Forstpolitik

UN-Klimakonferenz: Über 100 Staaten schließen Waldpakt

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 2. November, dem dritten Tag der UN-Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow, haben mehr als 100 Staaten einen Pakt geschlossen, um die weltweite Entwaldung bis 2030 zu stoppen.

Die beteiligten Staaten sind zusammen für mehr als 86 % der globalen Waldfläche verantwortlich. Auf diese Weise soll eine umfassende, weltumspannende Zusammenarbeit bisher ungekannten Ausmaßes entstehen. Die Idee für den Waldpakt geht auf Gastgeber Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, zurück. Wie die Tagesschau berichtet, hatte dieser bereits vor der Konferenz den hohen Stellenwert der Wälder im Kampf gegen den Klimawandel betont. Zu den mehr als 100 Staaten, die sich dem Pakt angeschlossen haben, zählen neben Deutschland u. a. auch Russland, Brasilien, die USA und sogar China. Der ehrgeizige Plan: Bis 2030 soll die Entwaldung gestoppt werden. Hierfür sind aus öffentlicher Hand rund 12 Mrd. US-$ vorgesehen, von privater Seite sind zusätzlich noch 7,2 Mrd. US-$ angekündigt. Nur so, betonte Johnson, könne die Staatengemeinschaft das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen.

Kritik von Umweltschützern fällt deutlich aus

Die FAZ zitiert den britischen Premier Johnson mit den Worten: Die Wälder seien die Kathedralen der Natur und unverzichtbar für unser Überleben. Die Menschheit hätte mit dieser Selbstverpflichtung (durch den Waldpakt) die Chance, vom „Eroberer zum Hüter der Natur“ zu werden. Es stellt sich allerdings die Frage: Wie verbindlich sind die Bekenntnisse der beteiligten Regierungen wirklich? Von Seiten der Umweltschützer gibt es hierauf eine klare Antwort: Der Waldpakt greift nicht weit genug! Grundsätzlich sei der Pakt zu begrüßen, es müssten jedoch schnell verbindliche Regelungen getroffen werden, damit dieses Ziel auch wirklich erreicht werden könne. „Unsere Wälder verschwinden in alarmierendem Tempo. Dabei liegt ihr Schutz im ureigensten Interesse der Menschheit. Nur mit einem internationalen Kraftakt können wir die aktuelle Ära der Naturzerstörung stoppen. Die Ankündigung der Staats- und Regierungschefs zeigt in die richtige Richtung, droht jedoch zu verpuffen, wenn sie nicht zügig mit verbindlichen Abkommen abgesichert wird“, betonte Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland.

Greenpeace geht noch einen Schritt weiter. Für den Verband stellt das Abkommen der Staatengemeinschaft einen Freifahrtschein für weitere 10 Jahre Abholzung aus. Dies sei einer der Gründe, warum beispielsweise Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro den Pakt so bereitwillig unterzeichnet habe, obwohl die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes unvermindert weitergehe. Allein im Jahr 2020 hätten sich dadurch die Treibhausgasemissionen Brasiliens um 9,5 % erhöht.

Auch die deutsche „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer kritisierte das Abkommen scharf. Es sei vollkommen unzureichend. Die Entwaldung müsse augenblicklich gestoppt werden, so Neubauer in einem Interview mit dem Nachrichtensender WELT. „Wir haben nicht weitere 9 Jahre Zeit, um zu entwalden, als gäbe es kein Morgen.“

Es wird sich also noch erweisen müssen, inwiefern den Bekenntnissen der Staatengemeinschaft nach der UN-Klimakonferenz auch Taten folgen werden.

Die UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow

Die UN-Klimakonferenz COP26 findet vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 im schottischen Glasgow statt. Ursprünglich war die 26. Klimakonferenz bereits für das Jahr 2020 geplant, musste aber pandemiebedingt um ein Jahr verschoben werden. Gastgeber der Klimakonferenz sind Großbritannien und Italien.

Mit Material von GOV.UK, BMU, Tagesschau, Deutschlandfunk, FAZ, WELT, WWF, Greenpeace