, großflächigen Trockenschäden ergänzt, auf denen das Totholz belassen wird. In einer zweiten Projektphase, die über die Laufzeit des Teilprojekts im Rahmen des Notfallplans hinausgeht, sollen auch unterschiedlich aufgeforstete Störungsflächen, sowie deren langfristige Entwicklung untersucht werden.

Hier finden Sie weitere Informationen…

Hintergrund:

Wie bewältigen wir die Herausforderungen durch den Klimawandel? 18 Forschungsprojekte an der FVA finden Antworten. Insgesamt 3,3 Mio. € investiert Baden-Württemberg über den „Notfallplan Wald“ in praxisnahe, lösungsorientiere Projekte. Von Trockenstress bei Buche über neue Wege in der satellitengestützten Erfassung von Waldschäden, der Prüfung alternativer Baumarten bis hin zu gesellschaftlichem Engagement bei der Wiederbewaldung werden sieben Forschungsschwerpunkte behandelt.

„In der Debatte um den Wald spielen traditionell Emotionen eine große Rolle“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor der FVA. „Die Waldbesitzenden und die Forstleute müssen sich bei ihren täglichen Entscheidungen aber auch auf wissenschaftliche Aussagen stützen können. Dazu brauchen wir ein Bild von der Zukunft des Waldes und eine Bewertung der Handlungsalternativen, die die Verantwortungstragenden im Wald, aber auch die Öffentlichkeit nachvollziehen können. Daran arbeiten wir“, erklärte Schraml weiter.

Einen Überblick sowie Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie hier.

Quelle: FVA