Wassermanagement der Zukunft – Unsere Bäume verdursten
Wassermanagement der Zukunft – Unsere Bäume verdursten
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Unsere Bäume verdursten

13. April 2022

Über 150 Personen folgten am 6. April der Einladung der Waldeigentümer im Absenkungsgebiet Fuhrberger Feld e. V. und des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen e. V. (WBV) auf den Spargelhof Heuer in Fuhrberg, um Impulsvorträgen und einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wassermanagement der Zukunft – Unsere Bäume verdursten“ zu folgen.

Minister Olaf Lies, Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
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Der Einladung sind neben Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies auch der Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen aus dem Landwirtschaftsministerium und die Vorstandsvorsitzende der enercity AG, Dr. Susanna Zapreva, gefolgt. An der Diskussion nahmen zudem Henning Schulze, Vorstandsmitglied des WBV NDS, und Hermann Wöhler, Vorsitzender der Waldeigentümer im Absenkungsgebiet Fuhrberger Feld e. V., teil. Volker Schulte, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Celler Land, führte als Moderator durch den Nachmittag.

Die Ortsbürgermeisterin von Fuhrberg, Mia Marie Jöhrens-Lazar, zeichnete in ihrem Grußwort ein Bild der aktuellen Lage im Fuhrberger Feld: „Gräben, die vor einigen Jahren noch mit Wasser gefüllt waren, sind nun das ganze Jahr über trocken. Bäume sterben ab, ganze Wälder vertrocknen. Zu der Wasserentnahme kommen die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre. Über eine Zusammenarbeit muss eine zukunftsfähige Lösung gefunden wer-den, denn so wie bisher kann es nicht weitergehen.“

In drei Impulsvorträgen konnten die Teilnehmenden zunächst einen Überblick über die Thematik gewinnen. Hermann Wöhler schlug in seinem Vortrag vor, die bisherigen Grundwasserkooperationen zu erweitern. „Wir brauchen eine land- und forstwirtschaftliche Wasser-haushalts- und Grundwasserschutzkooperation, die die Grundwasserentnahme und die Grundwasserneubildung in Einklang bringt.“ Petra Sorgenfrei, Geschäftsführerin des WBV, betonte in ihrem Vortrag die Leistungen des Waldes und seiner Eigentümer: „Mit der nachhaltigen Forstwirtschaft wird unser Grundwasser generiert und die ausgezeichnete Wasserqualität gesichert, die Waldeigentümer werden aber trotzdem durch die Zahlung von Boden- und Wasserverbandsbeiträgen belastet. Diese Beiträge müssen gestrichen werden. Die Wasserdienstleistung des Waldes, der Waldbewirtschaftung, muss angemessen honoriert werden. Wie im Fuhrberger Feld zu sehen, führen Wasserentnahmen zu Grundwasserabsenkungen, die dann zum Baumsterben führen. Für die durch Wasserentnahme entstandenen Schäden muss es eine Entschädigung geben. Bei der Erarbeitung von Wasserversorgungskonzepten sind die Waldeigentümer mit einzubeziehen. Wasser braucht Wald.“

Kein regionales Problem

Dass dies nicht nur ein regionales Problem ist, berichtete Gerhard Schierhorn von der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide e. V. Er gab zudem zu bedenken: „Die Probleme werden sich in Zukunft verschärfen. Der Klimawandel wirkt als Booster. Deshalb müssen wir bei der Wasserversorgung viel mehr über Nachhaltigkeit sprechen. Das Thema Kreislaufwirtschaft muss mit allen technischen Möglichkeiten tief greifend beleuchtet werden.“

