Waldschutz

Tannen-Blattläuse: Ein Risiko für die Tanne?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Normalerweise spielen Läuse in der Forstwirtschaft in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Anders sieht es jedoch bei Läusen an der Weißtanne aus. Neben Tannenstammläusen spielen auch Tannen-Blattläuse hier eine große Rolle. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) untersucht deshalb im Rahmen eines Forschungsprojekts die Schadwirkung zweier kaukasischer Tannen-Blattlausarten.

Gerade der Weißtanne kommt im Klimawandel eine bedeutende Rolle im ökologischen Waldumbau zu. Durch die fortschreitende Klimaerwärmung breiten sich jedoch immer mehr Schadinsekten in Deutschland aus. Kommt es zu Massenvermehrungen wärmeliebender Arten, kann der Umbauerfolg schnell auf der Strecke bleiben.

Die Weißtanne bringt günstige Eigenschaften mit, die sie in der heutigen Zeit äußerst attraktiv machen: Ihr Holz ist ebenso vielseitig einsetzbar wie das der Fichte. Eine ausgeprägte Pfahlwurzel stabilisiert den Baum gegen Sturmereignisse und lässt die Erschließung von Wasser aus tieferen Bodenschichten zu, was die Weißtanne auch mit Blick auf anhaltende Dürrephasen bevorteilt. Ökologisch ist sie ebenfalls wertvoll, bietet sie doch einer Vielzahl an spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Doch der Weißtanne droht Gefahr von verschiedenen Schadorganismen: Starker Mistelbefall schwächt den Baum insbesondere in Trockenphasen durch starken Wasserverlust, Insekten wie der Weißtannenrüssler nagen, bohren und saugen an ihren Zukunftsaussichten. Das vermehrte Auftreten solcher Schadorganismen geht auch bei der Weißtanne auf die Auswirkungen des Klimawandels zurück.

Den Tannen-Blattläusen auf der Spur

Und dann waren da noch die Tannenläuse. Insbesondere die Tannen-Blattläuse stehen im Fokus der Forschenden aus Freising. Dr. Andreas Hahn, Leiter der Abteilung Waldschutz an der LWF: „Die Vorkommen eines nur millimetergroßen Insekts auf der Gesamtfläche Bayerns zu erfassen ist alles andere als einfach.“ Neben speziell geschulten Inventurteams und einer fundierten wissenschaftlichen Methodik sei hierfür vor allem die Hilfe örtlicher Waldbewirtschaftender entscheidend. Hahn: „Bei unserer Inventur kooperieren wir eng mit den Bayerischen Staatsforsten. Deren Försterinnen und Förster haben uns wertvolle Hinweise gegeben, wo wir mit unserer Suche ansetzen müssen.“ Aktuell laufe die Auswertung der Stichprobenaufnahmen aus Bayerns Wäldern. Die Forschenden erhoffen sich mit der Untersuchung schließlich folgende Schlüsselfragen beantworten zu können:

  • Wie groß ist die Gefährdung, die von zwei aus dem Kaukasus eingeschleppten Trieblaus-Arten ausgeht?
  • Unter welchen Bedingungen kommen besonders viele Blattläuse vor?
  • Wo sind besonders ernste Schäden zu verzeichnen?

Und vor allem:

  • Was kann bei der Waldbewirtschaftung getan werden, um der Weißtanne zu helfen?

Erste Ergebnisse zum Jahresende erwartet

Erste Antworten aus dem Projekt sollen laut LWF-Angaben um die Jahreswende vorliegen. „Praxisorientierte Forschung und rascher Wissenstransfer zu den Akteuren und Praktikerinnen der Waldbewirtschaftung sind unsere zentralen Aufgaben“, erklärt Dr. Hahn. „Wenn wir die Waldbewirtschaftenden in die Lage versetzen, schnell auf neu auftretende Probleme zu reagieren, können wir die Chancen unserer heimischen Baumarten im Klimawandel verbessern!“

Für die Waldbesitzenden hat die LWF ein Faltblatt erstellt, in dem Biologie und Schadbild der heimischen und fremdländischen Tannenläuse vorgestellt und mögliche Gegenmaßnahmen beschrieben werden. Das Faltblatt steht online zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Mit Material der LWF