Holzindustrie, -verbände

Stützenfreie Großhalle mit BauBuche-Fachwerkträgern

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Innerhalb weniger Jahre hat die Schweizer Pilatus Flugzeugwerke AG in Buochs zwei Werkshallen mit Dachkonstruktionen aus Holz bauen lassen. Die erste ist 120 m lang, die zweit mit 200 m sogar noch 80 m länger. Dennoch ist sie komplett stützenfrei. Möglich machen das Fachwerkträger aus BauBuche, die dort zum Einsatz kommen, wo besonders große Lasten aufzunehmen sind.

Nachdem 2017 die erste Halle in Betrieb genommen wurde, folgte 2019 die zweite, noch größere Halle. Ihr äußeres Erscheinungsbild ähnelt sich und ist der Form eines Flugzeugflügels nachempfunden. Das Tragwerk beider Hallen ist aus Holz. Denn als innovatives Unternehmen mit zertifiziertem Umweltmanagementsystem ISO 14001 sah man sich geradezu verpflichtet, auch bei der zweiten Halle Holz zu verwenden.

10.000 m2 stützenfrei

Fichten- und Tannenholz kam ebenso zum Einsatz wie Buchenholz bzw. zu hochtragfähiger BauBuche verarbeitetes Buchenholz. Beide Holzarten sollten zudem aus der Schweiz kommen. Auf BauBuche setzten die Planer vor allem deshalb, weil die etwa 10.000 m2 große Produktionsfläche (52 m x 193 m) der 69 m breiten und 17 m hohen Halle stützenfrei bleiben sollte, mit dem Ziel, die gesamte Montagefläche mit einer Krananlage zu bedienen und so einen effizienten Materialfluss sicherzustellen. Entsprechend hohe Lasten hatte die hierfür entwickelte Dachkonstruktion aus Haupt- und Nebentragwerk aufzunehmen.

Bis zu 90 t schwere Binder

Sechs mit Stahlzugbändern unterspannte Brettschichtholz-Bogenbinder im Abstand von 34,50 m bilden dabei das Haupttragwerk. Die bis zu 90 t schweren Binder überbrücken die gesamte Breite der Produktionshalle. Ihre Enden ruhen auf den Köpfen der eingespannten Stahlbetonstützen in Außenwandebene sowie in den Auflagertaschen der Stahlbeton-Längswand, die den Produktionsbereich vom dahinter liegenden Bürotrakt trennt. Die Bogenbinder wurden in je zwei Teilen angeliefert, vor Ort zusammengesetzt und als Ganzes montiert.

Senkrecht dazu, also in Hallenlängsrichtung, spannen 4,50 m hohe Fachwerkträger aus BauBuche. In Ebene der Gebäude-Außenwand sind sie in 34 m lange Einzel-Fachwerke unterteilt, das heißt jeder Teil ist als Einfeldträger zwischen die eingespannten Stahlbetonstützen eingehängt. Im Hallenmittelfeld dagegen sind die Fachwerke als Durchlaufträger ausgebildet. Die 34 m langen, vorgefertigten Fachwerk-Teile hat man zwischen die unterspannten Bogenbinder gehängt.

Filigrane Fachwerkträger

Durch die hohe Tragfähigkeit von BauBuche fielen die Fachwerke recht filigran aus: Die Gurte der mittleren Fachwerkträger haben Unter- und Obergurt-Querschnitte von 42 cm x 40 cm, die Fachwerke in Außenwandebene von 32 cm x 36 cm. Der Querschnitt der Streben variiert je nach Last zwischen 24 cm x 24 cm und 36 cm x 36 cm. Darüber sind Tertiär-Bogenbinder mit dazwischenliegenden Dachrippen in einem Abstand von 4,30 m auf die Fachwerke aufgelegt. Eine OSB-Platte steift die Konstruktion aus.

Neben den Dachlasten trägt die Konstruktion einen für fünf Tonnen zugelassenen Kran, der an insgesamt vier Kranbahnen hängt. Verglichen mit den hohen Schneelasten stellten die Kranlasten bei der Konstruktion der Halle jedoch ein untergeordnetes Problem dar.

Über 3.000 m3 Holz

Die Strüby Konzept AG aus Seewen zeichnete als Gesamtleistungsanbieter (Totalunternehmerin) für die Realisierung der Halle S verantwortlich. In ihrem Auftrag fertigte die neue Holzbau AG n’H Lungern die bis zu 34 m langen Teile der BauBuche-Fachwerkträger mit einem Gewicht von bis zu 16 Tonnen. Die Montage wiederum erledigte das Strüby-Holzbauteam.

Für den Bau der imposanten Halle wurden 2.920 m3 Fichten-/Tannen Holz, 270 m3 BauBuche, 27.000 m2 Holzwerkstoffplatten und 135 t Stahlseile benötigt.

Pollmeier/Red.