Podiumsdiskussion

Herrmann Wöhler verwies auf das in 1979 von enercity geplante, aber nicht umgesetzte Örtze-Projekt, wo die Einleitung von 40 Mio. m³/a Oberflächenflusswasser ins Einzugsgebiet zum Ausgleich des Grundwasserdefizites vorgesehen waren. „Die Rückführung von Flusswasser (Wietze, Aller, Leine) als Lösungsalternative gehört in den wasserrechtlichen Antrag.“ Zudem verdeutlichte er, dass es nicht nur um Qualität, sondern auch um Quantität gehen muss. „Es liegt ein hoher Handlungsbedarf vor, der ein umfangreiches Förderprogramm benötigt.“ Dies sieht auch Niedersachsens Umwelt- und Klimaschutzminister Olaf Lies so: „Wir müssen nicht nur das Klima schützen, wir müssen uns auch an die Folgen des Klimawandels anpassen. Diese Klimafolgeanpassungen werden viel Geld kosten. Deshalb müssen wir schon jetzt jede Möglichkeit nutzen und praktische Erfahrungen sammeln, um dann die notwendigen und richtigen Entscheidungen treffen zu können. Darum wird ein entsprechendes Programm auf den Weg gebracht, denn der Wasserkreislauf muss auch künftig finanzierbar sein.“

Staatssekretär Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Das Thema der Klimafolgeanpassungen und die damit verbundenen hohen Ausgaben wurde auch von Staatssekretär Prof. Dr. Theuvsen betont. „Die abnehmende Vitalität der Wälder zeigt uns, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen den Wasserbedarf und das Wasserangebot in einen Ausgleich bringen, dazu gehört beispielsweise die Verwendung von unproblematischem Brauchwasser. Zudem braucht es eine größere einzelbetriebliche Investitionsförderung, um die Betriebe in die Lage zu versetzen, effizienter und nachhaltiger mit dem Wasser umzugehen.“

Eine Möglichkeit wäre die Rückführung von gereinigtem Klärwasser, das nach der vierten Reinigungsstufe auch von Mikroverunreinigungen befreit wurde. Jedoch gab Henning Schulze zu bedenken: „Das Bodenschutzgesetz wie auch der Grundwasserschutz steht der Möglichkeit, nach der vierten Reinigungsstufe aufbereitetes Abwasser wieder einzuleiten, entgegen. Es besteht ein absolutes Verbot, dieses voll gereinigte Abwasser zur Grundwasseranreicherung in die Wassergewinnungs- und Wasserschutzgebiete einzuleiten. Ein Leitungssystem, um das vollgereinigte Abwasser aus Hannover wieder in das Fuhrberger Feld zu verbringen, würde ca. 30 Mio. € kosten. Das wäre vielleicht machbar, die Gesetzmäßigkeit spricht jedoch dagegen. Wir haben für Einträge in das Grundwasser ein Verbesserungsgebot und ein Verschlechterungsverbot.“

Auch die Wasserversorger sind gefragt

Dr. Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende enercity AG
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Dr. Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende der enercity AG, betonte: „Ein nachhaltiges Grundwassermanagement ist wichtig, damit die Menschen in der Region auch zukünftig mit hochwertigem Trinkwasser versorgt werden können. Wir werden im Einklang mit den Behörden alles tun, was nötig ist, um eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung zu gewährleisten.“

Volker Schulte
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Volker Schulte fasst die Veranstaltung zusammen: „Es ist deutlich geworden, dass der Fokus der Waldbesitzer klar auf einem nachhaltigen Grundwassermanagement liegt. Die Betriebe wollen, dass ihre Natur wieder in Ordnung gebracht wird und sie überleben. Stadt und Land müssen zusammengedacht werden – mit der urbanen Bevölkerung, die Wasser benötigt und dem ländlichen Bereich, dem das Wasser abgepumpt wird. “

Unsere Bäume verdursten
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Untermalt wurde die Veranstaltung von einer Fotoausstellung von Heinz-Werner Reichenbach, die die Thematik eindrücklich vermittelt. Die Bilder sind noch bis zum Sommer auf dem Spargelhof Heuer zu sehen. Dann sind zudem weitere Ausstellungen und Veranstaltungen in Wietze, Schwarmstedt, Lindwedel und Hannover geplant.

Quelle: WBV