Holztransport

Holz für den Chemiepark Leuna

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Der Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt ist schon über 100 Jahre alt. Nach der Wende brach dort vieles zusammen, jetzt ist der Standort wieder begehrt. Auch UPM Biochemicals errichtet gerade für 550 Mio. € eine Bioraffinerie, für die das Unternehmen Buchenindustrieholz benötigt. Am 25. September konnten sich die Rundholzspediteure ein Bild machen.

Ende 2022 will UPM Biochemicals in Leuna die weltweit erste Bioraffinerie in Betrieb nehmen. Aber noch erstreckt sich auf dem Industriepark Leuna eine 15 ha große Leere. Bevor das Werk in die Höhe wächst, stehen noch Erdarbeiten an, müssen Fundamente gesetzt, Abwasser- und Kühlleitungen verlegt werden.

Und doch steht schon vieles fest: Die Holz-Lkw werden das 13 km2 große Gelände über das Tor 6 ansteuern, dann steht eine längere Fahrt über das Gelände an, vorbei an Werken von Domo, BASF, Leuna-Harze oder Linde ehe sie den 2,7 ha großen Holzlagerplatz von UPM erreichen. Dort endet auch ein ganzzugfähiges Bahngleis, über das der Rohstoff Holz ebenfalls angeliefert werden wird. In der Anlaufphase nimmt UPM Chemicals nur Buchenindustrieholz auf, später sollen auch andere, schwieger zu verarbeitende Laubhölzer dazu kommen.

O. Gabriel
O. Gabriel
O. Gabriel
Foto:
O. Gabriel
O. Gabriel
O. Gabriel
O. Gabriel

Wie viel Holz das Werk benötigt oder welchen Anteil davon mit Bahn und Lkw abgewickelt werden sollen, dazu sagt Andreas Meggendorfer von UPM noch nichts. Fest steht, dass es sich um Buchenindustieholz aus einem Umkreis von 100 bis 200 km um das Werk herum handelt – mit Durchmessern, die so klein sein dürfen, dass sie im Werk noch entrindet werden können. Darüber hinaus wird UPM auch Buchen-Hackschnitzel verarbeiten. Erste Vorlieferverträge hat UPM Biochemicals bereits mit dem Waldbesitz abgeschlossen. Der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt begrüßte die Ansiedlung der Bioraffinerie schon im Herbst 2020, weil sie endlich eine regionale Absatzmöglichkeit für das schwer zu vermarktende Laubindustrieholz bietet. Die Holzbeschaffung übernimmt der Holzeinkauf am UPM-Standort in Augsburg.

220 000 Tonnen Ausstoß

Das entrindete Holz wird gehackt, die Hackschnitzel in Silos gelagert und über Transportbänder in die 500 m entfernte Hauptanlage geschafft, wo es chemisch aufgeschlossen wird. Ein Produkt ist Bio-Monoethylenglykol (bMEG), das in der Textilindustrie Verwendung findet, oder in PET-Flaschen, Verpackungen und Einteisungsmitteln. Als weiteres Produkt sind Bio-Monopropylenglykole (bMPG) für Verbundwerkstoffe, Arzneimittel, Kosmetika und Waschmittel verwendbar. Und aus dem Lignin des Holzes entstehen sogenannte Funktionsfüllstoffe, die als Granulat ausgeliefert werden und zum Beispiel Industrieruß in Reifen ersetzt. Die jährliche Gesamtkapazität der Bioraffinerie soll bei 220.000 t liegen, davon zwei Drittel in flüssiger Form und ein Drittel als Schüttgut.

Holztransport-Ausstellung

Und hier kommt der Holztransport ins Spiel und die kleine Ausstellung, die UPM für ihren Speditionstag im Chemiepark Leuna organisiert hat. Neben Fahrzeugen für den Transport von Flüssigkeiten und Stückgut waren eine ganze Reihe von Holztransportaufbauern mit ihren Fahrzeugen präsent. Weil der Speditionstag zum ersten Mal so weit im Norden stattfand, kamen vor allem einige norddeutschen Firmen zum ersten Mal: BEFA Fahrzeugbau aus Bad Belzig in Sachsen-Anhalt, GSS Nutzfahrzeuge aus Langenbernsdorf in Sachsen und JW-Tec aus Lindern in Niedersachsen. Außerdem vor Ort waren die Firmen Doll Fahrzeugbau, MAN und Scania.

Sie alle hatten den Aufwand nicht gescheut, für den einen Tag gleich mehrere Holztransportlösungen auszustellen. Bei Robert Janzen von JW-Tec stand der neue Kurzholz-Gliederzug von Wilhelm Möhlenkamp, der seinen Fuhrpark mit dem neuen MAN TGX auf jetzt sieben Fahrzeuge aufstockt. Es ist der erste vollluftgefederte MAN überhaupt. Aufgebaut hat ihn die Firma Janzen System in Werlte, die Markus Janzen, der Bruder von Markus leitet. Es handelt sich dabei um einen Aluaufbau mit Ecco-Alu Schemeln und Rungen. Vorne an der Stirnwand besitzt der Holztransporter links und rechts jeweils einen Arbeitsscheinwerfer, der seitlich ausfahren kann, damit der Fahrer bei der Ladungssicherung auch bei Dunkelheit eine gute Sicht hat. Als Anhänger dient ein Tandemanhänger, ebenfalls mit Ecco-Alu-Rungen von JW-Tec.

Ein sehr schöner Scania R650 6×4 mit Langholzaufbau von Doll Fahrzeugbau und Ladekran Epsilon S250Z. Er geht an die Firma Schneider ins Erzgebirge

Einen Auch bei Doll Fahrzeugbau war ein solcher Tandemanhänger zu sehen: der neue Zentralachsanhänger A2T-LZ35 Shorty. Er war einer der ersten Kurzholzanhänger der neuen Generation, die Doll vor wenigen Monaten vorgestellt hat. Um die modulare Fertigung voranzutreiben, schweißt Doll viele Anbauteile des Fahrzeuges nicht mehr, sondern schraubt sie an. Der Anhänger ist nicht nur leicht, er hat auch eine sehr niedrige Ladehöhe von 1 m, die sich beim Transport des trockenen und daher leichten Käferholzes bewährt hat. Doll hatte noch einen weiteren Kurzholzanhänger der neuen Generation dabei und den Sattelaufliefer Logo 14 XL. Bei GSS Nutzfahrzeuge, bei Scania und bei MAN waren fertige Holztransportaufbauten zu sehen.

Bahntransport

Holztransportwaggon Smart GigaWood von Innofreigt
Holztransportwaggon Smart GigaWood von Innofreigt – Foto: O. Gabriel

Nicht einmal der Holztransport per Schiene kam an diesem Tag zu kurz. Wer wollte, der konnte mit einem eigens eingerichteten Schuttebus zwei Holzwagons von Innofreight und Transwaggon an einem besichtigen. Innofreight hatte einen seiner neuen Smart-GigaWood-Waggons dabei. Bei ihnen entfällt die zeitraubende Ladungssicherung, weil sie vorne und hinten Stirnwände aufweisen. Die oben nach innen gebogenen, hohen Rungen ermöglichen zudem eine hohe Nutzlast. Ein Smart GigaWood fasst laut Prospektangaben 30 % mehr Ladung als ein herkömmlicher Holzwaggon. Transwaggon zeigte einen der flexiblel für Rundholz und Hackschnitzel einsetzbaren Snps-Waggons mit einer automatischen Ladegewichtsüberwachung

Oliver Gabriel