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Unwirkliche Stimmung am mitteleuropäischen Holzmarkt

Das Corona-Virus hat Märkte und Handelsströme in aller Welt abgewürgt oder verlangsamt. So berichtet auch der Holzkurier, der von ihm erhobene Absatzindikator sei im Juni um 0,1 Punkte auf 100,3 Punkte zurückgegangen. Zuletzt habe man einen derartig niedrigen Wert im 2. Quartal 2010 gemessen.

Trotzdem herrsche bei vielen Unternehmen eine „surreale Hochstimmung“. Unwirklich sei die Stimmung, weil für viele die befürchteten COVID-19-Folgen nur abgeschwächt eintraten – und sie von der Auftragslage überrascht sind. Die Orderbücher sind oft voll und die Preise auf konstantem Niveau für das 3. Quartal weitgehend fixiert. Teilweise hoffe man sogar, die Senkungen der Schnittholzpreise des 2. Quartals bald kompensieren zu können.

Abschwung wird kommen

Umgekehrt weiß jeder Manager, dass ein Rückgang der Weltkonjunktur unausweichlich ist und dies zwangsweise negative Folgen für die Holzbranche haben wird. Doch zumindest die kommenden drei Monate sind für die meisten Gesprächspartner überschaubar – und der Optimismus überwiegt.

Dass 2020 „ein früher Winter“ drohe, sei immer öfter zu hören. Doch derzeit laufe der Absatz nördlich des Brenners rund. Die Sägewerke haben den Einschnitt im Juni weiter erhöht. Und die Weiterverarbeiter produzieren in Mitteleuropa auf hohem Niveau. Entsprechend stabil halten sich die Preise. BSH-Sichtlamellen lagen preislich etwa im Juni laut Holzkurier-Preisbild in der Preisspanne von 178 bis 185 €/m3 (frisch, franko).

BSH-Preise ziehen an

Mut macht die gute Auftragslage der Weiterverarbeiter. Diese konnten in Deutschland faktisch ohne „Winter- und Coronapause“ voll ihre Kunden beliefern. Mit Anfang Juni wurde eine Preiserhöhungsrunde bei BSH in Deutschland eingeläutet. Die angestrebten +10 bis +20 €/m3 sind noch nicht flächig umgesetzt. Der Holzkurier macht für Juni ein leicht erhöhtes Preisniveau von 391 bis 410 €/m3 fest. Der Trend zeigt aber klar nach oben.

Zuletzt haben sich bei BSH sogar Lieferzeiten von bis zu drei Wochen eingestellt. So entstand eine ungewöhnliche Marktlage: Die Lieferzeiten des Hypeproduktes BSP sind kürzer als die von BSH. Größere Bauprojekte – die Domäne von BSP – wurden im 2. Quartal teilweise „on hold“ gestellt. Hinzu kommt, dass es in Deutschland und Österreich neue BSP-Produzenten gibt.

Italiens BSH-Bedarf hat sich stark gesteigert – liegt aber immer noch unter dem Vorjahr. Das Preisniveau ist fest bei etwa 380 bis 400 €/m3. Gänzlich verändert hat sich der NSi-Markt in Italien. Mangels entsprechender Lamellen in Mitteleuropa zog der Wert in zwei Preisrunden an. Die Differenz zwischen Si- und NSi-Preis hat sich wieder normalisiert.

Unmut über Kreditversicherer

Zu einem echten Problem für die Holzindustrien entwickelt sich das Verhalten der Kreditversicherer. Die Gesprächspartner aus der Holzbranche beklagen ein Kürzen der Kreditrahmen querbeet nahezu ohne wirkliche Bonitätsbewertung der Kunden.

Eine der als potentesten österreichischen Holzindustrien, faktisch ohne Fremdkapital, ließ sich selber prüfen. Das Ergebnis eines namhaften Kreditversicherers: Die Topholzindustrie wird als Mittelmaß eingestuft. Die gute Hauptwaren-Nachfrage sorgt dafür, dass entsprechende Mengen an Anfallwaren produziert werden. Der Preis für Seitenware ist in Italien im Juni nochmals gesunken. Der Frei-Grenze-Preis notiere nur noch zwischen 115 und 123 €/m3, also etwa 2 €/m3 unter dem Maiwert.

Im deutschen Holzhandel treiben der DIY-Bereich und Gartenholz zu neuen Rekorden. Speziell Lärche ist gefragt. Die Sibirische Lärche wird knapp, auch aufgrund des milden Winters und der damit verbundenen Ernterückgänge in Russland.

holzkurier.com/Red.

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