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Tag der Biologischen Vielfalt: Richtige Balance zwischen Ökologie und Ökonomie finden

Tag der Biologischen Vielfalt: Richtige Balance zwischen Ökologie und Ökonomie finden

Der Internationale Tag der Biologischen Vielfalt der Vereinten Nationen am 22. Mai thematisiert in diesem Jahr den Zusammenhang zwischen Biodiversität und nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung.
In Deutschland steht eine Branche wie keine andere für die Verbindung von Artenreichtum und nachhaltiger Nutzung: die multifunktionale nachhaltige Forstwirtschaft. Sie ist die Basis für eine zukunftsfähige ländliche Regionalentwicklung und gleichzeitig sorgt sie für die Erhaltung der Lebensräume zahlloser Organismen.
Ein historisches Musterbeispiel
Deutschland ist inzwischen auf fast einem Drittel seiner Landesfläche wieder bewaldet. In seinen Wäldern steht mehr Holz als sonst irgendwo in Europa. Viele Tierarten, die in den vergangenen 300 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet wurden, siedeln sich in den sorgfältig aufgebauten Wäldern wieder an. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts waren die meisten Wälder in unserem Land entweder gerodet, zerstört oder aber zu kargen Heidelandschaften umgeformt. 150 Jahre Arbeit einer wissenschaftlich fundierten nachhaltigen Forstwirtschaft haben Deutschland seitdem wieder grün gemacht. Und nicht nur das: Auf der Grundlage von gepflegten Wäldern haben sich entlang der Holzverarbeitung umweltfreundliche Industrie- und Handwerksbetriebe entwickelt, die allen strukturarmen ländlichen Regionen Wohlstand und Zukunft bieten.
Auf dieses historische Musterbeispiel einer nachhaltigen wirtschaftlichen Regionalentwicklung auf Basis der heimischen Naturressourcen ist der Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, Philipp Freiherr zu Guttenberg, stolz: „Ökologisch als auch ökonomisch wertvolle Wälder sind ein Ergebnis unserer nachhaltigen Forstwirtschaft. Große Flächen wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte aufgeforstet und dank des waldbaulichen Know-hows der Waldeigentümer und Förster in die Balance der Bedürfnisse von Mensch und Natur gebracht. Gerade durch die für Deutschland typische Familienforstwirtschaft entstanden Wälder, die gleichzeitig den Reichtum der Arten und das Wohlergehen der Menschen sichern.“
Klimawandel gefährdet die Biodiversität
Neben der ökologischen und ökonomischen Bedeutung unserer Wälder kommt aber auch noch eine andere wichtige Ökosystemleistung des Waldes hinzu: als Kohlenstoffsenker und damit als wirksamstes „Instrument“ zur Abmilderung des unaufhaltsamen Klimawandels. Doch der effiziente „grüne Speicher“ der klimaschädlichen Gase ist selbst bedroht: Durch die klimatischen Veränderungen nehmen auch für ihn Gefahren wie Stürme und Trockenheit zu. Um die Stabilität der Wälder aufrecht zu erhalten, müssen daher vermehrt klimaresistente Baumarten in unseren Wäldern angepflanzt werden, die mit den ansteigenden Temperaturen, der erhöhten Luftfeuchtigkeit und häufigeren Trockenperioden gut zurechtkommen. Die vom Naturschutz als „fremdländisch“ gebrandmarkten Arten wie die Douglasie oder die Küstentanne bereichern das Artenspektrum, ohne, wie wissenschaftlich erwiesen, heimische Arten dabei zu verdrängen.
Waldstilllegungen sind kontraproduktiv
Hinzu kommt eine weitere Bedrohung: Die Einschränkung der Bewirtschaftung in Schutzgebieten und Flächenstilllegungen. Drei Viertel aller Wälder weisen bereits einen Schutzstatus aus. Aufgrund des verbandlichen und behördlichen Naturschutzes sind in den vergangenen Jahren auch diverse Nationalparks ausgewiesen worden. In deren Kernzonen ist jegliche wirtschaftliche Nutzung untersagt. Diese stillgelegten Wälder sollen sich durch natürliche Sukzession zu Urwäldern zurückentwickeln. Klingt romantisch, ist aber für die Klimaschutzfunktion und den Artenreichtum des Waldes kontraproduktiv. Diverse Studien konnten belegen, dass Wirtschaftswälder, in denen die natürliche Sukzession durch den Menschen immer wieder neu angestoßen wird, sowohl eine größere Artenvielfalt besitzen (aufgrund der Auflockerung des Waldbestandes und damit der Schaffung von Lebensräumen für licht- und wärmeliebende Arten) als auch einen größeren Klimaschutzeffekt erzielen als ungenutzte Wälder, in denen die alten und absterbenden Bäume keinen weiteren Kohlenstoff mehr aufnehmen können. Hinzu kommt: Die an Wirtschaftswälder „angeschlossene“ Holzindustrie in den ländlichen Regionen stellt Holzprodukte her, in denen der gespeicherte Kohlenstoff der geernteten Waldbäume weiter gebunden ist. Die Substitution im Rahmen der industriellen Holzverwendung – also Holz anstelle nicht-nachhaltiger Stoffe wie Beton oder Stahl – tut ein Übriges, um einen wertvollen und unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Eine Stilllegung der Wälder und der sich damit ergebende Nutzungsverzicht stellen aus klima-, naturschutzfachlichen und regionalwirtschaftlichen Gründen keine sinnvolle Option dar. Es stellt sich hier die Frage, warum der Gesellschaft dieser Schaden zugefügt wird? Hingegen bietet eine nachhaltige und multifunktionale Forstwirtschaft die beste Möglichkeit, alle diese wichtigen gesellschaftlichen Ziele zu erreichen.
AGDW – Die Waldeigentümer

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