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Thüringen: Waldflächen für den Nutzungsverzicht identifiziert

Die Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Birgit Keller und die Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz Anja Siegesmund haben am 4. Dezember im Kabinett die Waldflächen vorgestellt, die dauerhaft der forstwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden.

Die Thüringer Landesregierung hat in der Koalitionsvereinbarung vereinbart, mindestens 5 % des Waldes in Thüringen dauerhaft der forstwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Innerhalb der nächsten 10 Jahre werden auf den gemeinsam vereinbarten Flächen die notwendigen Waldumbaumaßnahmen abgeschlossen. Dann beginnt ein neuer Zyklus, der die biologische Vielfalt stärkt. Vereinbart dafür sind rund 26.500 ha von insgesamt rund 520.000 ha Wald – etwa zwei Drittel dieser Flächen werden bereits jetzt nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Diese Flächen müssen bis Ende 2029 aus der Nutzung genommen werden.

Diese Flächen wurden für den Nutzungsverzicht identifiziert:

  • 16.769 ha ThüringenForst (63 %), darin enthalten sind 1.001 ha Possen);
  • 7.003 ha des Nationalen Naturerbes (26 %);
  • 1.456 ha Landesflächen (6 %), davon 1.293 ha an der Hohen Schrecke und 163 ha Flächen der Stiftung Naturschutz Thüringen;
  • Kommunen/Private 1.285 ha (5 %).

Größere zusammenhängende Waldflächen sind im Hainich, der Hohen Schrecke, im Pöllwitzer Wald und auf dem Possen zu finden. Auf letzteren wird Anfang des Jahres 2019 eine neue Natura-2000-Station eröffnet.

Für den Nutzungsverzicht am Possen und für die Kosten, die auch in den stillgelegten Wäldern entstehen, erhält ThüringenForst eine jährliche Finanzierung von rund 750.000 € aus Landesmitteln.

„Aus der Nutzung genommen“ bedeutet nach Errichtungsgesetz der Anstalt öffentlichen Rechts ThüringenForst, dass auf diesen Flächen das Roden und Fällen von Bäumen sowie die Nutzung und Entnahme von Holz untersagt ist, sofern dies nicht aus Gründen der Verkehrssicherung oder des Forstschutzes für angrenzende Flächen erforderlich ist.

Die Ministerinnen zum Nutzungsverzicht

Ministerin Birgit Keller: „Wir Thüringer sind eng mit unseren Wäldern verbunden – sie prägen unser Bundesland. Mit der nachhaltigen Nutzung der Forstwirtschaft und dem nun festgelegten Nutzungsverzicht haben wir einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt geleistet. Indem wir den Ausgleich für den Verzicht finanzieren, sorgen wir dafür, dass ThüringenForst mit seinen rund 1.400 Beschäftigten seine Aufgaben auch in Zukunft erfüllen kann. Der Wald ist Erholungsraum und ein wichtiger Teil regionaler Wertschöpfung. Beides hat seinen berechtigten Platz.“

Ministerin Anja Siegesmund: „Die Thüringerinnen und Thüringer können sich auf mehr Waldwildnis freuen. Wo sich unsere Wälder natürlich entwickeln können und die Bäume sehr alt werden können und langsam verrotten, entstehen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Das ist gut für die biologische Vielfalt und gut fürs Klima. Aber auch gut für den Tourismus und die Wertschöpfung in der Region – wie zum Beispiel der Nationalpark Hainich oder das Biospährenreservat Rhön zeigen.“

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Red./MIL, MUEN

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