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Eichensaatgut aus dem über Jahrhunderte imposante Baumriesen erwachsen.

Vom Zwerg zum Riesen

ThüringenForst bereitet die diesjährigen Herbstaufforstungen vor. Aus einem kleinen Samen soll in ein, zwei, bislang fast drei Jahrhunderten ein Baumriese werden. Aktuell warten 800.000 junge Pflanzen darauf, im Staatswald eingepflanzt zu werden.

Eicheln sind nur etwa 35 mm lang und wenige Gramm leicht. Bis zu 40.000 von ihnen kann eine gesunde Eiche in einem Mastjahr produzieren. ThüringenForst lies 2018 Millionen von herkunftsgesicherten Eicheln durch Kinder und Jugendliche gegen Entgelt in den heimischen Wäldern sammeln, die inzwischen in der Forstbaumschule Breitenworbis zu jungen Pflänzchen gezogen wurden. Allein 800.000 warten aktuell auf die Herbstauspflanzung im Staatswald. Kaum vorstellbar, dass jedes einzelne dieser kleinen unscheinbaren Pflänzchen schon eine faszinierende Entwicklung hinter sich hat.

Bei richtiger Temperatur startet die Keimung

„Licht, Wasser und Sauerstoff sind zur Keimung notwendig, die richtige Temperatur lässt den faszinierenden Vorgang schließlich starten“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Mittels biochemischer Prozesse nimmt die Eichel Wasser auf und platzt. Gleichzeitig werden Eiweiße und Kohlenhydrate aufgespalten und als Nährstoffe zur Verfügung gestellt. Die braucht der kleine Samen, muss er doch den im Embryo vorhandenen Spross, die Keimblätter und eine Wurzel ausbilden und durch den aufgeplatzten Spalt wachsen lassen.

Steinchen in den Zellen zeigen den Weg

Doch wie weiß der Keimling, dass er die Wurzel „nach unten“, den Spross „nach oben“ wachsen lassen muss? Winzige Steinchen, in den Zellen eingelagert, folgen der Schwerkraft und zeigen dem Keimling, wo es in den Boden und wo es in Richtung Sonne geht. Der Eichenkeimling kann deshalb eine lange Wurzel senkrecht in die Tiefe des Erdreichs bilden – im etwa selben Tempo zieht der Spross in die Höhe. Sobald die Keimblätter das Sonnenlicht erblicken, starten sie mit der Fotosynthese. Anfänglich zehrt der Keimling noch von seinem „Rucksackproviant“, nach etwa einem Jahr muss er ausreichend eigene Nährstoffe produzieren. Dazu braucht er genügend Licht, weshalb Waldbesitzer und Förster Eichen stets auf Freiflächen ohne Beschattung pflanzen.

Schon der Sämling kämpft sofort ums Überleben

Wer jetzt denkt, der Sämling hat es jetzt geschafft, der irrt. Jetzt verstärkt sich der Kampf um das Bodenwasser und das Licht, den der Sämling hat oft genug Hundertausende Gleichgesinnte um sich – der natürliche Ausleseprozess beginnt. Als wäre das, neben der jährlichen Spätfrostgefahr, nicht schon genug, droht weiteres Ungemach: Das Rehwild frisst mit größter Leidenschaft junge Sämlinge. Bei ökosystemverträglichen Wilddichten bleiben gleichwohl genug Sämlinge übrig. Sind die Rehwildbestände aber überhöht, hat der allergrößte Teil der Sämlinge kaum eine Chance zu überleben. Erst in zwölf Jahren sind sie etwa fünf Meter hoch gewachsen, das kleinere Rehwild kann den jungen Eiche nicht mehr schaden.

Forstleute helfen den jungen Pflänzchen

In bewirtschafteten Wäldern helfen Waldbesitzer und Förster den jungen Pflänzchen. Etwa durch den Bau eines rehwildsicheren Zauns um die Eichenkultur herum oder die Pflege der Kultur, indem schattenwerfendes Gestrüpp entfernt wird. Kaum zu glauben, dass solch ein Eichenpflänzchen dann mit etwas Glück etwa ein Viertel Jahrtausend vor sich hinwächst. Und damit im wahrsten Sinne des Wortes vom Zwerg zum Riesen wird…

 

Lesen Sie hier unseren Beitrag darüber wie Pflanzungen am besten gelingen, welcher Zeitpunkt der richtige ist und welche Baumarten sich wofür am besten eignen. 

Quelle: ThüringenForst

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