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Im Projekt Bioholz erproben Wissenschaftler, Förster und Naturschützer gemeinsam praxistaugliche Konzepte zur Erhöhung des Totholzanteils auch in Wirtschaftswäldern.

UN-Dekade: Wald und biologische Vielfalt

Deutschland ist etwa zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Zahlreiche Tier-und Pflanzenarten sind auf naturnahe und strukturreiche Wälder angewiesen. Uns Menschen dienen Wälder häufig zur Erholung oder zur Holznutzung. Darüber hinaus sind Wälder mit ihrer Fähigkeit, große Mengen Kohlendioxid zu binden und Sauerstoff zu erzeugen, entscheidend für unser Klima und unsere Luft. Deutschlandweit setzen sich UN-Dekade-Projekte dafür ein, Wälder und ihre biologische Vielfalt zu erforschen, zu erhalten und begreifbar zu machen.

Intakte Wälder tragen zum Schutz von Klima, Wasser und Boden bei und bieten vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume. Naturnahe Formen der Waldbewirtschaftung tragen wesentlich zur Sicherung dieser Funktionen bei und fördern die Vitalität von Waldökosystemen. Die Entwicklung geeigneter Konzepte zur naturnahen Entwicklung und Bewirtschaftung von Wäldern und die Erforschung ökologischer Zusammenhänge leisten dazu wichtige Beiträge.

Informationen über naturnahe Wälder und positive Naturerlebnisse

Projekte in ganz Deutschland vermitteln Informationen zu Wäldern und ihrer biologischen Vielfalt, bieten positive Naturerlebnisse und schärfen in der Bevölkerung das Bewusstsein für den Wert naturnaher Wälder. Bildungsveranstaltungen, Führungen und Workshops vermitteln Detailinformationen. Pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche nutzen den Wald als Naturerlebnis- und Lernort und machen natürliche Kreisläufe erlebbar.

Ausgezeichnete Praxisbeispiele der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Zahlreiche Projekte, Initiativen und Kampagnen setzen sich für den Wald ein und fördern das Bewusstsein für die Bedeutung, die er für die biologische Vielfalt hat. Die UN-Dekade hat in den vergangenen Jahren besonders beispielhafte Aktivitäten als offizielle Projekte der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Es folgt eine Auswahl von Projektbeispielen, die von der Jury der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurden.

Bioholz – Biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen von Wäldern

Tote und sterbende Bäume sind Nahrungsgrundlage und Lebensraum für eine große Zahl von Arten. Das betrifft vor allem Pilze und Käfer, aber auch andere Insekten sowie Flechten, Moose, Schnecken und Vögel. Im Projekt Bioholz erproben Wissenschaftler, Förster und Naturschützer gemeinsam praxistaugliche Konzepte, wie der Anteil von Totholz auch in Wirtschaftswäldern erhöht werden kann. Dabei sollen die unterschiedlichen Interessen aus Forstwirtschaft, Naherholung, Tourismus und Naturschutz in Einklang gebracht werden.

Projektträger: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Biologie, Abteilung Ökologie, AG Allgemeine Ökologie und Tierökologie; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y4bnhglc.

Initiative Schulwald

Mit der Initiative Schulwald bringt der bayerische Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kindern und Jugendlichen die ganzheitliche Bedeutung der natürlichen Vielfalt am Beispiel des Ökosystems Wald näher. Sie erforschen biologische Kreisläufe und erkunden die Artenvielfalt im Verlauf der Jahreszeiten. Mit dem Lehrplan PLUS können vordefinierte Unterrichtseinheiten im Wald durchgeführt und Naturthemen in pädagogische Konzepte integriert werden.

Projektträger: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Landesverband Bayern e. V.; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y6j827p5.

BioWild-Projekt

Zwischen 2015 und 2021 untersuchen und bewerten Wissenschaftler/-innen im bundesweiten BioWild-Projekt die Auswirkungen unterschiedlicher Schalenwildbestände und Jagdstrategien auf die Vielfalt von Gehölzen und krautigen Pflanzen und die damit verbundenen Ökosystemleistungen. Das Untersuchungsgebiet umfasst 25.800 ha in fünf Bundesländern. Bereits jetzt zeichnen sich signifikante Unterschiede zwischen einzelnen Untersuchungsregionen ab.

Projektträger: Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), TU Dresden, Universität Göttingen, TU München; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/yyg6tamk.

Buchenborn – im Wald der Baumriesen und Wildkatzen

Das ehemalige Militärgelände Buchenborn ist heute ein Hotspot der Biodiversität im Rhein-Main-Gebiet. Dank naturnaher Forstbewirtschaftung ist eine strukturreiche Naturlandschaft mit hohen Altbaumbeständen und lichten Laubwäldern entstanden. Diese stellen heute einen bedeutenden Lebens-und Rückzugsraum für Tierarten wie die Europäische Wildkatze dar. Besuchergruppen werden an „Waldtagen“ durch das Gebiet geführt und für die biologische Vielfalt im Forstrevier sensibilisiert.

