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Der Wald der Zukunft ist vielfältig: 10 Baumarten auf kleinstem Raum (v.l.): Uwe Schölmerich

Tag des Baumes: Fichte und andere Baumarten im Klimawandel

Im Arboretum Burgholz wachsen neben dem Baum des Jahres zahlreiche Alternativen für die Wälder der Zukunft

Auf der „Menschwald Tour“ hat Wald und Holz NRW zum Tag des Baumes in das Arboretum Burgholz bei Wuppertal eingeladen. Hier wachsen rund 100 verschiedene Laub- und Nadelbaumarten aus aller Welt. Damit ist dies der bedeutendste flächenweise Anbau fremdländischer Baumarten in Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftler von Wald und Holz NRW erforschen hier, wie sich Baumarten aus anderen Regionen der Erde unter den Bedingungen des Klimawandels in NRW entwickeln.
 
Dr. Bertram Leder, Wald und Holz NRW: „Der Klimawandel verändert unsere Wälder schon heute. Auf der Suche nach geeigneten Baumarten für den Wald der Zukunft müssen wir uns als Ergänzung auch fremdländische Baumarten anschauen, die mit dem Klimawandel eventuell besser zurechtkommen, wie unsere bisherigen Waldbäume.“ Douglasie und Küstentanne haben bereits in die Forstwirtschaft Einzug gehalten. Weitere Arten wie Roteiche, Lindenblättrige Birke oder Esskastanie könnten in geeigneten Regionen folgen.
Baum des Jahres 2017
Der Tag des Baumes ist immer auch ein Tag, an dem der Baum des Jahres besondere Beachtung findet. Das ist in diesem Jahr die Gemeine Fichte (Picea abies), die häufigste Baumart in unseren Wäldern. Heute polarisiert die Fichte und steht als Baum der relativ naturfernen Monokulturen oft in der Kritik. Allerdings ist es der genügsamen Fichte zu verdanken, dass viele vor Jahrhunderten völlig entwaldete Landstriche heute wieder Wald sind.
Die Dr. Silvius Wodarz Stiftung schreibt in ihrer Begründung zur Wahl der Fichte als Baum des Jahres 2017: „Die Fichte ist der Symbolbaum für gelungene Wiederbewaldung in Deutschland: Holznot im 18. und 19. Jahrhundert, Reparationshiebe und Wiederaufbau machten die Baumart in der Forstwirtschaft viele Jahre unersetzlich. Reine Fichtenwirtschaft zeichnet sich durch gute Holzerträge aus, jedoch ist das Risiko hoch, große Teile eines Bestandes durch Sturm und Forstschädlinge zu verlieren. Ökologische Folgen von Fichtenreinbeständen sind Versauerung und Nährstoffverlust des Waldbodens.
Die Fichte – Ein Baum mit Geschichte
Als Preußenbaum hat die Fichte erst vor gut 200 Jahren in den Wäldern Nordrhein-Westfalens Fuß gefasst. Spätestens seit dem Orkan Kyrill (2007) wissen wir, dass die Fichte im Klimawandel an vielen Standorten keine Zukunft hat. „Für die Fichte wird es auf den nicht so kühl-feuchten Standorten in den tieferen Lagen in NRW in Zukunft eng. Da brauchen wir als zuwachsstarke Nadelbaumarten künftig weitere Begleiter: Weißtanne, Douglasie und andere Gastbaumarten. Mischbeständen mit heimischen Laubbaumarten gehört die Zukunft“, erklärte Uwe Schölmerich, Leiter im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft.
Dienstleister Waldbaum
Am Tag des Baumes ist es angemessen, einen Blick auf die vielen Leistungen zu werfen, die unsere Waldbäume völlig kostenlos für uns erbringen. Sie sind Luftfilter, Wasserspeicher, Klimaschützer und Lebensraum.
Natürliche Luftfilter. Ein großer Laubbaum, z.B. eine 200-jährige Stiel-Eiche, produziert stündlich etwa 370 Liter Sauerstoff – das sind rund 3 Mio. Liter im Jahr. Die Blattfläche eines solchen Baumes umfasst rund 1.000 Quadratmeter und der Baum filtert jährlich rund 7.000 kg Schadstoffe aus der Luft. Die Blätterdächer spenden im Sommer Schatten und viele Bäume wirken als Filter für Feinstaub, der verstärkt bei Trockenheit auftaucht. Ahorn, Buchen und Kastanien sind gute natürliche Filter.
Wasserspeicher. Ein 20-jähriger Laubbaum verhindert mit seinen Wurzeln den Abfluss von 70.000 Litern Wasser im Jahr. Er speichert das Wasser und dient damit dem Hochwasserschutz. Zudem halten seine Wurzeln rund 50 t Boden zusammen, in dem sich unzählig viele Mikroorganismen, Insekten und Würmer tummeln.
Klimaschützer. Was das Kleinklima betrifft, sind Laubbäume geradezu Alleskönner. Jeder Baum kühlt unmittelbar vor Ort und sofort. Denn Laubbäume verdampfen Wasser und das verbraucht Wärme, die somit die Luft nicht aufheizen kann.
Lebensraum. Nicht nur die Wurzeln eines Baumes bieten Lebensraum für unzählige Organismen, auch in der Rinde, auf den Ästen, in den Hohlräumen, im Laub, der Baumkrone oder dem Baumwipfel leben unterschiedliche Lebewesen, zum Beispiel Algen, Schmetterlinge, Insekten und Vögel.
Internationaler Tag des Baumes
Die Idee für den Tag des Baumes stammt aus dem 19. Jahrhundert. Sie geht auf den Farmer und Journalisten, Julius Sterling Morton, zurück. Er gehörte zu den ersten Siedlern Nebraskas (USA). In der dortigen Landschaft gab es nur wenige Bäume. Sterling Morton begann zunächst erfolgreich sein Grundstück zu bepflanzen. Im Jahre 1872 schlug er vor den „Arbor Day“ einzuführen – einen Feiertag zum Bäume pflanzen. Gleich beim ersten Mal wurden mehr als eine Million Bäume in Nebraska gepflanzt und nach und nach verbreitete sich die Idee.
 
Am 27. November 1951 beschlossen die Vereinten Nationen den Tag des Baumes. Er soll die Bedeutung des Waldes für den Menschen und die Wirtschaft im Bewusstsein halten. Der deutsche „Tag des Baumes“ wurde erstmals am 25. April 1952 begangen. Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesminister Robert Lehr, pflanzten im Bonner Hofgarten einen Ahorn. Der Tag des Baumes 1952 diente der Rückbesinnung auf die Nachhaltigkeit – ein Prinzip, das seit 300 Jahren das Handeln der Forstwirtschaft prägt.
Landesbetrieb Wald und Holz NRW

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