Waldbau

Totholz für die nächste Waldgeneration

Bearbeitet von Jörg Fischer

Hilft Totholz bei der Etablierung und Entwicklung von gesäten Eichen und Tannen? Ist eine Bodenbearbeitung für die Aussaat überhaupt möglich, wenn das Totholz auf der Fläche verbleibt? Diesen Fragen widmen sich Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena in gemeinschaftlicher Arbeit mit der Stadt Hildburghausen in Thüringen. Das Gemeinschaftsvorhaben wird gefördert durch die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Im Waldklimafonds-Projekt „IntegSaat“ entwickeln Wissenschaftler der Universität Jena ein Konzept zur Integration von Totholz in Verfahren der Saat von Weißtanne und Stieleiche. Auf Dauerbeobachtungsflächen des Stadtwaldes Hildburghausen soll der Effekt des verbliebenen Totholzes auf die Entwicklung der Saat, das Mikroklima, den Boden und die Pflanzendiversität quantifiziert werden. Weiterhin verspricht die Integration von Totholz einen zusätzlichen Schutz der Sämlinge vor Wildverbiss.

Zudem wird in dem Vorhaben der Einsatz von Kleinraupen als Zugmaschine für den Streifenpflug bzw. die Saatmaschine auf Waldumbauflächen mit Totholz erstmals getestet. Arbeitstechnische Handhabung sowie bodenökologische und ökonomische Aspekte werden bewertet und mit den Erfahrungen aus dem Einsatz von Zugpferden verglichen. Das auf der Fläche verbliebene Totholz stellt eine hohe physische Belastung für Zugpferde dar, weshalb ein alternatives Zugmittel erforderlich ist.

Hilfestellung für eine erfolgreiche Direktsaat

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, aus den Ergebnissen standortspezifische waldbauliche Handlungsempfehlungen zur Direktsaat von Stieleiche und Weißtanne abzuleiten, bei denen boden- und naturschutzfachliche Faktoren berücksichtigt werden. Im Gegensatz zur Pflanzung entwickelt sich die Wurzel gesäter Waldbäume ungehindert und störungsfrei, sodass Wasser- und Nährstoffvorräte in tieferen Bodenschichten und auf schwierigeren Standorten besser ausgeschöpft werden können. In der Praxis wird angesichts geringer Kenntnisse der technischen Umsetzung sowie der ökologischen Bedingungen (z. B. Humusgehalt, Luftfeuchte, Temperatur und Bodenvegetationszustand) bisher nur selten auf das Saat-Verfahren zurückgegriffen.

Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Projekt startete am 1. November 2021. Die Saat von Weißtanne und Stieleiche wird jeweils im Winter 2021 und 2022 auf zwölf Flächen von insgesamt 24 ha Größe vorgenommen.

Hintergrund des Projekts

Eine Erhöhung des Totholzanteils in Wäldern wird aus Biodiversitäts- und Klimaschutzgründen von der Forstpraxis angestrebt. Bei bisherigen Verfahren zur Saat von Waldbäumen wurde das Totholz zur Vorbereitung der Flächen auf den Rückgassen abgelegt.

Für den Waldumbau in Richtung klimastabiler Wälder bietet sich auf einem breiten Spektrum an Standorten eine Mischung mit Eichen und mit Weißtanne an. Die Weißtanne ist ein waldökologischer und holztechnologischer sinnvoller Ersatz für die Fichte und gut als Mischbaumart geeignet.

Bei der Weißtanne und den Eichenarten ist eine Einbringung über Naturverjüngung aufgrund von kaum vorhandenen Mutterbäumen in Gebieten mit Fichtenmonokulturen nicht möglich. Zudem wird eine Etablierung durch Wildverbiss häufig stark begrenzt.

Zum Vorhaben

Integration von Totholz in Verfahren der Direktsaat von Weißtanne (Abies alba) und Stieleiche (Quercus robur) zur Begründung stabiler, klimatoleranter Mischwaldökosysteme im Stadtwald Hildburghausen (IntegSaat).

Was ist Totholz eigentlich?

Als „Totholz“ werden stehende und liegende Bäume oder Teile davon bezeichnet, die abgestorben sind. Das Strukturelement Totholz ist ein wichtiges Biotop für zahlreiche Tier-, Pilz- und Pflanzenarten und trägt als kurzfristiger Kohlenstoffspeicher zum Klimaschutz bei. Beim Zersetzungsprozess werden der gespeicherte Kohlenstoff und Nährstoffe wieder freigesetzt. Ein Teil des Totholzes trägt mittelfristig zum Humusaufbau der Mineralböden bei. Totholz kann sich günstig auf das Mikroklima in Waldbeständen auswirken.

Quelle: FNR