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Ungeliebtes Gütesiegel

Ungeliebtes Gütesiegel

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) hat sich gegen das Gütesiegels ICELT ausgesprochen. Es wurde 2014 entwickelt, um gegen den wachsenden Rundholzdiebstahl vorzugehen. Bei ICELT verpflichten sich die Holzspeditionen zum Einbau eines Telematiksystems, das Fahrtrouten und Standzeiten, aber auch Kranbewegungen erfasst. Diese Daten werden verschlüsselt an ICELT übertragen und bis zu sechs Monate gespeichert. In diesem Zeitraum kann der Holzeigentümer bei Abweichungen und Fehlmengen nachvollziehen, an welcher Stelle es z. B. verdächtige Fahrzeug- oder Kranbewegungen gegeben hat.In einem Brief an den Deutschen Forstwirtschaftsrat, an die AGDW und die Forstbetriebe und Forstverwaltungen der Länder kritisiert die AGR diesen Lösungsansatz als „Zwangszertifikat für Rundholztransporteure“, mit dem die gesamte Holztransportbranche unter Generalverdacht gestellt wird. In dem Brief, den auch die Bundesvereinigung des Holztransport-Gewerbes (BdHG), die Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH), der Deutsche Forstunternehmer-Verband (DFUV), der GD Holz, der Verband Deutscher Papierfabriken (vdp) und der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) unterzeichnet haben, werden zudem die fehlende Transparenz und offene Rechtsfragen bemängelt. Die Verbände sehen beispielsweise in der einseitigen Einführung des Zertifikats eine unzulässige Beschränkung des Marktzuganges. Sie sind weiter der Meinung, dass der Holzdiebstahl überschätzt wird.Die Verbände haben einen Runden Tisch angeregt, der das Problem gemeinsam analysieren soll, bevor mit der flächendeckenden Einführung Fakten geschaffen werden.ICELT hat dem zugestimmt. Inhaltlich akzeptieren die Betreiber die Kritik jedoch nicht. Das System erfülle hohe Standards beim Datenschutz, ICELT dürfe die Daten nur auswerten, wenn es dazu von einem Mitglied beauftragt wird. Das Telematiksystem biete den Spediteuren zudem je nach Ausstattung Vorteile bei der Logistik und dem Fuhrparkmanagement.Die Kosten für das Gütesiegel liegen für Waldbesitzer bei 10 ct/ha im Jahr. Holzkäufer zahlen jährlich 3 ct/Fm gehandeltes Holz und Spediteure je Lkw jährlich 12 €. Dazu kommt bei den Spediteuren eine monatliche Gebühr für eines der drei angebotenen ICELT-Telematiksysteme, die allerdings nicht verwendet werden müssen.Auf Seiten des Waldbesitzes haben sich bisher Hessen-Forst, ThüringenForst und der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt für das ICELT-Gütesiegel entschieden. Der Holzverkauf soll bei diesen Betrieben nach einer Übergangsfrist nur noch an Geschäftspartner mit Gütesiegel erfolgen.

Oliver Gabriel

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