Holzverkauf und Holzpreise

Update: Der Ukraine-Krieg und seine Folgen für die Forst- und Holzwirtschaft

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Bereits zwei Wochen dauert inzwischen der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Bei allem Leid, das diese grund- und vor allem sinnlose Invasion hervorruft, haben wir vergangene Woche deutsche Fachverbände zu ihrer Einschätzung zu den Folgen des russischen Überfalls für die deutsche und europäische Forst- und Holzwirtschaft gefragt.

Mittlerweile gibt es erste konkrete Folgen und Reaktionen aus der Branche. Viele europäische Firmen stellen ihr Russlandgeschäft ein. Aber es gibt auch Auswirkungen für deutsche Unternehmen und Verbraucher, abgesehen von den Einschränkungen in der SWIFT-Finanzabwicklung, die generell jeden Handel mit Russland und Belarus erschweren.

Zertifikate ausgesetzt

So haben die beiden Zertifizierungsorganisationen FSC und PEFC erklärt, dass Holz aus Russland und Belarus nicht mehr in FSC- oder PEFC-zertifizierten Produkten verwendet werden dürfen.

PEFC stuft Holz aus den beiden Ländern in Folge der UN-Resolution zur Aggression gegen die Ukraine als „Konfliktholz“ ein. Damit sei es eine sogenannte „umstrittene Quelle“ (PEFC ST 2002:2020 3.7), die nicht in PEFC-zertifizierten Produktgruppen verwendet werden kann (PEFC ST 2002:2020; Anhang 1 6.1). „Konfliktholz“ wird definiert als „Holz, das zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der Lieferkette von bewaffneten Gruppen, seien es Rebellengruppen oder reguläre Soldaten, oder von einer in einen bewaffneten Konflikt verwickelten zivilen Verwaltung oder deren Vertretern gehandelt wurde, um entweder den Konflikt aufrechtzuerhalten oder aus Konfliktsituationen persönlichen Nutzen zu ziehen.“ (PEFC ST 2002:2020, 3.6).

FSC erklärt, dass Holz und forstwirtschaftliche Erzeugnisse aus Russland und Belarus weder in FSC-Produkten verwendet noch als FSC-zertifiziert verkauft werden dürfen, solange der bewaffnete Konflikt andauert.

Sanktionen gegen Belarus …

Aufgrund seiner Rolle als Vasallenstaat in Putins Krieg hat die EU am 2. März erweiterte Sanktionen gegen Belarus verhängt. Sie betreffen konkret auch den Handel mit Holzprodukten, was bei den Sanktionen gegen Russland bislang nicht der Fall ist. Die Auswirkungen auf den deutschen Holzmarkt halten sich in Grenzen. Laut Eurostat hat Deutschland im Jahr 2021 knapp 5 Mio. m3 Nadelschnittholz importiert. Das ist die einzige Warengruppe in der wirklich bedeutsame Mengen aus Russland und Belarus nach Deutschland geliefert wurden.

Russland war 2021 nach Österreich der zweitgrößte Lieferant von Nadelschnittholz mit knapp 837.000 m3 (16,7 %), Belarus liegt auf Platz 6 mit gut 427.000 m3 (8,5 %) und die Ukraine mit knapp 132.000 m3 (2,6 %) auf Platz 8. Zum Vergleich: Die gewerbliche Produktion von Nadelschnittholz in Deutschland lag 2021 bei über 20 Mio. m3.

Der Gesamteffekt der Sanktionen ist also überschaubar, zumal Holzlieferungen aus Russland noch nicht sanktioniert sind. Bestimmte Marktteilnehmer wie Industriehobelwerke sind hier allerdings erheblich stärker betroffen sind als andere, da sie ihre Rohware zu großen Teilen aus Russland und Belarus beziehen.

… und auch gegen Russland?

In einer aktuellen Erklärung erklären der Europäische Dachverband der holzverarbeitenden Industrie (CEI-Bois) und der Europäische Sägewerksverband (EOS), man befürchte ähnliche Sanktionen auch für Russland.

Ein solches Handelsverbot werde schwerwiegende Folgen für die europäische Marktversorgung haben, befürchten die beiden Dachverbände. Laut offiziellen Statistiken stammen knapp 10 % des in Europa verbrauchten Nadelschnittholzes im Jahr 2021 aus Russland, Weißrussland und der Ukraine. Im Laubholzbereich machen aus der Ukraine stammende Eichenwaren einen bedeutenden Anteil aus. Engpässe seien daher zu erwarten. Vergangene Woche hatte der Europäische Holzhandelsverband ETTF die Hoffnung geäußert, Holz aus Russland könnte nicht unter die EU-Sanktionen fallen, weil der Holzanteil an den russischen Exporten zu gering sei.

Rückzug aus Russland

Die dritte Reaktion der Branche ist der – zumindest vorübergehende – Rückzug namhafter Holzindustriefirmen aus Russland. Hier ist zuallererst IKEA zu nennen. Das Unternehmen teilt mit, das Handels- und Produktionstätigkeiten in und mit Russland bis auf weiteres eingestellt werden. Letzteres bedeutet, dass auch alle Zulieferer in Russland ihre Arbeit einstellen müssen. Das gelte auch für die russischen IKEA Möbelhäuser.

Die finnische Metsä Group teilt mit, dass sie den Betrieb und die Holzversorgung an ihrem einzigen russischen Sägewerksstandort Svir bis auf weiteres einstellen werde, ebenso wie alle Importe aus Russland für die finnischen und schwedischen Standorte.

Ähnlich äußert sich der schwedisch-finnische Konzern Stora Enso, der in Russland drei Wellpappefabriken und zwei Sägewerke betreibt. Der Betrieb an diesen Standorten werde aufgrund der russischen Invasion bis auf weiteres ausgesetzt und alle Importe aus Russland nach Schweden und Finnland gestoppt.

In Kürze: Die Causa Ilim Timber

In Deutschland kocht derzeit die Diskussion um einen Boykott von Ilim Timber hoch. Das Unternehmen betreibt zwei Sägewerksstandorte in Landsberg am Lech und Wismar. Der bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann fordert einen solchen Boykott mit der Begründung, aus Deutschland dürfe kein Geld in russische Unternehmen fließen. Mehr dazu in den kommenden Tagen.

Marc Kubatta-Große