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Der höhere Holzvorrat und damit einhergehend die weiterhin hohe Kohlenstoffanreicherung macht die Wälder zu Klimaschützern

Wälder in Deutschland sind wichtige Kohlenstoffsenke

Fakt ist: In deutschen Wäldern wächst mehr Holz nach als genutzt wird. Deutschland ist das holzreichste Land der EU. Dass die Bedeutung der Wälder als Kohlenstoffsenke und damit Bremser des Klimawandels weiter ansteigt, belegt die Kohlenstoffinventur 2017, deren Auswertung die Experten vom Thünen-Institut für Waldökosysteme jetzt vorgelegt haben.

Die Wälder in Deutschland sind ein wichtiger Faktor im Klimageschehen, denn sie binden große Mengen Kohlenstoff, der ursprünglich als CO₂ (Kohlendioxid) in der Atmosphäre war. Dass die Bedeutung der Wälder als Kohlenstoffsenke und damit Bremser des Klimawandels weiter ansteigt, belegt die Kohlenstoffinventur 2017, die jetzt ausgewertet ist.

Kohlenstoffinventur 2017

Laut Kohlenstoffinventur 2017 sind in deutschen Wäldern rund 1,23 Mrd. t Kohlenstoff in der lebenden Biomasse gespeichert, 5 % mehr als vor fünf Jahren. Hinzu kommen 33,6 Mio. t Kohlenstoff im Totholz. Die Kohlenstoffvorräte haben mit 113,7 t pro Hektar ein neues Rekordhoch erreicht. Diese und weitere Ergebnisse haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Waldökosysteme jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „AFZ-DerWald“ (Heft 14/2019) veröffentlicht.

Die Kohlenstoffinventur ist eine Art kleine Bestandsaufnahme zwischen den großen, alle zehn Jahre stattfindenden Bundeswaldinventuren. Sie wird vom Thünen-Institut mit Unterstützung der Bundesländer durchgeführt und erfasst den Zustand des deutschen Waldes.

Deutlich mehr Holz nachgewachsen als genutzt

Der Holzvorrat in deutschen Wäldern ist gegenüber der letzten Bundeswaldinventur 2012 um 6 % gestiegen, weil deutlich mehr Holz nachgewachsen ist als genutzt wurde. Damit hat sich der Vorratsanstieg deutlich beschleunigt: In den letzten fünf Jahren wurde genauso viel Vorrat aufgebaut (19 Vorratsfestmeter pro Hektar) wie in den zehn Jahren davor. Mit einem Holzvorrat von aktuell 3,9 Mrd. m³ ist Deutschland das holzreichste Land der Europäischen Union. Auch die Waldstruktur hat sich verändert: Es gibt 12 % mehr alte Wälder über 120 Jahre – damit hat sich der Trend zu älteren Wäldern mit dickeren Bäumen fortgesetzt. Auch der Totholzvorrat ist um 1 m³ pro Hektar gestiegen. Etwa 50 % des Totholzes sind liegende Stücke, 25 % sind stehendes Holz und 25 % Wurzelstöcke.

Wälder sind Klimaschützer

Der höhere Holzvorrat und damit einhergehend die weiterhin hohe Kohlenstoffanreicherung macht die Wälder zu Klimaschützern: Sie haben die Atmosphäre zuletzt jährlich um 62 Mio. t CO₂ entlastet. Das kommt in die Größenordnung dessen, was die deutsche Industrie pro Jahr an Treibhausgasen ausstößt (2017: 64 Mio. t CO₂-Äquivalente). Der gestiegene Holzvorrat hat damit jedes Jahr rund 7 % der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen kompensiert.

Die häufigsten Baumarten in den deutschen Wäldern sind Fichte (25 %) und Kiefer (23 %), gefolgt von den Laubbaumarten Rotbuche (16 %) und Eiche (10 %). Der Flächenanteil der Laubbäume ist um 2 % gestiegen, die Dynamik hin zu mehr Laubbäumen hat sich damit allerdings verlangsamt. Das Flächenverhältnis von Laub- zu Nadelbäumen beträgt 45 zu 55 %.

 

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – kurz: Thünen-Institut – besteht aus 14 Fachinstituten, die in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Technologie forschen und die Politik beraten.

Die Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017 sind ebenso wie die der Bundeswaldinventur 2012 unter https://bwi.info abrufbar.

Red./Thünen-Institut

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