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Prof. Dr. Jörg Müller, Nationalpark Bayerischer Wald, zu den Möglichkeiten und Grenzen der natürlichen Waldentwicklung

DFWR zur Studie „Natürliche Waldentwicklung“

Eine Studie belegt, dass sich 2,8 % der deutschen Waldfäche in natürlicher Entwicklung befinden. Das zeigte eine am 4. April in Berlin veröffentlichte Untersuchung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA). Der DFWR nahm dazu Stellung.

Die Bundesregierung formulierte in ihrer Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt für den Lebensraum Wald das Ziel, dass bis 2020 der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung (NWE) 5 % der Waldfläche betragen soll. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Georg Schirmbeck, äußerte sich zu der Studie der NW-FVA: „Die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderte Studie zeigt auf, dass die gesteckten Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie nur in Zusammenarbeit mit der deutschen Forstwirtschaft und den Waldbesitzenden erreicht werden können.“

Schirmbeck mahnte in diesem Zusammenhang auch an, den Respekt im Umgang mit den Waldbesitzenden und Forstleuten zu wahren. Es bedarf für den Naturschutz im Wald mehr Verlässlichkeit in die politischen Rahmenbedingungen und Akteure. „Dazu gehört auch, dass gegenüber der Forstwirtschaft getroffene Zusagen zu NWE-Kulisse und Wildnisgebieten eingehalten werden“, betonte der DFWR-Präsident.

Versachlichung der Diskussion

Schirmbeck riet auch zur Versachlichung der Diskussion. „Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als hätten wir nicht genug für die natürliche Waldentwicklung getan. Das greift eindeutig zu kurz, weil Naturschutz im Wald grundsätzlicher Bestandteil integrativer Waldbewirtschaftung ist. In der Studie selbst stehen jedoch nur Flächen im Fokus, die rechtsverbindlich und damit dauerhaft vor menschlicher Nutzung gesichert sind“, sagte Schirmbeck.

Die Studie habe aber auch gezeigt, dass es weitere potenzielle Flächen gibt, die bis auf den fehlenden formalen Schutzstatus die Eigenschaften einer NWE-Fläche hätten, beispielsweise an unzugänglichen Steilhängen. Schirmbeck: „Auch diese Wälder sind wertvoll und leisten einen wichtigen Beitrag für die Biodiversität, den wir in der Betrachtung nicht ausblenden dürfen.“ Jetzt komme es darauf an, den Waldbesitzenden Angebote auf Augenhöhe zu machen und finanzielle Anreize zu schaffen, um auch kleinere Flächen für die Erhaltung der Artenvielfalt zu sichern.

Weitere Infos

Natürliche Waldentwicklung in Deutschland: Perspektiven und Potenziale für die Entwicklung eines kohärenten NWE-Systems (NWePP). In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesrepublik Deutschland wird bis zum Jahr 2020 eine NWE auf 5 % der gesamten Waldfläche bzw. 10 % der öffentlichen Wälder angestrebt. Zur Versachlichung der Diskussion wurde 2013 in einem ersten Projekt (NWE5) eine belastbare Bilanz der bundesweiten NWE-Flächen sowie eine naturschutzfachliche und ökonomische Bewertung erarbeitet. Seit 2016 wird das Folgeprojekt NWePP vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) an der NW-FVA durchgeführt. Die Projektergebnisse beinhalten eine aktualisierte Bilanz der bundesweiten Flächen zur natürlichen Waldentwicklung sowie eine Analyse der Potenziale und Perspektiven für ihre quantitative und qualitative Weiterentwicklung.

DFWR

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