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Forsttechniker: Theorie und Praxis

Ursprünglich war die Weiterbildung zum staatlich geprüften Forsttechniker auf die Tätigkeiten als Revierförster ausgerichtet.
In den letzten Jahren haben sich die Ausbildungsinhalte und somit die Einsatzmöglichkeiten aber deutlich erweitert. Forsttechniker Joachim Groner ist beispielsweise Geschäftsführer und Einsatzleiter eines Forstunternehmens.

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Forsttechniker war bei mir der Einstieg in die Selbstständigkeit“, erzählt Joachim Groner. Als er im Jahre 2004 sein Fachschulstudium aufnahm, ahnte er aber noch nichts von den Möglichkeiten, die ihm diese Fortbildung bringen sollte.

 

Die berufliche Laufbahn des gelernten Forstwirtes begann im Jahre 2000 bei der Firma Herrmann & Renz, einem land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen auf der Schwäbischen Alb. Nach dem verheerenden Sturm Lothar im Jahr 1999 expandierte das Unternehmen gerade und suchte Maschinenführer. Groner war dabei und lernte den Holzeinschlag in den nächsten vier Jahren aus einer ganz anderen Perspektive heraus kennen. Mit der Zeit reifte in ihm jedoch der Gedanke, in beruflicher Hinsicht mehr aus sich zu machen. Damals entschloss sich Groner, noch einmal die Schulbank zu drücken und begann das zweijährige Fachschulstudium zum Forsttechniker an der Bayerischen Technikerschule für Waldwirtschaft in Lohr am Main. Diese Entscheidung hat er nie bereut.

Herrmann & Renz GmbH

Nach der bestandenen Prüfung kehrte Groner 2006 zu Herrmann & Renz zurück. Aufgrund seiner Weiterbildung übertrug sein Chef ihm unter anderem die Einsatzleitung der Arbeitsteams. Er übernahm dabei auch administrative Tätigkeiten, die ihm Einblick in die Aufgaben der Geschäftsführung boten. Im Jahre 2009 schlug dann die Stunde des noch jungen Mannes: Als das Unternehmen zur Herrmann & Renz GmbH umfirmierte, machte sich Joachim Groner selbstständig und übernahm 50 % der Firmenanteile. Seither ist er zusammen mit dem Firmengründer Werner Renz Geschäftsführer eines aufstrebenden Forstunternehmens. Die beiden haben sich ihre Verantwortlichkeiten nach der jeweiligen Ausbildung und den individuellen Fähigkeiten aufgeteilt. Während sich Werner Renz um alle technischen Problemstellungen rund um den Maschinenpark und die Holzernte kümmert, übernahm der damals 29-Jährige die Verantwortung für die kaufmännischen Entscheidungen im Unternehmen. Dies ist ihm hervorragend gelungen. Heute beschäftigt das Forstunternehmen 22 Mitarbeiter, besitzt sieben eigene Harvester der Marke John Deere, drei Forwarder und seit 2017 auch einen Energieholz-Bagger mit Woodcracker-Aggregat. Neben dem Hauptsegment der Holzernte (bis zu 200 000 Fm jährlich) bietet das Unternehmen von der Bepflanzung bis zum Holzverkauf professionelle Dienstleistungen rund um die Themen Wald und Holz an.

Vieles hängt dabei an den beiden Geschäftsführern, die ein breites Tätigkeitsfeld abdecken. Zu den täglichen Aufgaben Groners zählen neben der Betriebsleitung und Mitarbeiterführung auch die Einsatzleitung und Holzvermarktung. Weitere Schwerpunkte sind die Auftragsakquise und vor allem die Kalkulation der Ausschreibungen.

Herrmann&Renz
Ein Luftbild vom Firmengelände des Forstunternehmens Herrmann&Renz Foto: R. Herrmann

Technikerschule

„Die Ausbildung zum Forsttechniker hat mich auch persönlich weiter gebracht“, antwortet Joachim Groner auf die Frage, was ihm die Weiterbildung neben Fachkenntnissen vermitteln konnte. Neben Waldbau, Artenkunde oder Forsttechnik kommt auch die Mitarbeiterführung nicht zu kurz. Gerade davon profitiert der Geschäftsführer heute täglich, zumal er dabei auch Führungstechniken lernte, mit denen er seine Ziele verwirklichen und seine Mitarbeiter motivieren kann.

Auch die Betriebswirtschaft steht beim Forsttechniker auf dem Stundenplan. Neben dem Arbeits- und Steuerrecht lernen die Studenten sämtliche Betriebsabläufe kennen. Die Kalkulation komplexer Ausschreibungen, der daraus resultierenden Angebotserstellung sowie die Nachkalkulation gehören zum Aufgabengebiet. Immer häufiger sitzt Joachim Groner mit Vertretern von Banken oder Steuerberatern zusammen, um seinen Finanzierungsbedarf zu planen und auf neue Investitionen abzustimmen.

Der Forsttechniker bietet somit die Grundlage für die moderne Unternehmensführung, eine solide Ausbildung rund um das Thema Wald und ist aus Sicht von Groner jedem ambitionierten Fachmann zu empfehlen. Gerade in der heutigen Zeit, in der durch Personalabbau im öffentlichen Dienst immer mehr Forstarbeiten privatisiert werden, sind forstwirtschaftliche Unternehmen auf gut ausgebildete Praktiker angewiesen.

Über sein berufliches Engagement hinaus ist Joachim Groner heute auch Mitglied bei der Vereinigung der Forsttechniker. Dieser Verband vertritt die Interessen der Forsttechniker in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern gegenüber anderen Entscheidungs- und Verantwortungsträgern und hat Stimmrecht im Fachschulbeirat der Technikerschule für Waldwirtschaft. Für Praxisnähe ist damit weiter gesorgt.

Ralf Herrmann

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