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„Vierländertreffen“ der Holzindustrie in Luzern

Am 7./8. September 2018 fand in Luzern (Schweiz) das traditionelle „Vierländertreffen“ der Holzindustrie statt. Gastgeber Thomas Lädrach von Holzindustrie Schweiz durfte bei schönem Spätsommerwetter fast vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Baden-Württemberg, Elsass, Vorarlberg und aus der Schweiz begrüßen. Die Branchenvertreter analysierten die Märkte für Nadel- und Laubholz und tauschten sich über aktuelle branchenpolitische Themen aus.

Generell profitiert die mitteleuropäische Holzwirtschaft derzeit von der guten Konjunkturlage in Europa. Die Nachfrage nach Bau- und damit nach Holzprodukten ist nicht nur in Europa hoch, sondern auch in Asien und in den USA. Die Sägewerke in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz verzeichneten dieses Jahr bislang eine überdurchschnittlich hohe Auslastung. Die konjunkturelle Entwicklung wird auch für die 2. Hälfte 2018 und für 2019 optimistisch eingeschätzt.

Grund zur Besorgnis geben globale Unsicherheiten, allen voran der Handelsstreit zwischen den USA und China. Auch der Klimawandel birgt Risiken für die Holzindustrie. Die ausreichende Versorgung mit wirtschaftlich nutzbaren Sortimenten bekommt eine grosse Bedeutung mit Blick auf die zunehmenden Waldschäden infolge von Hitze und Trockenheit.

Geschäftslage ist sehr gut

Die Mengen und Preise auf den Absatzmärkten für Nadelholz entwickelten sich in den vergangenen Jahren vor allem in Deutschland und Österreich erfreulich. Die Geschäftslage ist weiterhin sehr gut und die Sortimente in Verpackung und Bau werden stark nachgefragt bei stabilen bzw. steigenden Preisen. Die Schweiz als Nicht-Euroland leidet nach wie vor unter dem starken Franken (aktueller Wechselkurs 1 Euro = CHF 1.13).

Infolge des Wintersturms „Burglind“ Anfang 2018 ist die Versorgung mit Rundholz in allen vier Ländern gesichert. Die Sturmholzmengen wurden überall unterschätzt. Das zunehmend anfallende Käferholz stellt die Waldwirtschaft wie die Industrie vor einige Herausforderungen. In Baden-Württemberg strömt derzeit vermehrt Käferholz auf den Markt mit unterschiedlichem Qualitätsniveau und man rechnet in den kommenden Monaten mit regionalen Engpässen bei der Frischholzbelieferung, insbesondere wenn sich die Schadholzsituation weiter verschärfen sollte. Die Käfer-Rundholzpreise sind bei aktuellen Abschlüssen oder bei Übernahme zusätzlicher Mengen deutlich rückläufig. In Vorarlberg gibt es bisher kaum Käferholz, aber dafür in den anderen Bundesländern Österreichs. Infolge des Nadelholz-Überangebots v.a. bei den mittleren und schlechten Qualitäten dürften die Preise weiter sinken. Für gute Frischholz-Qualitäten sind in den kommenden Monaten stabile Preise zu erwarten. Die Absatzmärkte für Nadelholz werden für die kommenden zwei Jahre positiv eingeschätzt, selbst wenn eine abkühlende Baukonjunktur die Produktion etwas bremsen könnte.

Weniger dynamisch als beim Nadelholz entwickelt sich das Geschäft mit Laubholz. Die Nachfrage nach Laubholz-Schnittholz sinkt insgesamt in Europa. Auf der anderen Seite zeigen sich die aussereuropäischen Märkte zunehmend aufnahmefähig, und zwar nicht nur für Rundholz, sondern auch für Schnittwaren und veredelte Produkte. Die Produktion in der europäischen Laubholz-Industrie bleibt somit unter dem Strich ziemlich stabil. Für Buche sind zukünftig leicht steigende Preise zu erwarten. Esche bleibt als günstiger Ersatz für Eiche ebenfalls einigermassen gesucht. Für Edellaubhölzer wie Ahorn, Kirsche und Nuss besteht zurzeit fast keine Nachfrage.

Ein Sonderfall beim Laubholz bildet das boomende Eichengeschäft. Eiche in allen Formen ist weltweit gesucht wie noch nie. Rundholz wird zusehends zur Mangelware für die Eichenholzverarbeiter in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Die französischen Laubholzsäger fordern daher ein Exportverbot für Eichen-Rundholz und erwarten Solidarität von den anderen europäischen Ländern.

Die Märkte für Restholz haben sich in den letzten Monaten entsprechend des hohen Einschnitts positiv entwickelt. Für Sägemehl steigen die Preise tendenziell, da der Energiemarkt weiter anzieht (Pellets). Die Hackschnitzelpreise sind unter Druck, weil die Papierindustrie laufend weniger produziert. Eine Ausnahme bildet die Schweiz, wo sich die Papierproduktion auf hohem Niveau halten kann.

Diskussionspunkt Berufsbildung

Ein weiterer Diskussionspunkt am Vierländertreffen war die Berufsbildung. Jugendliche für die Arbeit in der Holzindustrie zu motivieren scheint in allen Ländern eine grössere Herausforderung zu sein. In der Schweiz wurde soeben eine umfassende Bildungsplanrevision für die dreijährige Sägerausbildung gestartet. In Baden-Württemberg hat man vor, dem Fachkräfte- und Beschäftigtenmangel auch damit zu begegnen, Quereinsteiger aus anderen Branchen, arbeitsberechtigte Geflüchtete etc. zu gewinnen, damit Sägewerksbetriebe Personalengpässe ausgleichen können.

Aktuelle Holzbauten in der Schweiz

Reinhard Wiederkehr vom Holzingenieurbüro Makiol + Wiederkehr in Beinwil am See (Schweiz) präsentierte in seinem spannenden Referat aktuelle Holzbauten in der Schweiz. Wiederkehr zeigte am Beispiel des Brandschutzes, dass grosse Ziele nur mit beharrlichem und koordiniertem Vorgehen der ganzen Branche zu erreichen sind. Er sei als Holzbauingenieur gerne bereit, soweit wie möglich einheimische Holzprodukte zu berücksichtigen. Je höher der Anteil an echt regionalem Holz ist, desto mehr profitieren auch regionale Sägewerke an den Wirtschaftskreisläufen. Zusätzlich werden Transportkilometer eingespart und damit die Umwelt erheblich entlastet.

Der einheimischen Holzindustrie sei jedoch auch gedient, wenn man nicht kategorisch 100 % einheimisches Holz fordere. Bauherr und Planer müssten genügend Entscheidungsspielraum haben. So sei die Terminsicherheit bei Holzbauten oft das schlagende Argument. Lieferschwierigkeiten bei gewissen Sortimenten seien für die schnell getaktete Bauwirtschaft problematisch. Die Holzbranche ist laut Wiederkehr gut beraten, wenn sie den Werkstoff Holz vermehrt als Teil einer nachhaltigen Gesellschaft ins Spiel bringe. Konzepte wie z.B. die 2000-Watt-Gesellschaft der Stadt Zürich seien heute und zukünftig die großen Treiber des Holzbaus.

Holzindustrie Schweiz

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