Forstpolitik

Vier Bundesländer einigen sich auf gemeinsame Waldpolitik

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am Freitag, den 23. Juli, unterzeichneten die zuständigen Ministerinnen und Minister der Länder Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen im sächsischen Werdau eine gemeinsame Erklärung für eine Waldpolitik der Zukunft.

Am vergangenen Freitag haben sich die Umwelt- und Agrarministerinnen und -minister der Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen – Axel Vogel, Dr. Ralf-Peter Weber, Wolfram Günther und Anja Siegesmund – im Werdauer Wald getroffen und vor Ort mit Förstern über Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung klimastabiler Wälder ausgetauscht. Im Anschluss wurde eine gemeinsame Erklärung der vier beteiligten Bundesländer für eine gemeinsame Waldpolitik unterzeichnet, mithilfe derer die Klimaschutzfunktionen der Wälder gestärkt werden sollen.

Siegesmund: „Situation nicht nur in Thüringen dramatisch“

Wie Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund betonte, sei „die Situation nicht nur in Thüringen dramatisch“. Die Ministerin erklärte: „Der Umbau von Monokulturen hin zu klimarobusteren Mischwäldern hat begonnen – und sollte weiter gefördert werden. Im Wald sollte nur noch dort schwere Technik eingesetzt werden, wo zwingend nötig, damit der Boden nicht unnötig verdichtet wird. So können wir alte Fehler vermeiden und vorausschauend das Klima schützen.“

Weber: „Holznutzung gut für Klima und für regionale Wirtschaft“

Dr. Ralf-Peter Weber, Sachsen-Anhalts Staatssekretär für Landwirtschaft, erklärte: „Am Waldumbau kommt niemand mehr vorbei. Dabei setzen wir in Sachsen-Anhalt auf Naturverjüngung, Wildlingsgewinnung und nutzen heimisches Saatgut aus der Landesdarre. Langfristige Holznutzung ist gut für das Klima und für die regionale Wirtschaft. Im Rahmen des Strukturwandels haben wir deshalb im Süden Sachsen-Anhalts das Innovationshub ‚Zukunft Holz und Klima‘ initiiert. Als Zentrum für Forschung und Wirtschaft in den Bereichen Holz und Forst sollen Ideen zur gemeinsamen Umsetzung einer nachhaltigen regionalen Kreislaufwirtschaft entwickelt werden.“

Günther: „Uns eint ein politischer Wille“

Sachsens Landwirtschaftsminister, Wolfram Günther, sagte im Rahmen der Exkursion im Werdauer Wald: „Uns eint der politische Wille, auch in der Waldbewirtschaftung stärker auf Nachhaltigkeit zu setzen und den Waldumbau voranzubringen. Unser Ziel ist es, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Wälder zu schaffen. Nur sie werden bei Hitze und Trockenheit Bestand haben und zugleich bei Starkregen Wasser in der Fläche zurückhalten können. Dabei wollen wir auf die entsprechenden Erfahrungen in unseren Ländern aufbauen und uns austauschen. Darüber hinaus wollen wir die Ökosystemleistungen und die biologische Vielfalt in unseren Wäldern erhalten und fördern.“

Vogel: „Entschlossenes Handeln ist erforderlich“

Axel Vogel, Forst- und Umweltminister in Brandenburg, stellte klar: „Um unsere Wälder zu schützen und widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu machen, ist entschlossenes Handeln erforderlich. Wir brauchen zukünftig möglichst viele verschiedene Baumarten und dabei ausreichend Laubholz auf der Fläche. Daneben ist der Schutz des Waldes für Brandenburg als das Land mit den meisten Waldbränden und einem hohen Wildbestand essenziell.“

Vogel forderte aber auch, es brauche hierbei mehr Anstrengung durch den Bund: „Die sogenannte Waldprämie ist ein guter und wichtiger Schritt. Allerdings dürfen hier nicht die gleichen Fehler gemacht werden, wie bei der alten Agrarförderung. Es braucht eine Honorierung von ökologischen Leistungen und nicht nach Fläche. Nur so können wir die zahlreichen Waldbesitzer, auch in Brandenburg, überzeugen, dabei mitzuhelfen, die wichtigen Funktionen des Waldes zu erhalten.“

Zu den nächsten Umweltminister- und Agrarministerkonferenzen soll deshalb gemeinsam mit Bund und Ländern ein Fahrplan für eine ökologische Waldprämie vereinbart werden, um schnellstmöglich Standards in Bundeswald- und Bundesjagdgesetz zu verankern und Förderinstrumente anzupassen.

