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Im Test: Prophylaxe nach Zeckenstich

Jedes Jahr breiten sie sich weiter aus – die Zecken. Etwa 30 % der Parasiten übertragen Borrelien, Erreger der Lyme-Borreliose, die Gelenke und Organe schädigen kann. Die Krankheit bleibt oft unerkannt. Eine zugelassene Therapie zur Prophylaxe liegt derzeit nicht vor, ein Impfstoff gegen die Infektion fehlt. Künftig soll ein neuartiges Gel die Infektion bereits im Keim ersticken: Betroffene müssen es sofort nach dem Zeckenstich lokal auftragen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig entwickeln das Medikament in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Ixodes AG und dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München.

Trägt man das neuartige Gel gleich nach dem Entfernen der Zecke an der Stichstelle auf, könnte die Lyme-Borreliose verhindert werden. Denn die Bakterien halten sich die ersten Tage um die Zeckenstichstelle auf und breiten sich erst dann aus. Der aktive Wirkstoff des Gels ist Azithromyzin, das sehr effektiv gegen Borrelien wirkt und diese lokal in der Haut abtötet. Im Gegensatz zu anderen Antibiotika sind keine Resistenzen von Borrelienstämmen gegen Azithromyzin bekannt. Ein weiterer Vorteil des Wirkstoffs: Er ist nebenwirkungsarm, belastet den Körper daher nicht. Außerdem zeichnet er sich durch seine gute Depotwirkung von bis zu fünf Tagen im Gewebe aus. Die Behandlung ist nur dann erfolgreich, wenn das Arzneimittel innerhalb der ersten fünf Tage nach dem Zeckenstich aufgetragen wird. Eine etablierte Infektion lässt sich mit dem Gel jedoch nicht therapieren, es eignet sich ausschließlich zur Prophylaxe.

Die präklinischen Studien wurden bereits erfolgreich abgeschlossen. Seit Sommer 2011 testen die Forscher das Medikament an Personen mit nachgewiesenen Zeckenstichen in einer klinischen Phase-III-Studie (www.zeckenstudie.com).

Allein in Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts jährlich bis zu 60000 Menschen an der Lyme-Borreliose. Tendenz steigend – denn aufgrund des Klimawandels breiten sich Zecken immer mehr aus. Sobald das Gel in Apotheken zu kaufen ist, sollten besonders gefährdete Personen wie beispielsweise Forstbedienstete und Jäger es immer bei sich tragen.
 

Dr. Jens Knauer/Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie

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