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Vogel des Jahres 2017 – Der Waldkauz

Vogel des Jahres 2017 – Der Waldkauz

Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringen 400 bis 600 Gramm auf die Waage. Ihr großer Kopf ohne Federohren sitzt auf einem gedrungenen Rumpf. Sein freundliches Aussehen verdankt der Waldkauz seinen großen runden „Knopfaugen“ im dunkel umrahmten hellen Gesichtsschleier. Der stark gekrümmte Schnabel ist beim Waldkauz gelblich. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner. Unabhängig vom Geschlecht oder Alter hat ein Teil der Waldkäuze eine graubraune Grundfärbung des Federkleides, andere eine rotbraune. Man spricht von zwei verschiedenen Farbmorphen, ähnlich den unterschiedlichen Haar- und Augenfarben beim Menschen. In jedem Fall sind die Käuze durch ihr rindenfarbenes Äußeres meist gut getarnt.Bei Waldkäuzen im Siedlungsraum stellen Vögel oft den Großteil der Nahrung. Doch darauf greift der Vogel des Jahres nur zurück, wenn Kleinsäuger wie Mäuse, Maulwürfe, Ratten oder Jungkaninchen nicht zu finden sind. Bis zu 300 Gramm schwere Tiere kann der Waldkauz überwältigen und abtransportieren. Dabei frisst er gelegentlich auch kleinere Eulen, wie den Raufuß- oder den Sperlingskauz. Frösche, Kröten, Käfer und sogar Regenwürmer sind ebenfalls Nahrungsquellen für ihn.Ab Herbst ist der heulende Reviergesang während der Balz weithin zu hören. In dieser Zeit wird der Bund eines bestehenden Brutpaares erneuert, das den Sommer über zwar im gleichen Revier, aber eher alleine verbracht hat. Fehlt ein Weibchen, muss das Männchen mit dem Gesang erst einmal eine Partnerin anlocken. Im Spätwinter beginnt die Brutzeit und damit ein weiterer Höhepunkt der Ruf- und Gesangsaktivität. Durch „kollerndes“ Nestlocken weisen verliebte Käuze der Dame ihres Herzens den Weg zu geeigneten Bruthöhlen. Bei der Balzfütterung präsentieren sie ihre Jagdkünste. Stimmt die Qualität und Menge der Beute und gefällt der Waldkauzdame der Brutplatz, entscheidet sie sich für eine meist lebenslang andauernde Paarbeziehung.Die Jungen wiegen nach dem Schlupf nur 28 Gramm. Noch blind, können sie sich bereits am zehnten Tag selbst aufsetzen und sechs Tage später stehen. Die Waldkauzmutter bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege, das in der Regel aus zwei bis vier Eiern besteht, die meist in zweitägigem Abstand gelegt werden. Die Brut beginnt häufig schon nach der Ablage des ersten Eis und dauert für jedes Ei 28 bis 29 Tage.Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann „Ästlinge“ genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „Kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Zu Beginn der Herbstbalz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und müssen sich ein eigenes suchen. Nur die Hälfte der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr. Einmal erwachsen, können sie in freier Natur bis zu 19 Jahre alt werden.Als Standvogel bleibt der Waldkauz das ganze Jahr über in seinem 25 bis 30 Hektar großen Revier. Untersuchungen zufolge blieben sogar 80 bis 90 Prozent der beringten Paare zeitlebens im gleichen Umfeld. Diese Standorttreue hilft den Eulen, auch harte Winter zu überleben, kennen sie doch sämtliche Nahrungsquellen und Verstecke sehr genau. Die selbstständig gewordenen Jungvögel streichen auf der Suche nach einem eigenen Revier nur im ersten Herbst umher, wobei auch sie sich zu 90 Prozent nicht weiter als 50 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernen.

Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt: Der Waldkauz ist keinesfalls nur im Wald zu Hause, obwohl er sich in lichten Laub- und Mischwäldern besonders wohl fühlt. Als ideal gilt ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, Lichtungen, Waldrändern und angrenzenden Feldern. Reine Nadelwälder hingegen wählt der Waldkauz nur selten als Brut- und Lebensraum, weil es dort nicht genug Nahrung für ihn gibt. Findet der Waldkauz 

keine geeigneten Baumhöhlen als Brutplatz, nimmt er auch ruhige Winkel von Gebäuden, Scheunen oder Nistkästen an. Längst ist er daher auch in städtischen Parkanlagen, Alleen und Gärten mit altem Baumbestand zuhause.
 
Der europäische Brutbestand wird auf 30.000 bis 940.000 Brutpaare geschätzt. Weltweit gibt es damit etwa 700.000 bis 1,2 Millionen Brutpaare.
 
Weitere Infos gibt es unter www.nabu.de. Der NABU hat die Broschüre „Vogel des Jahres 2017 – Der Waldkauz“ veröffentlicht. Informationen zu Nistkästen und zum Vogelschutz erhält man vom Verfasser, welcher auch ehrenamtlich ein Nistkasten- und Vogelschutzmuseum im oberschwäbischen Ringschnait betreibt. Kontakt: Gerhard Föhr, Tel.07352-2579; Gerhard.Foehr@t-online.de; www.Nistkastenmuseum.de.
Gerhard Föhr

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