Windwurffläche in Hochlage
So wie hier im Forstamt Melsungen sind in ganz Hessen vereinzelte Nadelbäume durch die Stürme „Ylenia“ und „Zeynep“ umgeworfen worden.
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Sturmschäden in Deutschlands Wäldern: Dieser Trend zeichnet sich ab

24. Februar 2022

Nach den Sturmtiefs „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“ geben mit Berlin, Brandenburg, Thüringen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg die nächsten Bundesländer erste Einschätzung zu den Ausmaßen der Sturmschäden in ihren Wäldern bekannt. Allmählich zeichnet sich ein Trend ab.

(Zuletzt geändert am: 25.02.2022)

Nachdem wir bereits am Anfang der Woche über die Sturmschäden im Nordosten und im Westen Deutschlands berichtet haben, gibt es nun auch vorläufige Einschätzungen aus der Mitte sowie aus dem Süden der Bundesrepublik. Aus den Angaben ergibt sich langsam ein Trend. So fallen die Sturmschäden im Süden Deutschlands, namentlich in Bayern und Baden-Württemberg, vergleichsweise gering aus, während aus dem Norden und Osten, v. a. aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen, größere Mengen Sturmholz gemeldet werden.

Ausmaß der Sturmschäden in Süddeutschland

Übersichtskarte über das Ausmaß der Orkanschäden in Bayerns Wäldern
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Die für Bayern zuständige Forstministerin, Michaela Kaniber, erklärte, dass die Orkantiefs des vergangenen Wochenendes in den Wäldern im Freistaat nur geringe Schäden angerichtet hätten. In erster Linie habe es Einzel- und Gruppenwürfe gegeben. Eine Ausnahme bilden die Bestände in den Hochlagen und Mittelgebirgen. Hier haben die Sürme deutliche Spuren hinterlassen, heißt es aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) weiter. Die Schwerpunkte hinsichtlich der Schäden lagen v. a. im Nordosten Bayerns, namentlich in den Landkreisen Hof, Wunsiedel, Tirschenreuth, Kronach und teilweise im Landkreis Rhön-Grabfeld. Insgesamt sprach Ministerin Kaniber – ohne genauere Zahlen zu nennen – von nur geringen Schadholzmengen, sodass keine Holzmarktstörungen in Bayern zu erwarten seien.

Auch aus Baden-Württemberg werden nur geringe Schäden gemeldet. So erklärte ein Sprecher von ForstBW gegenüber forstpraxis.de (Stand: 24.02.22), dass erste Schätzungen für den Staatswald in BW eine ungefähre Sturmholzmenge von 44.000 Fm ergeben hätten. Durch die noch fehlenden Angaben aus dem Privatwald ist dieser Wert natürlich noch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, dennoch zeichnet sich auch im Südwesten eine vergleichsweise glimpfliche Schadsituation ab.

Wie sieht die Schadsituation in der Mitte Deutschlands aus?

In der Mitte Deutschlands stellt sich die Situation etwas differenzierter dar. So meldet HessenForst nach ersten Einschätzungen überschaubare Schadausmaße. Wie eine Sprecherin erklärte, wurden in Hessen landesweit etwa 100.000 Bäume durch die Stürme geworfen. Dies betreffe in erster Linie Nadelbäume.

ThüringenForst meldet höhere Schadholzmengen. So belaufe sich das geworfenen Sturmholz über alle Besitzarten in Thüringen ersten Einschätzungen zufolge auf rund 411.000 Fm (zum Vergleich: „Friederike“ verursachte im Januar 2018 ca. 500.000 Fm; „Kyrill“ hat im Januar 2007 etwa 3,5 Mio. Fm geworfen). Nach Angaben von ThüringenForst entfallen 60 % der Sturmschäden allein auf den Privatwald. Der Schadensschwerpunkt liege dabei im Osten des Freistaats. So wurden die höchsten Schadholzmengen aus den Forstämtern Schleiz, Neustadt, Jena-Holzland, Gehren, Finsterbergen, Schmalkalden sowie aus dem Forstamt Bleicherode-Südharz gemeldet. Überwiegend wird von Einzel- und Nesterwürfen sowie von kleinflächigen Schäden berichtet.

In Thüringen sind auch viele jagdliche Einrichtungen durch die Stürme beschädigt oder zerstört worden.
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Brandenburg meldet erhebliche Sturmschäden

Der Landesforstbetrieb Brandeburg schätzt die Sturmschäden im Landeswald aktuell auf ca. 130.000 Fm. Die größten Schadholzmengen meldeten demnach die Landeswaldoberförstereien Alt Ruppin und Belzig mit jeweils 25.000 Fm. Wie der Landesbetrieb weiter mitteilt, kommen aus dem Privatwald nach momentanen Einschätzungen noch einmal rund 300.000 Fm Schadholz hinzu. Hier liege der Schwerpunkt mit 80.000 Fm im Bereich Potsdam-Mittelmark. Insgesamt ergibt sich für Brandenburg aus diesen ersten Einschätzungen somit eine vorläufige Schadholzmenge von ungefähr 430.000 Fm.

10.000 Fm fallen in Berlin

Für Berlin ergibt ein erster Überblick eine ungefähre Schadholzmenge von 10.000 Fm. Die Schäden verteilen sich dabei laut Aussage der Berliner Forsten nahezu gleichmäßig über die vier Stadtforstämter Tegel, Pankow, Grunewald und Köpenick. Es kam demnach vor allem zu Einzel- und kleineren Gruppenwürfen. Betroffen seien vor allem Nadelbäume wie Fichten und Kiefern, da diese immergrünen Baumarten dem Wind eine größere Angriffsfläche bieten, als die aktuell noch kahlen Laubbäume. Leichtere Schäden habe es aber auch in Laubholzbeständen gegegeben, heißt es in der Mitteilung weiter. Auffällig sei auch der hohe Anteil an durch die vergangenen Trockenjahre stark vorgeschädigten Bäumen am Schadgeschehen.

Weiterhin ist Vorsicht geboten!

Die Landesforstbetriebe sind im Augenblick dabei, die Sturmschäden aufzuarbeiten, auch mit Blick auf die bevorstehende Borkenkäfersaison. Die Arbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb bitten die Forstbetriebe und Waldbesitzenden auch weiterhin darum, in der nächsten Zeit möglichst auf Waldbesuche zu verzichten und sich vor allem an die Absperrungen zu halten. Durch umstürzende Bäume und herabfallende Baumteile besteht auch weiterhin Lebensgefahr.

Mit Material von LFB Brandenburg, ForstBW, StMELF, HessenForst, ThüringenForst