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Über 1 Mrd. € für neue Holzbauten in Berlin

Schwerpunkte des 1. Berliner Holzbau Kongresses waren das Verbundmaterial Holz-Beton, Brandschutz im Holzbau und schnelles Bauen im städtischen Bereich.

Obwohl Berlin als „die steinerne Stadt“ gilt, war das Interesse am 1. Holzbauforum von 10. bis 11. März sehr groß. Eine Tradition des Holzbaus hat sich in der Zeit der Industrialisierung in der von Maschinenbau- und Elektrotechnikindustrie dominierten Stadt Berlin nicht etabliert. Der Bombenkrieg mit seinen Brandfolgen und die Teilung Berlins mit der Abtrennung des westlichen Teils von den Rohstoffen des Hinterlands trugen ihren Teil dazu bei, dass in der deutschen Hauptstadt eher andere Baustoffe zum Zug kamen und sich wenig Holzbaukompetenz bildete. Mit seiner Quote von 0,9 % bei Mehrfamilienhäusern überwiegend in Holzbauweise liegt das Land im Vergleich der Bundesländer hinten.

1. Holzbaupreis Berlin

Der Funke des zunehmenden Interesses an Holzbau ist mittlerweile auch auf die Immobilien- und Bauwirtschaft Berlins übergesprungen, wie unter anderem ein erster Wettbewerb, der „Holzbaupreis Berlin 2019“, gezeigt hat. Die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum und lebenswerten Quartieren, neuen Kindertagesstätten, Schulen, Mensen und Sporthallen hat aber auch mit klimapolitischen Herausforderungen, wie der Senkung des CO₂-Ausstoßes durch das Bauwesen, zu tun. Ein beispielhaftes Vorreiterobjekt war 2008 der Bau des ersten siebengeschossigen Stadtwohnhauses in Holzbauweise in der Esmarchstraße 3 („E3“).

Großes Interesse am Holzbau spiegelte sich in der Beteiligung von Bauentscheidern aus der Metropolregion Berlin-Brandenburg am „1. Deutschen Holzbau Kongress Berlin“ wider. Prof. Heinrich Köster, Präsident von Forum Holzbau, wies bei der Veranstaltung auf die Bedeutung endverbrauchernaher Impulse am Ende der Holzkette hin.

Eine der letzten Großveranstaltungen

Der Holzbaukongress war eine der letzten größeren Veranstaltungen in der Hauptstadt, ehe das öffentliche Leben heruntergeregelt wurde, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Trotz einiger weniger krisenbedingter Änderungen lief das Programm des Kongresses auf dem ehemaligen AEG-Gelände weitgehend reibungslos ab. Verschärfte Hygienemaßnahmen sorgten in den Pausen für Schlangen an den Bewirtungspunkten, was von den Teilnehmern aber mit Verständnis aufgenommen und zum Netzwerken genutzt wurde.

Hermann-Josef Pohlmann, Abteilungsleiter Hochbau in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, gab in seinem „Bericht von der Front“ Einblicke in die Holzbauaktivitäten des Bundeslands Berlin. Seitdem es finanziell wieder besser ausgestattet wurde, kann es seine öffentliche Vorbildfunktion ausfüllen.

Nicht unerwähnt ließ Pohlmann dabei aber auch einige Probleme: zu wenige Angebote auf Ausschreibungen, preislich teilweise überhöhte Angebote, Personalmangel in der Verwaltung und bürokratische Hürden. Eine Lehre der vergangenen Zeit laute, die Holzbaufirmen mit ihrem System arbeiten zu lassen und nicht so sehr auf die Architekten zu hören, so Pohlmann. Für das Land Berlin in überwiegender Holzbauweise fertiggestellt wurden bereits drei Schulgebäude, jeweils mit Sporthalle, im Wert von insgesamt 86 Mio. €. Aufgrund guter Erfahrungen mit kurzen Planungs- und Bauzeiten wurden weitere neun Holz-Schulsporthallen in Schnellbauweise mit Baukosten von insgesamt 80 Mio. € in Auftrag gegeben.

Für die Zukunft gerüstet

Berlin plant für die nächsten vier Jahre in Holzbauweise 40 modulare Schulergänzungsbauten mit Mensa mit einem Gesamtvolumen für 320 Mio. €. Vorgesehen ist außerdem der Bau von 40 weiteren Schulsporthallen für 360 Mio. € sowie zehn Hybrid-Grundschulgebäuden, jeweils mit einer Turnhalle, für etwa 400 Mio. € Gesamtbausumme.

Die Teilnehmenden bekamen viele Details zu Verbundbauweisen, zu Fragen von Holz und Brandschutz im Geschosswohnungsbau, zur Vorfertigung oder auch zur Fertigung in der Feldfabrik, zu den unterschiedlichen Bausystemen und zum Markt geboten, um diese eventuell in ihre Überlegungen einzubinden.

„Sie sehen, Holzbau ist am Laufen. Wir würden unsere Bauaufgaben nicht schaffen, wenn wir nicht auf diesen Baustoff zurückgreifen könnten“, sagte Pohlmann abschließend.

holzkurier.com

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