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Thüringen: Borkenkäferschäden von bis zu 2,7 Mio. Fm

Thüringens Forstministerin Birgit Keller war am 29. Mai im Forstrevier Nauendorf und informierte sich über die Waldschäden vor Ort sowie die Gegenmaßnahmen der Forstbetriebsgemeinschaft Hesselborn.

Am besuchten Forstort befindet sich ausschließlich kleinparzellierter Kleinprivatwald. „Bei der Fichte zählen wir nun etwa 1,1 Mio. Festmeter Borkenkäferholz. Aktuelle Prognosen lassen befürchten, dass die Schadholzmenge im Laufe des Jahres auf bis zu 2,7 Mio. Festmeter steigen kann“, so Ministerin Keller. „Für viele Kleinprivatwaldbesitzer führen die erheblichen Waldschäden zu hohen wirtschaftlichen Verlusten. Die 80 Waldbesitzer der FBG ‚Hesselborn‘ kooperieren eng bei der Schadholzaufbereitung und selbständigen Holzvermarktung. Sie erzielen vorbildliche Ergebnisse. Das gilt es zu unterstützen.“

Förderinstrumente zur Bekämpfung der Kalamität verstärkt

Das Land Thüringen unterstützt die Schadensaufarbeitung im Wald derzeit mit über 4,4 Mio. €. Bereits im Vorjahr wurden rasch nach der Schadenserhebung insgesamt 2,3 Mio. € an Waldbesitzer ausgezahlt. In den vergangenen Wochen wurden bestehende Förderinstrumente zur Bekämpfung der Kalamität und Erschließung der Waldflächen verstärkt, um zielgenau zu helfen. „Weitere unbürokratische Hilfen stehen in Aussicht. Denn die Waldbesitzer sind wegen der Waldschäden, des geschwächten Holzmarkts und mangelnder technischer Kapazitäten für die Holzernte stark belastet. Sie brauchen Unterstützung. Mit dem Waldschutz leisten sie eine Daseinsvorsorge für die gesamte Gesellschaft“, so Keller. In Thüringen entfallen etwa 44 % der Waldfläche auf private Waldbesitzer.

Die Ministerin verwies jedoch auf die Ausnahmesituation und machte deutlich, dass der Privat- und Körperschaftswald langfristig eigenständiger und aktiver werden muss. Keller sieht in der Forstbetriebsgemeinschaft Hesselborn ein positives Beispiel. „Gerade in Krisensituationen bewähren sich gut funktionierende Selbsthilfeorganisationen. Die noch junge FBG Hesselborn bewirtschaftet mit 80 Waldbesitzern etwa 500 Hektar. Durch eine enge Kooperation bei der Schadholzaufbereitung und der selbständigen Holzvermarktung erfolgt die Schadensbewältigung bislang vorbildlich. Als Land gilt es, solche Modelle stärker zu fördern.“

Prognose für 2019

Der Wald wurde im Vorjahr durch mehrere Stürme, anhaltende Wärme und Trockenheit stark geschwächt und ist dadurch anfällig für Schädlingsbefall geworden. Über 2 Mio. Fm Sturm- und Kalamitätsschadholz sind bereits angefallen und etwa 8.000 ha Waldfläche sind geschädigt. Bei anhaltend trockner und warmer Witterung könnten laut jüngsten Prognosen in diesem Jahr allein die Borkenkäferschäden auf bis zu 2,7 Mio. Fm ansteigen.

Die bereits im letzten Jahr vom Land gewährten Hilfen wurden auch in diesem Jahr bereitgestellt und erhöht. Die Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen durch Waldbesitzer wird vom Land mit bis zu 85 % der Ausgaben gefördert.

Bund soll Mittelzuführung erhöhen

Die vom Bund zugesagten zusätzlichen Mittel bis zum Jahr 2022 in Höhe von insgesamt 25 Mio. € zur Schadensbeseitigung in den Wäldern seien angesichts der großen Schäden nicht ausreichend, teilte Keller mit. Denn Thüringens Anteil an den Bundesmitteln betrüge jährlich nur 265.000 €. Deshalb fordert die Thüringer Landesregierung vom Bund, die Mittel zu erhöhen.

Das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft verfolgt Strategien der Waldbewirtschaftung und der Förderung, mit denen auf den tiefgreifenden klimatischen Wandel reagiert werden kann. „Die wichtigste Aufgabe bleibt der Waldumbau. Wir erhalten und vergrößern die strukturelle Vielfalt in den Waldbeständen und hoffen dadurch auf klimaangepasste Wälder und eine langfristige Risikostreuung. Waldschutz ist Klimaschutz“, so Ministerin Keller.

Beim Waldumbau zulegen

Dass Thüringen beim Waldumbau auf einem richtigen Weg ist, belegen die Ergebnisse der Bundeswaldinventuren. Obwohl Waldumbau aufgrund der langen Wachstumszeiträume der Bäume ein langfristiger Prozess ist, haben der Anteil der Laubbäume und der Mischbestände, die Holzvorräte und die Naturnähe der Wälder in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen. „Der Naturverjüngungsanteil in Thüringen liegt bei 90 % und damit über dem Bundesdurchschnitt“, sagte Keller. „Angesichts der Geschwindigkeit sich ändernder klimatischer Bedingungen müssen wir in den nächsten Jahren beim Waldumbau aber noch mehr Energie investieren, um unsere Wälder zu klimafesten Mischwäldern umzugestalten.“

Red./TMIL

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