Naturschutz und Waldbewirtschaftung auf einer Fläche
Positivbeispiel aus der forstlichen Praxis: Integrierter Naturschutz in die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern in Sachsen
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Viel diskutiert: Große Stilllegungen von Wäldern

12. April 2022

Europaweit wird angeregt über mehr Stilllegung von Wäldern diskutiert. Aber würde das dem Klima helfen, genauso wie der Nachhaltigkeit, gerade in Konsumfragen? Acht forstliche Verbände aus Sachsen reagieren auf zahlreiche Forderungen nach mehr Naturschutz in Wäldern und beantworten diese Frage mit einem klaren Nein.

Stehen Waldbewirtschaftung und Naturschutz auf Kriegsfuß? Bei zahlreichen Forderungen, Wälder im großen Stil stillzulegen, auch von Seiten der (Europa-)Politik, entsteht schnell der Eindruck. Warum Klimaschutz und Waldnutzung mehr Hand in Hand als gegeneinander gehen und 10 % stillgelegte Waldflächen in Sachsen eher schädlich als förderlich wären, erklären Stimmen aus der sächsischen Forstwirtschaft in einem Positionspapier.

Forstliche Verbände wollen keine großflächige Stilllegung

Der Sächsische Waldbesitzerverband e. V., der Sächsische Forstverein e. V., die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – LV Sachsen e. V., die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft – LG Sachsen e. V., die Stiftung Wald für Sachsen, der Sächsische Forstunternehmerverband e. V., der Bund Deutscher Forstleute Landesverband Sachsen e. V. und der Ökologische Jagdverein Sachsen e. V. haben ein gemeinsames Schreiben unterzeichnet. Darin erklären sie ihre Position gegenüber der nachhaltigen Waldbewirtschaftung sowie dagegenstehenden pauschalen Waldstillegungen über 5 %.

Die klare Forderung: „Integrative, nachhaltige und aktive Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche hilft, den Klimawandel zu bewältigen. Wir fordern, auf großflächige Stilllegungen von Waldflächen zu verzichten.“

Weniger Waldwirtschaft: Nachteile für die Gesellschaft

Ihre Forderung, nicht mehr als die bisherigen 5 % Wald stillzulegen, begründen die forstlichen Verbände auf verschiedenen Argumentationslinien. Zum einen beschreiben sie das Konfliktpotenzial, das aus zu großen Stilllegungen erwachsen könnte. Helfe man dem Wald bei seinen aktuellen Schäden nicht durch Aufforstungen mit standort- und klimastabilen Baumarten, überlasse man Nachfolgegenerationen die Herausforderungen des Klimawandels. Klimafreundliche Ressourcen aus dem Wald blieben damit ungenutzt.

Die Diskussion schade außerdem den ländlichen Strukturen und fördere Spannungen zwischen der deutschen Stadt- und Landbevölkerung. Zahlreiche Arbeitsplätze seien an die Forstwirtschaft geknüpft: „Großflächige Prozessschutzflächen im ländlichen Raum führen zum Verlust von weiteren Arbeitsplätzen, Wohlstand und Identität.“

Sind Stilllegungen von Wäldern gut für’s Klima?

Zum anderen äußern sich die Vereine zur Klimaschutzleistung der Forstwirtschaft. „Flächenstilllegungen stehen in krassem Widerspruch zu den wichtigen Holzbauoffensiven und Förderprogrammen von Bund und Ländern, mit denen eine nachhaltige, regionale und ressourcenschonende Entwicklung gestützt werden soll.“ Weiter heißt es in dem Papier: „Wir müssen den Schutz der Natur, die Verwendung des ökologischen Rohstoffes Holz in allen Lebensbereichen im Interesse des Klimaschutzes und des Fortbestandes des Wohlstandes unserer Industrienation als Einheit betrachten. Maximierung einzelner Aspekte führt zu Fehlentwicklungen bei der Bewältigung des Klimawandels.“

Unstrittig sei die Stilllegung von 5 % der Waldflächen, als Beschluss der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Kleine unbewirtschaftete Trittsteine begrüßen die Vereine. Man dürfe nur nicht den Fehler begehen, das benötigte Holz aus nicht nachhaltiger Waldwirtschaft auf klimaschädliche Weise aus fernen Ländern zu importieren.

Mit Material von: SDW Sachsen