Was die gemeinsame Erklärung enthält

Die gemeinsame Erklärung für eine klimaschützende Waldpolitik der Zukunft enthält unter anderem die folgenden Punkte:

  • Waldumbau: Eine zielgerichtete Förderung durch die EU, den Bund und die Länder innerhalb der vorhandenen Finanzierungsinstrumente wie der GAK muss entsprechend der Herausforderungen durch die Klimakrise weiterentwickelt und verstetigt werden. Als Ergänzung zur Naturverjüngung ist neben der Verwendung von herkunftsgesichertem Saatgut bei Freilandsaaten auch die Nutzung von herkunftsgesichertem Pflanzgut bzw. von Wildlingen erforderlich. Waldbesitzer (alle Besitzarten), die ihrer Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder in besonderer Weise gerecht werden, sind hierin stärker zu unterstützen. Gezielte Waldumbaumaßnahmen müssen attraktiv gefördert werden. Alle finanziellen Förderangebote setzen effektive Anreize, Klimaschutz- und Ökosystemleistungen der Wälder über das gesetzliche Mindestmaß hinaus nachhaltig zu erhöhen.
  • Waldschutz: Schäden durch Wildverbiss müssen durch eine effektive, tierschutzgerechte Jagd deutlich auf ein waldverträgliches Maß reduziert werden. Die jagdrechtlichen Vorschriften müssen daher noch stärker auf die notwendige nachhaltige Sicherung der Waldfunktionen ausgerichtet werden. Die Waldbrandvorsorge ist durch Waldumbau hin zu Misch- und Laubwäldern, die Anlage von Waldbrandschutzriegeln, die Waldbrandüberwachung mit moderner Technik sowie die Anlage von Löschwasserentnahmestellen und Waldbrandschutzwegen umzusetzen. Die Forschung zum Waldschutz mit biologischen Mitteln bzw. präventiven Bewirtschaftungsansätzen soll intensiviert werden.
  • Wasserspeicherkapazität: Sie muss erhalten und erhöht werden, indem Niederschlag z. B. besser in Biomasse und Totholz auf den Flächen gespeichert wird. Sich aufbauende Abflusskonzentrationen (beispielsweise entlang von Wegen oder Geländeeinschnitten) müssen gemindert werden. Das Wasser kann z. B. in die Fläche abgeleitet oder gezielte in Tümpeln, Teichen und Weihern zurückgehalten werden. Der Waldboden ist befahrungs- und verdichtungsempfindlich. Bei der Waldpflege und Holzernte müssen Maschinen daher bodenschonend eingesetzt werden.
  • Holznutzung: Die langfristige Nutzung von Holz und die stoffliche Substitution nichtregenerierbarer Ressourcen durch Holz leisten einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz sowie eine CO2-neutrale Wirtschaftsweise. Die vorrangige Bedarfsdeckung für Bau- und Möbelholz vor Energieholz, Zellstoff oder andere kurzlebige Verwendungen sollte angestrebt werden. Die Forschung auf diesem Gebiet, innovative Ideen für neue Produkte sowie ein verbessertes Design von holzbasierten Erzeugnissen (einfacheres Recycling und Wiederverwendung) sollten gezielt unterstützt werden. Verbraucher müssen besser bei der Produktauswahl unterstützt werden, indem Informationen über den ökologischen Fußabdruck von Holzerzeugnissen im Vergleich zu Nicht-Holz-Alternativen bereitgestellt werden. Durch den Bundesrat soll daraufhin gewirkt werden, dass verpflichtende Herstellerangaben zur CO2-Bilanz der Herstellung sowie der Herkunft der Grundstoffe insbesondere in Vorprodukten, Baustoffen und Materialien eingeführt werden.
Mit Material von MLUK, MULE, SMUL und TMUEN