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Strom aus Holz: Grenze der Nachhaltigkeit erreicht?

Strom aus Holz: Grenze der Nachhaltigkeit erreicht?

Die aktuelle Diskussion um die Waldstrategie 2020 fasst der von der Bundesregierung berufene Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem Fokus auf die energetische Nutzung von Holz in einer Medienmitteilung zusammen:

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner geplante Waldstrategie für das Jahr 2020 steht unter Beschuss der fünf großen deutschen Umweltschutzverbände DNR, BUND, Greenpeace, NABU und WWF. Die Bundesregierung strebt mit der Strategie nach eigenen Angaben eine „tragfähige Balance zwischen den steigenden gesellschaftlichen Ansprüchen an den Wald und seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit“ an. Nach Einschätzung der Umweltverbände kann davon in dem derzeitigen Entwurf aber keine Rede sein. Er degradiere den Wald im Gegenteil zum „reinen Rohstofflager“ und sei auf „maximale Holzerzeugung ausgelegt“. Klima- und Naturschutz spielten keine Rolle. Ihre Kritik haben die Verbände Ende Januar in einem Zehn-Punkte-Papier zusammengefasst, in dem sie unter anderem fordern, weniger Holz für die Stromgewinnung zu verbrennen. Vertreter der Bioenergie-Branche und Forscher aus dem Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums glauben nicht, dass dem Wald damit geholfen wäre. Ohnehin würde in Deutschland kaum ein Baum für Strom gefällt, sagen sie.

Johannes Enssle, Waldexperte beim NABU, hat dagegen in den vergangenen Jahren „einen regelrechten Run“ auf den Brennstoff Holz beobachtet. Und ein wesentlicher Grund dafür sei die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebene Einspeisevergütung für Strom aus Holz. Durch diese Subventionierung, so Enssle, sei „immer mehr Holz immer schneller verheizt“ worden. Nachhaltigere Nutzungsformen – die stoffliche Verwertung in Möbeln etwa – hätten das Nachsehen gehabt. Problematisch sei das wegen der begrenzten Waldfläche in Deutschland und aus Gründen des Klimaschutzes, denn das im Holz gespeicherte CO2 werde bei der Verbrennung wieder freigesetzt. In Ansätzen, so Enssle, greife die Waldstrategie den von den Umweltverbänden geforderten Vorrang der stofflichen vor der energetischen Holzverwertung zwar auf. „Die Bundesregierung sagt aber nicht, wie sie das durchsetzen will“. Enssle plädiert für ein Ende der EEG-Vergütung für Energie aus Holz und eine Umschichtung der Gelder in die Erforschung effizienterer Energietechnologien.

Bernd Geisen, Geschäftsführer des Bundesverbands BioEnergie, sagt indes, zur Strom- und Wärmeproduktion würden „überwiegend“ solche Hölzer verfeuert, die sich nicht mehr stofflich nutzen ließen, Alt- oder Waldrestholz zum Beispiel. „Für Strom und Wärme wird in Deutschland kein Wald gerodet“, so Geisen. Die Förderung der Holzverstromung durch das EEG trage sogar dazu bei, dass die hiesigen Wälder besser gepflegt werden. „Das EEG gibt Forstwirten einen ökonomischen Anreiz zur Waldbewirtschaftung“, so der Volkswirt. Sie könnten jetzt wählen, ob sie ihre Hölzer zur stofflichen oder energetischen Verwertung verkaufen und auf diesem neuen Markt angemessene Preise erzielen. Das nachwachsende Potenzial von Holz als Energieträger sei in Deutschland „gegenwärtig noch nicht ausgeschöpft“. Möglich seien auch noch Aufforstungen mit schnell wachsenden Baumarten auf freigewordenen Agrarflächen, sogenannte Kurzumtriebsplantagen. Mittelfristig eigneten sich dafür Studien zufolge bundesweit bis zu 500000 ha, sagt Geisen. Derzeit würden erst 3000 ha genutzt.

Daniela Thrän, Umwelt-Ingenieurin und Bereichsleiterin Bioenergiesysteme beim Deutschen BiomasseForschungsZentrum in Leipzig, beobachtet wie NABU-Experte Enssle einen „zunehmenden Druck auf die Wälder“. Ursache der zunehmenden Holznutzung ist ihr zufolge nicht die EEG-Förderung, sondern der steigende Ölpreis, durch den Holzheizungen eine Renaissance erlebt hätten. „Aus Holz erzeugte Wärme vergütet das EEG nicht“, so Thrän. Nach ihrer Einschätzung kann die Holzverstromung aus heimischen Rohstoffen in Deutschland noch „um die Hälfte zulegen, ohne an Nachhaltigkeitsgrenzen zu stoßen“. Voraussetzung sei allerdings ein stärkerer Rückgriff auf Landschaftspflegeholz und auf Hölzer von Kurzumtriebsplantagen. Die CO2-Bilanz von Strom, der mit Holz von diesen Plantagen produziert wurde, sei „im besten Fall besser als die von Energie aus Mais oder Raps“, da sie mit einem geringeren Energieeinsatz groß gezogen werden könnten. Ein EEG, das die stärkere Nutzung von Restholz und Kurzumtriebsplantagen fördert, fände Thrän „unter Nachhaltigkeitsaspekten sehr richtig“.

Rat für Nachhaltige Entwicklung

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