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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, CDU, und Andreas Bolte, Leiter des Thünen Instituts für Waldökosysteme

Verbändegespräch „Wald im Klimawandel“

Bundeswaldministerin Julia Klöckner hat am 29. August Vertreter der Waldbesitzer, der Forstwirtschaft, des Naturschutzes, der Holzverarbeitung sowie der Jagdverbände zu einem Verbändegespräch nach Berlin ins Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eingeladen. Die Anregungen der Verbände sollen in den Nationalen Waldgipfel einfließen, der am 25. September ebenfalls in Berlin stattfinden soll.

Die Lage im Wald ist ernst. Nicht nur Nadelbäume, allen voran die Fichte, leiden unter der Witterung der letzten zwei Jahre, auch Laubbaumarten wie die Buche haben große Probleme. Das sei nicht einfach mal ein trockenes Jahr gewesen, sagte Klöckner laut tagesschau.de. Das Nachrichtenportal zitiert die Ministerin mit den Worten: „Wir haben eine Zäsur draußen im Wald. Über 110.000 Hektar – die fehlen schlichtweg. Und das heißt, uns fehlt auch ein Mitkämpfer beim Klimaschutz.“ Man müsse sich nämlich klar machen: „Hätten wir den Wald nicht, hätten wir 14 % mehr CO2-Emissionen“, betonte Klöckner.

Schnelles Handeln ist gefragt

Konkret diskutiert wurden die Eindämmung des Borkenkäferbefalls, die Wiederaufforstung der Schadflächen und Möglichkeiten für eine bessere Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Die Anwesenden waren sich einig: Es muss schnell gehandelt werden. Uneinigkeit herrschte jedoch über die konkret umzusetzenden Maßnahmen – massive Aufforstungsprogramme und aktiver Waldumbau oder doch Prozessschutz? Auch hinsichtlich der Finanzierung wurde noch kein Konsens gefunden. Ministerin Klöckner wollte sich nach Aussage von tagesschau.de jedenfalls noch nicht endgültig festlegen, wie hoch eine Förderung durch ihr Ministerium am Ende ausfallen könnte. Klöckner nannte jedoch schon einmal die Zahl von rund einer halben Milliarde Euro in den nächsten vier Jahren, eine Summe, die den Waldbesitzern nicht reicht, gehen diese doch von einem Bedarf in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro aus.

Eines stellte das Ministerium auf Anfrage der Redaktion jedoch bereits klar: Unabhängig davon, wie die Hilfsmaßnahmen letztlich konkret ausgestaltet werden, das Geld wird nicht als Bundesprogramm direkt an die Waldbesitzer ausgeschüttet. Vielmehr soll dieses über das Förderprogramm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) abrufbar sein.

Bis zum Nationalen Waldgipfel im September gibt es also noch einigen Klärungsbedarf, zumal das Treffen laut BMEL ein „Ergebnis- und Tatengipfel“ werden soll mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen und deren Umsetzung in den Ländern zu besprechen.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Verbändegespräches:

  1. Die Interessen der verschiedenen Akteure im Wald müssen in Ausgleich gebracht werden.
  2. Der Weg „weg von der Holzplantage“ ist längst eingeschlagen. Der Waldumbau muss verstärkt fortgesetzt werden.
  3. Natürliche Verjüngung der Wälder und Pflanzung müssen sich sinnvoll ergänzen.
  4. Das Verhältnis von Wald und Wild muss Thema in der Waldstrategie werden.
  5. Die Finanzierung der Waldbewirtschaftung und die Honorierung der Waldbesitzer sollte breiter aufgestellt werden, nicht nur über den Holzmarkt, sondern viel stärker über die Entlohnung von Umweltleistungen.
  6. Monitoring von Waldschäden stößt auf breites Interesse, explizit von Waldbesitzern und der Holzbranche.
  7. Zur Entlastung des Holzmarktes ist in alle Segmente zu investieren (Sägeholz, Holzwerkstoffe, Packmittel, Bioenergie).
  8. Fördermittel müssen unbürokratisch abfließen können, sowohl bei der Beseitigung des Schadholzes als auch für die Wiederaufforstung. Die Pflanzen dazu stehen bereit und sollten zügig eingesetzt werden können. Forstpersonal dagegen ist ein Engpassfaktor.
Red.

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