WaldÖkologie

Urwaldrelikt Rindenschröter wiederentdeckt

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Im Betrieb Sonthofen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) wurde der seltene Rindenschröter (Ceruchus chrysomelinus) vom stellvertretenden Leiter der Fachstelle Waldnaturschutz Schwaben, Boris Mittermeier gefunden. Nach über 70 Jahren ist dies erst der zweite Fund im Allgäu. Der Rindenschröter gilt als Urwaldrelikt.

Sonthofens Forstbetriebsleiter Jann Oetting freut sich sehr über den Fund von Boris Mittermeier: „Dass dieser extrem seltene Käfer bei uns gefunden wurde, ist ein Zeichen für die hohe Qualität unseres Naturschutzkonzeptes und die hohe naturschutzfachliche Qualität des Naturwaldreservats Achrain bei Oberstaufen. Naturwaldreservate sind ein integrativer Teil unseres Waldbehandlungskonzepts. Mit unserem betrieblichen Naturschutzkonzept schaffen wir auch außerhalb dieses Reservats die für den Käfer und andere wertvollen Waldarten wichtigen Totholzstrukturen.“ Der Rindenschröter braucht als Lebensraum starkes Totholz im Bergmischwald.

Nach über 70 Jahren erst der zweite Fund im Allgäu: Ceruchus chrysomelinus in der Hand von Boris Mittermeier Foto: B. Mittermeier/ BaySF

Grünes Netzwerk Naturwälder

Die bayernweit 166 Naturwaldreservate mit rund 7.500 ha sind Teil des grünen Netzwerks Naturwälder und dienen auch der Erforschung der natürlichen Waldentwicklung. Sie werden fachlich von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und Experten wie Boris Mittermeier von der Fachstelle Waldnaturschutz der Bayerischen Forstverwaltung betreut.

Wie ein kleiner Lottogewinn

Im Naturwaldreservat Achrain bei Oberstaufen hat Förster Boris Mittermeier den Rindenschröter in einem sehr Totholz- und tannenreichen Bergmischwaldbereich mit vielen urwaldartigen Strukturen entdeckt. „So ein Fund ist wie ein kleiner Lottogewinn und zeigt, wie wertvoll Totholz und Biotopbäume für die Artenvielfalt im Wald sind. Für unsere beratende Arbeit mit Privatwaldbesitzern und Kommunen ist es wichtig auf solche Erfolge verweisen zu können. Die Möglichkeiten, die das Vertragsnaturschutzprogramm Wald für Waldbesitzer bietet, gilt es zu nutzen. Gerade dicke abgestorbene Bäume und Bäume mit Spechthöhlen, Pilzen usw. sind im Waldnaturschutz wichtig und werden gefördert. So schaffen wir gemeinsam mit den BaySF und den privaten und kommunalen Waldbesitzern die Voraussetzungen für die Ausbreitung seltener Arten auch in die bewirtschafteten Wälder. “

Menge an Totholz gestiegen

Und Jann Oetting ergänzt: „Der Fund dieser superseltenen Art zeigt mir, dass der Wald bei uns Förstern in guten Händen ist! Wir lernen von Flächen wie die Naturwaldreservate und integrieren dort beobachtete Strukturen in unsere Waldbewirtschaftung. Am Beispiel Totholz lässt es sich für die Flächen des Forstbetriebs Sonthofen schön zeigen: Unsere Waldinventur hat ergeben, dass alleine in den letzten zehn Jahren die Menge des Totholzes um acht Festmeter auf 33 Festmeter/ha gestiegen ist. Das für Totholzbewohner wie den Rindenschröter besonders wertvolle stärkere Totholz macht davon fast die Hälfte aus. Wir nützen nicht nur den Wald, sondern schützen ihn auch mit allen seinen Waldbewohnern!“

Infobox: Urwald-Reliktarten Foto: BaySF
Quelle: BaySF