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Vom Buchenstamm zur Holzkohle

Vom Buchenstamm zur Holzkohle

Während besonders wertvolles und dickes Stammholz als mögliche Furnierware auf die Submission gebracht wird, um dort gegen schriftliches Höchstgebot meistbietend versteigert zu werden, wird ein Großteil der durchschnittlichen Qualitäten an örtliche Sägewerke verkauft. Das dünne Holz von geringer Qualität kann zu Spanplatten oder Papier verarbeitet werden, ist aber auch bei Brennholzkunden begehrt. Daneben gibt es seit über 115 Jahren einen traditionellen Großabnehmer: das heutige Profagus-Werk in Bodenfelde. In Deutschlands letztem großem Grillkohlewerk „Profagus“ wird das Buchenholz zu Holzkohle verarbeitet, verpackt und zu Verkaufsstellen in ganz Deutschland transportiert. Das 1896 gegründete Werk (ehemals Degussa, später Chemviron, heute gehört es zu einer Investorengruppe) verarbeitet mit 130 Mitarbeitern jährlich 100.000 t unbehandeltes Buchenholz und bezieht seinen Rohstoff überwiegend in einem Radius von 50 Kilometer rund ums Werk – und das seit 117 Jahren.Die Niedersächsischen Landesforsten liefern pro Jahr eine bedeutende Menge Buchenindustrieholz an den Holzkohlehersteller. Die vier südniedersächsischen Forstämter Dassel, Neuhaus, Münden und Reinhausen sind wichtige Rohstofflieferanten für das Werk an der Weser. Aus dem Solling, Deutschlands Waldgebiet des Jahres 2013, kommen die meisten Baumstämme. Allein das Forstamt Neuhaus produziert 12.000 Kubikmeter direkt vor den Werkstoren in Bodenfelde. Hans Jürgen Schröder aus dem Forsthaus Amelith leitet die Revierförsterei Steinborn. „Rund 1000 Festmeter Profagus-Holz stammen aus meiner Försterei. Eine große Arbeitserleichterung ist dabei der Harvester, denn die Vollerntemaschine arbeitet die Buchenstämme schnell und sicher auf“, so der Revierförster aus Bodenfelde im Nachbar-Forstamt Dassel.Nachdem das Buchenholz bei Profagus auf Kaminholzlänge gehackt und getrocknet wurde, wird es in so genannte „Retorten“ – sieben an der Zahl und jeweils 100 Kubikmeter fassend – gefüllt. Dort wird aus dem Holz Kohle. Doch während die alten Holzkohlemeiler im Wald mit einer sauerstoffkontrollierten Verbrennung arbeiteten, setzt man in Bodenfelde auf die „trockene Destillation“: Dazu wird ein ebenfalls im Herstellungsprozess entstehendes Gas bei 500 Grad Celsius in die Retorten geleitet, das die übrigen Substanzen aus dem Holz löst und nach 18,5 Stunden nur den reinen Kohlenstoff übrig lässt.Als Nebenprodukte entstehen dabei jährlich 4500 Tonnen Essigsäure sowie Holzteere, Aromastoffe für die Lebensmittelindustrie und Holzkohlengrieß. Auch in der Medizin hat die Buchenholzkohle ihren Platz: Kohletabletten sollen bei Durchfallerkrankungen helfen. Nach zwölfstündiger Abkühlung wird die Grillkohle gesiebt und in Säcke verpackt, kleine Stückchen sowie Staub werden zu hochwertigen Briketts verpresst. Aus 3,5 Tonnen trockenem Buchenholz wird so schließlich eine Tonne Holzkohle.Worauf Verbraucher achten solltenNur Holzkohle ist tatsächlich aus Holz, während als „Grillkohle“ beworbene Ware auch aus Braunkohle sein kann. Um bedrohte Wälder zu schonen, sollten Verbraucher darauf achten, dass die Kohle statt Tropen- oder Nadelimportholz ausschließlich aus heimischen Laubhölzern besteht. Gute Holzkohle, die frei von Säuren und Teeren ist, erkannt man an einem einfachen Trick: Man nehme ein längeres, dünnes Stück Holzkohle und schlage dieses gegen eine scharfe Ecke. Während bei schlechter Holzkohle nichts passiert, bricht gute Holzkohle mit hellem Klang wie Glas in viele Stücke. Holzkohle brennt schnell an, während die eierförmigen Briketts langsamer in Gang kommen – dafür aber die Glut länger und besser halten.

NLF

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