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Thüringen: Aufgaben der Hauptstelle Waldschutz werden nicht weniger

Thüringen: Aufgaben der Hauptstelle Waldschutz werden nicht weniger

Wenn Förster oder Waldbesitzer für biotische Schäden an Waldbäumen keine Erklärung finden, dann treten die Experten der Hauptstelle Waldschutz am Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum in Gotha (FFK) in Aktion. Seit rund 25 Jahren bietet das vierköpfige Waldschutzteam die Diagnose schwierig zu bestimmender Schäden und Schaderreger an Bäumen an. Derart spezialisiert ist sie die einzige derartige Einrichtung im Freistaat Thüringen und eng mit weiteren wissenschaftlichen Institutionen in Thüringen wie in Deutschland verknüpft.
Im Jahr 1905 wurde erstmals diese besondere institutionelle Form des forstlichen Pflanzenschutzes an der Kaiserlichen Biologischen Anstalt geschaffen.
Schaderreger werden vielfältiger in Thüringens Wäldern
Allein im Jahr 2014 wurden rund 50 Pflanzenproben untersucht (2013: 45 Proben), die sowohl von besorgten Förstern wie auch privaten und kommunalen Waldbesitzern an das FFK eingesandt wurden. Blatt- oder Nadelmaterial, Äste oder Stammabschnitte kränkelnder oder absterbender Bäume bis hin zu ganzen Bäumen finden sodann den Weg in das Untersuchungslabor der Experten. Hauptsächlich untersuchte Baumarten waren im letzten Jahr Fichte, Kiefer, Eiche, Buche und Tanne.
Während klassische forstliche Schadinsekten wie der Buchdrucker, Eichenwickler oder der Große Braune Rüsselkäfer durch die Förster vor Ort sicher erkannt werden, ist der Befall etwa pilzlicher Schaderreger oft ohne Laborunterstützung nicht möglich. Jeder Diagnose schließt sich eine Empfehlung für mögliche Prophylaxe- oder Gegenmaßnahmen ein – kostenlos für die Waldbesitzer.
Zusatzaufgaben: Waldbrandschutz und Quarantäneschädlinge
Aber nicht nur diagnostische Arbeiten werden durchgeführt, der Hauptstelle Waldschutz obliegt auch die Dokumentation und die Analyse langfristiger Schadentwicklungen. So etwa beim Ulmensterben oder dem aktuellen Eschentriebsterben. Darüber hinaus sind auch abiotische Schadursachen, wie etwa Waldbrände zu erfassen, zu dokumentieren und Schutzmaßnahmen zu empfehlen.
In den letzten Jahren deutlich zugenommen haben die Aufwendungen zur Überwachung sog. forstlich relevanter Quarantäneschädlinge: Erstmals 2013 wurde in Worbis der Asiatische Laubholzbockkäfer nachgewiesen, der unbemerkt über Verpackungsmaterial aus China eingeführt wurde. Er gilt als gefährlicher Waldschädling im asiatischen Raum. Aber nicht nur exotische Schädlinge setzen den heimischen Wäldern zu, auch der vom Menschen verursachte Klimawandel sorgt dafür, dass Schädlinge trockenwarmer Regionen in den Freistaat einwandern: So etwa die Miniermotte an der Rosskastanie.
110-jährige Historie der Hauptstelle Waldschutz
Die Einrichtung einer Hauptstelle Waldschutz war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Forderung der Waldeigentümer, die in den Wirren des ersten Weltkriegs unter katastrophalen Massenvermehrungen nadelfressender Schädlinge litten. Ein Meldedienst über das Auftreten von Forstschädlingen und eine wissenschaftlich fundierte Unterstützung bei der Bekämpfung sollte geleistet werden. 1926 wurde nach Brandenburg und Sachsen auch Thüringen in den Meldedienst einbezogen, 1950 für den Volks-, LPG- und Privatwald auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zur Pflicht gemacht und 1993 im ersten Thüringer Waldgesetz verankert.
Neue Herausforderungen wie Klimawandel und Quarantäneschädlinge lassen die Aufgaben der Hauptstelle Waldschutz nicht weniger werden. Im Gegenteil: Die Diagnose- und Beratungsleistungen für die rund 200.000 Waldbesitzer im Freistaat sind dringender denn je.
ThüringenForst

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