Totastprotektor VinZent
Selbst wenn man nur den Fällkerb schneidet – leichte Vibrationen im Baum lassen sich nie vermeiden
|

Totastprotektor VinZent: Schutz von ganz oben

01. Dezember 2020

VinZent heißt dieser neue Protektor von BaSt-Ing gegen herabfallende Äste bei der Waldarbeit. Der Name kommt vom Heiligen Vinzenz von Valencia, der auch als Schutzpatron der Holzfäller gilt. Ob die Konstruktion mehr ist als ein frommer Wunsch, haben wir uns angeschaut.

Unsere erste Meldung über diese neue Erfindung von Sepp Strobl haben wir seinerzeit am 1. April gebracht – weil wir uns nicht sicher waren, ob unsere Leser die Konstruktion nicht mehrheitlich für einen Scherz halten würde. Aber das Gegenteil war der Fall: Überwiegend waren die Kommentare grundsätzlich aufgeschlossen bis positiv.

In der Zwischenzeit hat BaSt-Ing den Protektor deutlich weiterentwickelt. Die ehemals rohe Blechkonstruktion ist formschöner geworden, wird in Orange pulverbeschichtet und ist zur Dämpfung von Resonanzschall innen mit Filz ausgekleidet. Außerdem wurden mit diversen Partnern Feldtests durchgeführt und auch eine europäische Sicherheitsprüfung absolviert. So eine Prüfung ist immer erforderlich, wenn man etwas als persönliche Schutzausrüstung (PSA) in den Verkehr bringen will. Um die Wirksamkeit zu belegen, haben die Prüfingenieure ein scharfkantiges Metallgewicht mit 11 kg aus 5,6 m Höhe auf den waagerecht ausgerichteten VinZent krachen lassen. Das wäre die ungünstigste Position im Wald – ist der Arbeiter nur leicht gebückt, würde der Ast vor allem abgeleitet und es müsste weniger Energie absorbiert werden. Trotzdem hat der Schutz standgehalten und genügend Aufprallenergie geschluckt.

Verkehrssicherung

Der Senebogen-Bagger verfügt über ein Lasthalteventil. Selbst bei plötzlichem Druckverlust im Hydrauliksystem fällt der Hauptarm nicht unkontrolliert herunter.
|

Die Firma „Für Ihre Bäume“ hat den VinZent im Rahmen einer Verkehrssicherungsmaßnahme in Unterfranken eingesetzt. Eine ganze Reihe abgängiger Buchen entlang eines Weges musste gefällt werden. Zur Unterstützung diente der Sennebogen Mobilbagger. Dessen Ausleger verfügt über ein Lasthalteventil, damit der Arm bei einem plötzlichen Druckverlust nicht auf den Arbeiter fallen kann. Obwohl Alfons Löser bei der Aktion „nur“ den Fällkerb anlegen und den Fällschnitt vorbereiten musste, war es ihm trotzdem sehr angenehm, den VinZent über seinem Kopf zu haben: „Die Äste solcher Buchen können beim leisesten Windhauch brechen. Das haben wir alles schon erlebt.“ Den Tragekomfort des 5,9 kg schweren Rückenpanzers beschreibt er als überraschend angenehm: „Ich fühle mich in keinster Weise in der Bewegung eingeschränkt, bestenfalls die dicken Kapseln vom Funk-Gehörschutz können mal den Rahmen berühren.“

Die Durchbrechungen an der Oberseite des VinZent sehen nach Ansicht unserer Tester vor allem gut aus – für den Durchblick nach oben braucht man sie nur im Extremfall
|

Auch der Blick nach oben in die Kronen ist absolut gewährleistet. Dafür braucht es seiner Meinung nach die Durchbrechungen am Vorderteil gar nicht unbedingt. „Natürlich ist das Rucksack-Polster irgendwann ein bißchen warm am Rücken und meinen Werkzeuggurt kann ich auch nicht in gewohnter Weise nutzen. Aber das ist hier nicht relevant. Es geht um die Sicherheit in einer besonderen Situation, die ich anders kaum noch verbessern kann. Leider werden wir so etwas in Zukunft wohl öfter machen müssen. Dafür wäre mir der Preis nicht zu hoch.“ Der liegt aktuell bei 700 € netto.

Sozialversicherung

Die Berufsgenossenschaft sieht das Konzept bisher noch skeptisch. Grundsätzlich gilt in Europa die Devise „Besser Gefahren vermeiden, als sich davor zu schützen.“ Theoretisch ließen sich Starkbuchen natürlich immer mit einem großen Baggerharvester ohne Waldarbeiter in der Gefahrenzone fällen. Abgesehen davon, dass es nur sehr wenige solcher Maschinen gibt – die Kosten wären niemals darstellbar. Bei der seilunterstützten Fällung hat es auch schon genügend unangenehme Überraschungen beim Anschlagen der Seile gegeben. Insofern ist das geschilderte Arbeitsverfahren aus unserer Sicht ein sehr guter Kompromiss.

Heinrich Höllerl