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Tagung zur Nadelrohholzversorgung

Tagung zur Nadelrohholzversorgung

Knapp 300 Teilnehmer überwiegend aus der Forst- und Holzbranche diskutierten am 16. April 2015 in Göttingen im Rahmen der Tagung „Sicherung der Nadelrohholzversorgung 2.0“ intensiv und auch kontrovers über die aktuelle und zukünftige wirtschaftliche und waldbauliche Bedeutung des Nadelholzes in Deutschland. Die Tagung wurde durch das Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung e.V. und das 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen – Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe e.V. in Kooperation mit der Plattform Forst & Holz durchgeführt.
Angemessener Nadelholzanteil auch in Zukunft erforderlich
In seinem Grußwort betonte Alois Gerig, MdB und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, dass bei allen auch aufgrund des Klimawandels notwendigen Waldumbauaktivitäten die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Forst-und Holzbranche nicht vernachlässigt werden dürfe. Der Wald und die Forstwirtschaft seien die Basis für ein wettbewerbsfähiges Cluster Forst und Holz. Waldumbau sei aus Gründen der Stabilität und Klimaanpassung notwendig, dabei müssten aber auch produktive Bestände entstehen, wozu ein angemessener Nadelholzanteil auch in Zukunft erforderlich sei. Es sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, am Markt vorbei zu produzieren. Nadelholz sei für die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Cluster Forst und Holz unumgänglich, dennoch appellierte Gerig an alle Rohholzverwender, innovativ zu bleiben und die Forschungsaktivitäten auch im Bereich der Laubholzverwendung zu intensivieren bzw. voranzutreiben.
„Es muss der Forst-und Holzbranche gemeinsam gelingen, auch aus Laubholz zukunftsfähige Produkte herzustellen und am Markt zu etablieren. Ich glaube, dass wir hier noch höhere Kraftanstrengungen unternehmen müssen als bisher“, so Gerig.
Marktpartner müssen Wettbewerbsfähigkeit Branche ausbauen
Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates und zugleich Sprecher der Plattform Forst & Holz, zeigte sich mit dem aktuellen Waldzustand grundsätzlich zufrieden. Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur würden zeigen, dass die Waldbesitzer und Förster in den vergangenen Jahrzehnten hervorragende Arbeit geleistet haben. „Aber wir dürfen uns auf den Erfolgen der Vergangenheit nicht ausruhen, es gibt im Wald weiterhin viel zu tun. Die Ansprüche an die Waldbewirtschaftung steigen. Die Waldbesitzer können die Ertragskraft ihrer Betriebe nur dann nachhaltig sichern, wenn zugleich eine leistungs- und wettbewerbsfähige Holz verarbeitende Industrie in Deutschland ansässig ist“, so Schirmbeck im Rahmen seiner Begrüßung.
Alle Partner im Cluster Forst und Holz müssten sich ihrer Verantwortung für den Forst-und Holzstandort Deutschland bewusst sein. Schirmbeck ergänzte: „Der Wettbewerb hört nicht an unseren Landesgrenzen auf. Alle Marktpartner sind aufgerufen, konstruktiv, offen und fair miteinander umzugehen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Forst-und Holzbranche weiter auszubauen. Unsere Stärken werden sich nur dann positiv auf unsere Wettbewerbsfähigkeit auswirken, wenn wir im Rahmen der Wertschöpfungskette aufeinander abgestimmt agieren.“
Ja zum Waldumbau, aber mit Augenmaß
Insgesamt wurde im Rahmen von neun Fachvorträgen die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Nadelholzes in Deutschland aus der Sicht der Forst- und Holzwirtschaft und des Naturschutzes behandelt. Dabei wurde deutlich, dass in Deutschland rd. 90 % des stofflich (also des nicht energetisch) genutzten Holzes Nadelholz ist, Nadelholz im gesicherten Nachwuchs aktuell jedoch nur noch 23 % einnimmt, dass Nadelholz für die Forstbetriebe gegenüber dem Laubholz rund die dreifachen Deckungsbeiträge je Hektar erbringt und auf absehbare Zeit in den klassischen Verwendungen in der Säge- und Holzwerkstoffindustrie nicht substituiert werden kann. Der Waldumbau wird zwangsläufig zu einer geänderten Baumartenzusammensetzung mit bedeutenden Auswirkungen auf die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Clusters Forst und Holz führen.
„Ja zum Waldumbau, aber mit Augenmaß“, so lautete das Fazit der Plattform Forst & Holz aus der Veranstaltung. Bei aller Notwendigkeit des Waldumbaus müsse die ökonomische Nachhaltigkeit der Betriebe des Clusters Forst und Holz auch in Zukunft gewahrt und verbessert werden. In der nachhaltigen und multifunktionalen Forstwirtschaft müsse und werde das Nadelholz weiterhin eine wichtige Schlüsselposition einnehmen.
Plattform Forst & Holz

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