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Sicherheitsfälltechnik in der Kritik

Im Januar 2017 führte die Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) neue Durchführungsanweisungen zu den Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz Forsten (VSG 4.3) ein. Darin legt sie die sogenannte Sicherheitsfälltechnik als Regelfälltechnik fest. Ihre Kennzeichen sind das Sicherheitsband und ein Fällschnitt, der als Stechschnitt ausgeführt wird (https://kurzlink.de/svlfg). Die Durchführungsanweisungen schließen andere sichere Arbeitstechniken nach Auskunft der SVLFG ausdrücklich nicht aus. Wer sich aber an die neuen fachlichen Empfehlungen halte, der sei immer auf der sicheren Seite.

Verunsicherung in der Branche

Der Begriff Regelfälltechnik hat indes zu einiger Verunsicherung geführt. Die Praktiker fragen sich, ob sie ihre gewohnten Fälltechniken überhaupt noch anwenden dürfen. Forstunternehmer berichten, dass die Auditoren es bei Kontrollen bemängeln, wenn die Sicherheitsfälltechnik nicht verwendet wird. Selbst ein Fachmann wie der Sicherheitsbeauftragte von Wald und Holz NRW, Dirk Brodersen, äußert Kritik. Auf der Gesamtvorstandsitzung des Deutschen Forstunternehmer-Verbandes (DFUV) im November 2017 in Arnsberg bezeichnete er die Durchführungsanweisung als eine „unausgegorene Angelegenheit“, die relativiert werden müsse. Die Sicherheitsfälltechnik sei in bestimmen Situationen schon lange zwingend vorgegeben. In den übrigen Fällen könnten die Bäume mit anderen bewährten Techniken aber ebenso sicher zu Fall gebracht werden. Er weist zudem darauf hin, dass der Stechschnitt zu einer höheren ergonomischen Belastung führt. Brodersen befürchtet, dass Gerichte die neue Regelfälltechnik als „Stand der Technik“ einstufen könnten. Dann müsste man im Falle eines Falles nachweisen, dass die verwendete alternative Technik fachlich gleichwertig war.

DGUV und DFUV stimmem dem bei

Die für den öffentlichen Waldbesitz zuständige Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) pflichtet dem bei und wird das Anfang 2018 in einem Positionspapier entsprechend formulieren. Wichtig sei in erster Linie, dass ein Baum sicher zu Fall gebracht wird.

Der DFUV kritisiert die neue Durchführungsverordnung ebenfalls. Aus Sicht des Vorsitzenden Dr. Michael Sachse war sie ein „absoluter Alleingang“ der SVLFG. Der DFUV sei, wie auch andere Fachverbände, am Abstimmungsverfahren nicht beteiligt worden.

 

Oliver Gabriel

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