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nur so viel Holz zu schlagen

Überlebensprinzip Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit ist heute zu einem Überlebensprinzip geworden“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 16. April in Berlin vor 350 Gästen anlässlich der Festveranstaltung 300 Jahre Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft in Deutschland. Das Prinzip der Nachhaltigkeit – heute ein globales Leitbild – wurde vor 300 Jahren für die Waldbewirtschaftung und Holzproduktion entwickelt. Aus Anlass dieses besonderen Jubiläums luden der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) zur Festveranstaltung nach Berlin ein.

Merkel unterstrich die Bedeutung von Nachhaltigkeit: „Was wir heute tun, darf unseren Kindern und Enkeln die Chance auf ein Leben in Wohlstand und einer intakten Umwelt nicht schmälern.“ Übertragen auf die Herausforderung von heute müssten wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Verantwortung und der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen miteinander verknüpft werden. „Nachhaltigkeit ist zu einem Überlebensprinzip für diesen Erdball geworden“, erklärte Merkel. Die Forstwirtschaft sei ein hervorragendes Beispiel, um die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit darzustellen, sagte die Kanzlerin. Der Wald nehme als Ökosystem mehrere Funktionen wahr: als Sauerstoffquelle, als Kohlenstoff- und Feuchtigkeitsspeicher ebenso wie als Erosionsschutz. Er diene vielen Tieren und Pflanzen als Lebensraum und sei wichtig für die Biodiversität, für den Menschen sei er ein Erholungsgebiet. Der Wald habe darüber hinaus für Deutsche viel mit Heimat zu tun.

Die verschiedenen Funktionen in Einklang zu bringen, sei nicht immer leicht, erklärte Merkel. Ein klares Bekenntnis zum Eigentum sei wichtig. Bei allen unterschiedlichen Ansichten etwa zur Waldnutzung und Biodiversität eine alle das gemeinsame Ziel, die nachhaltige Leistungsfähigkeit der Wälder zu erhalten. In ihrer Waldstrategie 2020 habe die Bundesregierung deshalb aufgezeigt, wie sie die Balance zwischen unterschiedlichen Nutzungsanforderungen halten wolle.

Der voranschreitende Klimawandel einerseits und die begrenzten Ressourcen andererseits machten es unabdingbar, in der Energiepolitik umzusteuern, zeigte sich die Bundeskanzlerin überzeugt. Deshalb setze die Bundesregierung auf Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Holz erlebe dabei geradezu eine Renaissance. Aber nicht nur als Energieträger steige die Nachfrage nach Holz, auch als Rohstoff etwa für Papier, Möbel und Hausbau. Die deutsche Nachfrage betreffe aber auch Wälder in anderen Ländern. Dabei geht es um den Bedarf etwa an Tropenhölzern, Soja oder Palmöl. Um der Vernichtung von Regenwäldern entgegenzuwirken, seien Zertifizierungssysteme für Holz und Agrarprodukte entwickelt worden, sagte Merkel. Gegen illegalen Holzeinschlag hat die Bundesregierung erst vor kurzem eine Gesetzesnovelle verabschiedet, die den Handel mit diesen Produkten verbietet.

Nachhaltige Entwicklung sei ein Leitprinzip der Politik der Bundesregierung, erklärte die Kanzlerin. Man könne nicht um jeden Preis wachsen. Solide Staatsfinanzen sicherten zum Beispiel Handlungsspielräume für Investitionen. Umgekehrt stünden Schuldzinsen nicht für Zukunftsaufgaben zur Verfügung. Deshalb sei Haushaltskonsolidierung eine Frage der Generationengerechtigkeit und somit der Nachhaltigkeit. Dass die Bevölkerung insgesamt älter werde, sei eine nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung, so Merkel. Auch hinsichtlich des demografischen Wandels sei Nachhaltigkeit somit ein Leitprinzip.

 
Multifunktionale Leistungen im Wald
 
Die Veranstaltung „300 Jahre Nachhaltigkeit“ stellte auch die Frage, wie eine nachhaltige und multifunktionale Waldbewirtschaftung zukünftig aussehen kann. Denn die Anforderungen an den Wald werden nicht geringer: Er spielt eine zentrale Rolle beim Natur- und Klimaschutz, gleichzeitig steigt die Holznachfrage. Abteilungsleiter Clemens Neumann aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz versicherte den Waldbesitzern erneut, dass es ein Mehr an Naturschutz nicht zum Nulltarif geben kann.
 
Die multifunktionalen Leistungen im Wald müssten im Rahmen des Vertragsnaturschutzes verankert und honoriert werden, damit die Waldbesitzer sich bereit erklären, diese der Allgemeinheit anzubieten. Nachhaltigkeit ist für die Bundesregierung der zentrale Begriff in der Waldpflege und -bewirtschaftung. Die steigende Nachfrage nach Holz wird Deutschland nach 2020 dazu zwingen, Holz aus nachhaltiger Produktion zu importieren. Dies erfordere dringend, eine international anerkannte Definition des Begriffes „sustainable Forstry“ zu finden. Die Bundesregierung unterstützt deshalb die Bemühungen um die Pan-Europäische Waldkonvention.
 
Damit diese aber auch gelebt werden kann, muss ein Umdenkungsprozess eingeleitet werden, der den Nachhaltigkeitsgedanken über den Non-Food-Bereich hinausträgt. „Die Steinzeit ist nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab“, so Neumann. Treibende Kraft der Fortentwicklung der Menschheit waren immer Innovationen. Neumann unterstrich deshalb die Bereitschaft der Bundesregierung auch künftig die Innovationen durch das Bereitstellen von finanziellen Mittel voranzutreiben. So fördere das BMELV über die FNR 114 laufende Vorhaben zum Themenkomplex Forst und Holz sowie zur Technologieentwicklung in den Wertschöpfungsketten. Neumann forderte alle Beteiligten dazu auf, diese Ansätze gemeinsam voran zu bringen.
 
Ein ausführlicher Artikel folgt in AFZ-DerWald 11/2013 vom 3. Juni 

FNR/www.bundeskanzlerin.de/fp
5 m hohen Pinocchio begrüßt Foto: B-G Encke gelte heute im Umgang mit allen Ressourcen sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Jubiläumsveranstaltung des Deutschen Forstwirtschaftsrats am 16. April in Berlin. Foto: B-G Encke Das AXICA  Kongress- und Tagungszentrum am Pariser Platz in Berlin war Veranstaltungsort der Festveranstaltung 300 Jahre Nachhaltigkeit. Vor dem Gebäude hatten Greenpeace-Aktivisten die Gäste mit einem 3 Vor 300 Jahren forderte Hans Carl von Carlowitz nur so viel Holz zu schlagen

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