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Stress in Österreichs Wald: Boden zu trocken

Stress in Österreichs Wald: Boden zu trocken

Die Witterung im Winter 2011/12 verlief in vielen Regionen Österreichs alles andere als normal: Waren der Dezember und Jänner deutlich zu warm, machte eine extreme Kältewelle, die länger als zwei Wochen andauerte, den Februar 2012 zum kältesten Februar seit 1986¹. Genauso ungewöhnlich war auch der Niederschlagsverlauf: Regionen nördlich des Alpenhauptkammes bekamen sehr viel Niederschlag ab. In weiten Teilen Kärntens, der Südsteiermark und des Burgenlandes und zum Teil auch in Niederösterreich blieb es dagegen sehr trocken. Laut Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gab es in diesen Gebieten nur 20 bis 40 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen.
Nicht nur an der Oberfläche
Die regional seit Oktober des vergangenen Jahres anhaltende Trockenheit führte zur ungewöhnlichen Situation, dass der Waldboden zu Beginn der Vegetationsperiode schon sehr stark ausgetrocknet war. Das belegen unter anderem auch Bodenfeuchtemessungen, die das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) im Commendewald nahe Fürstenfeld seit mehr als zehn Jahren durchführt. „Noch nie seit Beginn der Messung war der Boden im April so trocken wie heuer. Dies trifft auf alle erfassten Bodentiefen zu. Der Waldboden war also nicht nur oberflächlich ausgetrocknet“, berichtet Mag. Karl Gartner, verantwortlicher Meteorologe am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).
Fichten sind besonders gefährdet
Niederschlagsarme Wintermonate wie der vergangene Dezember oder Jänner oder der besonders warme März führten zur Austrocknung des Bodens unter den Nadelbäumen. An sonnigen Wintertagen transpirieren Nadelbäume und verbrauchen damit zusätzlich Wasser. Laubbäume sind davon nicht betroffen, da ihnen zu dieser Jahreszeit das Laub fehlt. Damit war der Boden im Frühjahr bei Fürstenfeld unter den Fichten noch trockener als unter den Laubbäumen.
Die Fichte ist gegenüber den Laubbaumarten doppelt benachteiligt: Sie verbraucht während milder und trockener Wintermonate zusätzlich Wasser und kann als Flachwurzler gegenüber den zumeist tiefer wurzelnden Laubbäumen einen geringeren Teil des verfügbaren Bodenwassers nutzen.
„Dieser ungewöhnliche Winter zeigt deutlich, dass es bei der Fichte ein erhebliches waldbauliches Risiko gibt, und zwar besonders im Flach- und Hügelland in Hinblick auf ein zu erwartendes wärmeres Klima“, resümiert Karl Gartner vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).
Abhängig vom weiteren Witterungsverlauf kann sich das Fehlen der Winterfeuchte auf die Wasserversorgung der Wälder in den betroffenen Gebieten während der Sommermonate mehr oder weniger stark auswirken. „Falls in dieser Zeit keine größeren Niederschlagsmengen fallen, könnte sich im Laufe des Sommers vor allem auf seichtgründigeren Standorten Wassermangel einstellen, der zu einer größeren Anfälligkeit für Schädlingsbefall, verringertem Wachstum oder sogar vorzeitigem Blattfall führen kann“, gibt der für die Messungen verantwortliche Meteorologe Karl Gartner abschließend zu bedenken.
¹ Quelle: Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
 
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