Der Nordwesten der USA erlebt derzeit ein beispielloses Tannensterben. Die Ursachen erinnern an die der Borkenkäferkatastrophe in Mitteleuropa in den vergangenen Jahren.
Der Nordwesten der USA erlebt derzeit ein beispielloses Tannensterben. Die Ursachen erinnern an die der Borkenkäferkatastrophe in Mitteleuropa in den vergangenen Jahren.
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Tannensterben im Nordwesten der USA

13. Dezember 2022
Im Jahr 2022 ist eine Rekordzahl an Tannen in den nordwestlichen Staaten der USA Oregon und Washington abgestorben. Als Ursache gilt eine Kombination aus Dürre, Insektenbefall und Pilzkrankheiten. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des US Forest Service hervor.

Diese größte jemals beobachtete Absterbeerscheinung für Tannen in den beiden Bundesstaaten wird von Forschern „Firmageddon“ genannt. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 1.900 Quadratmeilen, umgerechnet knapp 5.000 Quadratkilometer. Oregon ist mit über 4.000 Quadratkilometern am weitaus schwersten betroffen. Die Zahlen haben sich in diesem Jahr gegenüber früheren solcher Absterbephasen verdoppelt.

Kombination von Ursachen

Als Ursache hat der US Forest Service Pacific Northwest eine Kombination aus Dürre in Verbindung mit Insektenbefall und Pilzkrankheiten ausgemacht. Hinzu sei 2022 ein sogenannter „heat dome“ gekommen, also ein ortsfestes Hochdruckgebiet, das heiße Luft über einem Gebiet gefangen hält.

Alles in allem also eine ähnliche Kombination, wie sie in den vergangenen Jahren auch in Teilen Mitteleuropas beobachtet wurde, und die für die massiven Schadholzanfälle der vergangenen Jahre verantwortlich war.

Beispielloses Ausmaß

Eine weitere Parallele: Die betroffene Fläche und die Zahl der abgestorbenen Bäume bezeichnet der US Forst Service als beispiellos seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 1952. In einigen Gebieten seien 50 % der Tannen oder mehr abgestorben.

Betroffen sind vor allem echte Tannen, also Bäume der Gattung Abies, aber auch die Douglasie zeigt laut dem Forest Service gewisse Absterbeerscheinungen. In Oregon sind demnach etwa 700 Quadratmailen (1.200 km2) betroffen, vor allem in Südwesten des Bundesstaates, in Washington ist die betroffene Fläche etwa halb so groß.

Bereits längere Dürrephase

Bislang gehen die Forscher davon aus, dass Trockenheit und Hitze die Bäume anfällig für den Befall mit Insekten und Pilzen machen. Vor allem der Tannensplintkäfer Scolytus ventralis sei beteiligt, sowie eine Reihe von Wurzelpilzen. Durch den Wasserstress kann sich der Baum nicht mehr gegen die Käfer wehren. Die Wurzelpilzkrankheiten verstärken den Effekt der Dürre durch eine Störung der Wasseraufnahme des Baumes.

Laut dem US Drought Monitor leiden Oregon und Washington bereits seit Anfang der 2000er Jahre unter einer Dürre. Die Gebiete, die der Dürremonitor als von „extremer“ und „außergewöhnlicher Dürre“ betroffen definiert, seien diejenigen, in denen auch das größte Tannensterben auftrete, so der US Forest Service.

Waldbrandgefahr steigt

Jetzt befürchten die Forstleute an der ohnehin durch Waldbrände gebeutelten US-Westküste auch in Oregon und Washington eine erhöhte Waldbrandgefahr für die neue Saison. Denn die abgestorbenen Tannen halten ihre Nadeln und das Feinreisig bis zu zwei Jahre lang und böten Futter für katastrophale Kronenfeuer.

Columbia Insight mit Sitz in Hood River, Oregon, ist eine gemeinnützige Nachrichtenseite, die sich auf Umweltprobleme im Columbia River Basin konzentriert.

Quelle: Columbia Insight