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„Tatort Kiel“: Greenpeace und die Daten-Leichen

Bei einer Veranstaltung der schleswig-holsteinischen Landesregierung zum Zustand des Waldes beruft sich der Greenpeace-Vertreter auf Daten aus dem Jahr 2002, die längst nicht mehr aktuell sind. Die mittels dieser falschen Daten unterfütterte Behauptung von Greenpeace: Der deutsche Wald sei nicht mehr in der Lage, klimaschädliches Kohlendioxid zu binden. Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall: Deutschlands Wälder speichern sogar mehr Kohlendioxid als noch vor 20 Jahren. Ein aktuelles Beispiel für die fragwürdige Informationspolitik des Verbands-Naturschutzes.
Die Teilnehmer des Diskussionsforums „Wald in Schleswig-Holstein“ im Kieler Landtag trauten ihren Augen und Ohren nicht. Auf der Veranstaltung am 21. Mai verfolgten sie mehrere Vorträge von ausgewiesenen Waldexperten aus Verwaltung, fachlicher Praxis und diversen Umweltverbänden. Dabei präsentierte der Vertreter von Greenpeace, Martin Kaiser, Daten des renommierten Thünen-Instituts, die belegen sollten, dass der Wald aufgrund seiner derzeitigen ökonomischen Nutzung durch die Forstwirtschaft nicht länger in der Lage sei, ein Plus an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu binden. Der (bewirtschaftete) Wald habe laut Greenpeace also aufgehört, giftige Emissionen zu kompensieren und könne dadurch bedingte Schäden nicht mehrausgleichen.
Keine Antwort vom Greenpeace-Experten … 
Auf Nachfragen nach der Richtigkeit der vorgestellten Zahlen und Schlussfolgerungen konnte oder wollte der Greenpeace-Experte weder im Rahmen der Veranstaltung noch im Nachgang eine Antwort geben.
… Experten vom Thünen-Institut klären auf:
Dafür antwortet jetzt das Thünen-Institut, aus dessen Forschungsarbeit die von Greenpeace genutzten Daten angeblich stammen. Michael Welling, Pressesprecher des Instituts, verortet als möglichen Ausgangspunkt der Greenpeace-Behauptungen die Fortschreibung alter Modelle auf Grundlage der Bundeswaldinventur (BWI) von 2002 (!). Fakt ist nach den neuesten Zahlen, dass der Wald in Deutschland sogar noch mehr Kohlenstoff als vor 20 Jahren speichert.
Dr. Michael Welling: „Der Wald spielt im Klimageschehen eine wichtige Rolle. Berechnungen des Thünen-Instituts zeigen, dass die Wälder in Deutschland mehr Kohlenstoff binden als sie freisetzen. Diese als Senke bezeichnete Speicherleistung betrug in den letzten Jahren rund 52 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr.“
Veraltete Daten, fragwürdige Ziele
Ob Greenpeace die vorliegenden aktuellen Daten nicht kennt oder nicht zur Kenntnis nehmen will, lässt sich nur vermuten. Tatsache ist aber, dass die Argumentation der selbsternannten Waldexperten überholt ist. Hinzu kommt: Der „Waldexperte“ von Greenpeace bezog sich allein auf die Speicherleistung der Wälder (durch Photosynthese und Baumwachstum), während die für den Klimaschutz ebenso wichtigen Faktoren Produkt-Speicherkapazität (Überführung des Kohlenstoffs in Holzprodukte) und Substitution (Ersatz energieintensiver und daher klimaschädlicher Materialien durch Holz) überhaupt nicht erwähnt wurden.
Insgesamt entlasten die bewirtschafteten Wälder Deutschlands die Atmosphäre um jährlich rund 120 Mio. t CO2. Wälder dagegen, die als Nationalparke oder „neue Urwälder“ aus der Nutzung ausscheiden, werden mit dem Eintritt in die Zerfallsphase zur Klimagasquelle.
Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident von AGDW – Die Waldeigentümer, ärgert es sehr, dass die Umweltorganisation ihre ideologischen Strategien mit Zahlen unterfüttert, die stark veraltet sind und zudem nur aus Prognosen stammen: „Wir sind es von Greenpeace gewohnt, dass die Arbeit der deutschen Forstwirtschaft regelmäßig kritisiert wird. Aber die Grenzen seriöser Kritik sind erreicht, wenn in aller Öffentlichkeit vermeintlich wissenschaftlich belegte Zahlenspiele genutzt werden, um die Politik zu beeindrucken und um damit einseitige ideologische Ziele zu erreichen. Die Präsentation von veralteten, in die eigene Gedankenwelt passenden Daten ist bezeichnend und entlarvend zugleich. Wenn sich Greenpeace die wissenschaftliche Forschung zunutze macht, dann muss die Organisation anerkennen, dass die nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland vitale Wälder aufgebaut hat, die gerade auch durch ihre Klimaschutzwirkung einen hohen Wert haben.“
Holznutzung erhöht den Kohlenstoff-Speicher
Der deutsche Wald ist der effektivste Klimaschutz, den wir zur Verfügung haben. Dabei ist der CO2-Senkeneffekt in Verbindung mit nachhaltiger Bewirtschaftung, planvoller Holzernte und verstärkter Holzverwendung noch um vieles höher als lange Zeit angenommen. Bis 2012 wurden bei den Inventuren die stoffliche Nutzung von Holz und ihr Beitrag zur jährlichen CO2-Bilanz nicht berücksichtigt. Dem wird aber mittlerweile Rechnung getragen.
Auch die energetische Nutzung des Holzes trägt ihren Teil bei. Nach ersten Berechnungen des Thünen-Instituts wurden zwischen 2005 und 2009 durch die stoffliche Holzverwendung jährlich 56,7 Mio. t und durch die energetische weitere 30,1 Mio. Tonnen an CO2-Äquivalenten substituiert.
Ideologische Aussagen des Verbands-Umweltschutzes
Zu Guttenberg appelliert: „Objektive wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes für die Bekämpfung des Klimawandels. Umso wichtiger ist es daher, die ideologischen Aussagen des Verbands-Umweltschutzes genau unter die Lupe zu nehmen und auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. Die Veranstaltung von Kiel endet somit in der Gewissheit, dass es kontraproduktiv ist, seinen Weg mit Daten-Leichen zu pflastern.“
AGDW – Die Waldeigentümer

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