Projektträger: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y4ysy5mb.

Artenschutzwald – 50 ha für biologische Vielfalt

Ein rund 50 ha großer Waldbereich nördlich des Quarzsandtagebaus Frechen soll sich zum Artenschutzwald entwickeln. Durch die Förderung von Biotopbäumen, Wiesen, Waldrandstrukturen und Stillgewässern soll ein vielfältiger Lebensraum für waldbewohnende Tiere entstehen. In dem Kooperationsprojekt zwischen dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW und den Quarzwerken Frechen wurden 18 Maßnahmen festgelegt,die die biologische Vielfalt in dem Forst fördern sollen. Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft ist Impulsgeber und begleitet das Projekt.

Projektträger: Quarzwerke GmbH und Landesbetrieb Wald und Holz NRW; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y3l8fb9m.

Fit für den Klimawandel

Ein rund 4.000 ha großes Waldgebiet südlich von Münster wird auf die Veränderungen des Klimawandels vorbereitet. Die Maßnahmen umfassen die Verbesserung des landschaftstypischen Wasserhaushalts, die Entwicklung klimastabiler Wälder und die dauerhafte Sicherung von altem Totholz – auch im Privatwald. Ein weiterer zentraler Baustein ist die Revitalisierung von zwei ehemaligen Hochmooren. Über Exkursionen, einen Klimalehrpfad, Schulungen für Waldbesitzer und Unterrichtseinheiten für Schulklassen ist die Bevölkerung in das Projekt eingebunden.

Projektträger: NABU Naturschutzstation Münsterland, Wald und Holz NRW; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y2c95xpj.

FraDiv – Bedeutung des Eschentriebsterbens für die Biodiversität von Wäldern

Eschenreiche Laubmischwälder sind seit Jahren vom Eschentriebsterben betroffen – das hat auch Folgen für die Biodiversität der Standorte. Das Projekt FraDiv untersucht die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Waldes und dem Befall der Esche und erforscht die Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf Bodenpilze und Pflanzen. Zwischen 2019 und 2025 sollen konkrete Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität entwickelt und umgesetzt werden.

Projektträger: Prof. Dr. Alexandra Erfmeier, Prof. Dr. Joachim Schrautzer, Institut für Ökosystemforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y652z93t (lesen Sie hierzu auch unsere Meldung vom 15. Oktober 2020).

Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

Der Nationalpark Hainich beherbergt die größte unberührte Laubfläche Deutschlands. In den Baumwipfeln ist die Artenvielfalt besonders groß. Ein 540 m langer und bis zu 24 m hoher barrierefreier Baumkronenpfad führt Besuchende hinauf in diese Wipfelwelt. Informationstafeln entlang des Pfades und zwei Erlebniswelten im Besucherzentrum geben zusätzliche Einblicke in das Ökosystem Wald. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen steht ein barrierefreier Media-Guide bereit.

Projektträger: KTL Kur und Tourismus Bad Langensalza GmbH, Baumkronenpfad; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/yykrh6q7.

Biosphären-Guides Pfälzerwald

Biosphären-Guides tragen im Pfälzerwald dazu bei, den abstrakten Begriff „Biosphärenreservat“ begreifbar zu machen. In Führungen vermitteln sie die biologische Vielfalt des Biosphärengebiets und regen zu einem schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen an. Für diese Aufgabe wurden und werden Naturführer/-innen und Waldpädagoginnen und Waldpädagogen in speziellen Schulungen weitergebildet.

Projektträger: Biosphärenreservat Pfälzerwald; Informationen und Kontakt: https://tinyurl.com/y5hqzb8j.

Über die UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 bis 2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. Sie will die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben und Wirtschaften bewusster machen und persönliches Handeln zum Schutz und Erhalt der Vielfalt der Arten, Lebensräume und Gene anstoßen. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde.

In Deutschland werden im Rahmen der UN-Dekade Projekte und Beiträge ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen. Zusätzlich zum regulären Wettbewerb zeichnet die UN-Dekade seit 2017 im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ auch vorbildliche Projekte aus, die das soziale Miteinander fördern und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.

Bewerben konnten sich bis April 2020 Einzelpersonen oder -initiativen, institutionelle Projektträger wie Verbände, Stiftungen und Unternehmen sowie staatliche und nicht staatliche Organisationen. In diesem Jahr geht die UN-Dekade 2011 bis 2020 offiziell zu Ende. Der Projektwettbewerb ist für neue Bewerbungen jetzt geschlossen. Im Laufe des Jahres und voraussichtlich auch noch im Frühjahr 2021 werden weitere Projekte durch die Fachjury ausgezeichnet.

Quelle: UN-Dekade Biologische Vielfalt/Red.

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