Holzindustrie, -verbände

Ukraine-Krieg: Bayerns Grüne fordern Boykott von Ilim Timber

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am 2. März forderte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, Ludwig Hartmann, man müsse Ilim Timber aufgrund des Kriegs, den Russlands Präsident gegen die Ukraine führt, sanktionieren. Das Unternehmen betreibt in Deutschland zwei Großsägewerke, eines davon in Bayern.

Zur Begründung sagte Hartmann, es müsse Teil der Sanktionen sein, dass nicht weiter bayerisches Holz an ein russisches Unternehmen verkauft wird. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) müssten deshalb umgehend ihre Holzlieferungen an das Ilim Timber Werk in Landsberg am Lech einstellen.

Daraufhin haben wir beide, Ilim Timber und die BaySF um Stellungnahmen gebeten. Die BaySF erklärten, dass weder Ilim Timber Bavaria GmbH noch deren Gesellschafter aktuell den von der EU beschlossenen Sanktionen unterliegen. Dies gelte auch für die von Ilim Timber Bavaria in Bayern verarbeiteten und erzeugten Produkte. Damit lägen derzeit keine Voraussetzungen und auch keine belastbaren Grundlagen für eine Entscheidung der BaySF im Hinblick auf Aussetzung/Einstellung der vertraglichen Rundholzlieferungen an Ilim Timber Bavaria vor.

Ilim Timber ist Schweizer Firma

Auf unsere Anfrage hin hat uns Ilim Timber Geschäftsführer Michael Liche umgehend Informationen zur Gesellschafterstruktur zugesendet. Demnach sind sowohl die Ilim Nordic Timber GmbH & Co.KG als auch die Ilim Timber Bavaria GmbH Tochtergesellschaften der Ilim Timber Continental S.A., und die hat ihren Sitz in Genf in der Schweiz.

Auf der Internetseite von Ilim Timber ist darüber hinaus nachzulesen, dass die beiden deutschen Firmen in der Ilim Timber Europe S.A. zusammengefasst sind, und auch die hat ihren Sitz in Genf. Mit wenigen Klicks findet man auch die Handelsregisternummern der beiden Firmen heraus.

In der Tat hat Ilim Timber Continental S.A. auch eine russische Tochterfirma, die Ilim Timber Industry LLC mit Sitz in Sankt Petersburg, die ebenfalls zwei Produktionsstandorte hat, in Bratsk und in Ust-Ilimsk.

Die beiden Gesellschafter der Ilim Timber Continental S.A. sind Boris und Moshe Zingarevich, zumindest nach Firmenangaben beides israelische Staatsbürger. Beide sitzen auch im Vorstand der russischen Ilim Group und dürften demnach ziemlich sicher auch russische Staatsbürger sein. Zumindest Boris Zingarevich wird in der Milliardärsliste von Forbes (Platz 2524) als russischer Staatsbürger geführt. Die Ilim Group ist aber ein völlig anderes Unternehmen, das rechtlich nicht mit Ilim Timber in Verbindung steht, und Zellstoff und Papier herstellt.

Keine Geschäftsbeziehungen nach Russland

Als Resümee stellt Ilim Timber Germany fest, dass die beiden deutschen Gesellschaften weder Tochtergesellschaften eines russischen Konzerns bzw. einer russischen Gesellschaft sind, noch irgendwelche Geschäftsbeziehungen (weder Lieferanten- noch Kundenbeziehungen) mit russischen Unternehmen unterhalten, was fälschlicherweise immer wieder behauptet werde.

Die BaySF fügen in ihrer Stellungnahme hinzu, man prüfe weiterhin in enger Abstimmung mit dem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die vorliegenden Informationen und die weitere Entwicklung in Bezug auf die restriktiven Maßnahmen der EU, also Sanktionen.

Ungerechtfertigte Forderung

Michael Liche bringt im Gespräch seine Enttäuschung über Ludwig Hartmann zum Ausdruck, der sich offenbar nicht bewusst sei, welchen Schaden er mit derart ungerechtfertigten Boykottforderungen anrichten kann. Ilim Timber beschäftigt in Deutschland fast 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze könnten durch solch unbedachte Äußerungen leicht in Gefahr gebracht werden.

Auf unsere Anfrage nach einer Begründung für die Boykottforderung haben bislang übrigens weder Ludwig Hartmann noch die Fraktion der Grünen in Bayern reagiert.

Marc Kubatta-Große