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Lastenheft erfüllt: Mit 18 m langen Stämmen hält der neue Langholzzug die Gesamtlänge von 18,75 plus 3 m ein

Strenge Vorgaben

Die Vorgaben sind für deutsche Holztransporteure erstaunlich. Der Kunde im Elsass forderte einen extrem leichten Sechsachs-Langholzzug, kompakte Maße für eine optimierte Gesamtlänge sowie für 57 t Zuggesamtgewicht. Haas Fahrzeugtechnik aus
Schutterwald hat die Aufgabe gelöst.

Die Firma Siat-Braun (www.siatbraun.fr) in Urmatt im Vogesental der Bruche geht auf eine 1818 gegründeten Säge zurück. Heute ist der Elsässer Familienbetrieb mit über 300 Beschäftigten in Frankreich der größte seiner Branche. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren annähernd 60 Mio. € investiert und entlädt täglich bis zu 100 Langholzzüge mit Nadelholz aus den Vogesen, Lothringen und angrenzenden Gebieten. Siat-Braun hat drei Standorte im Département Bas Rhin (Urmatt, Heiligenberg, Niederhaslach) und beliefert fast ausschließlich Kunden innerhalb Frankreichs.

Das Unternehmen betreibt zwei eigene Langholzzüge, beauftragt aber vor allem Fremdunternehmen für seine Rundholz- und Schnittholztransporte. Im Frühjahr vergab Siat-Braun den Auftrag für einen neuen Langholzzug. Haas Fahrzeugtechnik in Schutterwald bei Oppenau hat sich zusammen mit seinem Exklusiv-Verteter für mehrere europäische Länder, dem Seilwinden-Hersteller HPC, an der Ausschreibung beteiligt – und den Auftrag erhalten.

Das Lastenheft

Gefordert hat das Sägewerk einen voll ausgerüsteten und betankten Langholzzug von unter 21 t Gesamtgewicht. Dabei war eine Ausnahmegenehmigung zu berücksichtigen, die Rundholzfahrzeuge in zahlreichen Départements erfüllen müssen: Die erlaubt für sechsachsige Züge 57 t Zuggesamtgewicht. Allerdings gibt es eine Längenbeschränkung auf 18,75 m plus 3 m Überhang bei der Beladung mit Stämmen. Da bleiben bei der üblichen Stammlänge für Fahrerhaus und Langholzaufbau samt Kran nur knappe 3,75 m.

Haas hat für den von Siat-Braun georderten Mercedes Arocs 3363 6×4 einen Aufbau mit dem 24 mt-Kran Loglift 251S umgesetzt. Der Lkw hat einen 15,2-l-Motor mit 625 PS und einem Höchstdrehmoment von 3 000 Nm (1 000 bis 1 500 U/min). Die Typenbezeichnung 3363 kommt für den 6×4 aufgrund der in Frankreich zulässigen Last von 13 t je Antriebsachse zustande. Siat-Braun hat die extrem belastbare Turbokupplung gewählt, die das schonende Anfahren auch unter schwersten Bedingungen wie weichen Forststraßen oder starken Steigungen ermöglicht. Das lange Fernverkehrshaus hat einen Kraneinschnitt von Bickel. Mit seinen 2,3 m Länge hat es dem Aufbauer nur 145 cm Platz für den Fahrerhausschutz, einen Werkzeugasten und dahinter den Kran gelassen, um die Kundenanforderung einzuhalten. Der Hilfsrahmen ist aus Feinkornstahl gefertigt und mit der Krankonsole versehen. Der Kraftstofftank mit eingelassenen Trittstufen ist links, der Öltank und Ölkühler sind rechts am Rahmen montiert.

Haas bietet eigene Rungenschemel in Feinkornstahl an. In Frankreich werden sie jedoch meist mit runden Rungen verlangt. Haas hat also mechanisch einfach teleskopierbare runde Rungen verwendet. Auch die Lafetten-Abstützungen entsprechen französischen Wünschen. Sie verleihen dem Zug eine hohe Standfestigkeit, erfordern aber mehr Platz.

Leichter Selbstlenker

Der Selbstlenker ist 4 850 mm lang. Er hat drei luftgefederte BPW-Achsen (12 t) mit Scheibenbremsen und Alcoa-Alufelgen (Reifengröße 315/80 R 22,5). Die Hydrauliklenkung hat zwei doppelt wirkende Zylinder mit zwei unabhängigen Lenkkreisen. Der Selbstlenker hat bei der technischen Abnahme voll ausgerüstet 4 900 kg auf die Waage gebracht, der gesamte Zug 20 860 kg vollgetankt.

Forst & Technik hat die „Jungfernfahrt“ des Gespanns in den Vogesen am „Col du Hans“ verfolgt. Chauffeur Anthony Rabah-Otmani kam mit dem neuen Zug sofort zurecht: „Alles ist sorgfältig gearbeitet. Die Steuerung arbeitet sehr genau. Die Staukästen und Aufstiege passen, und trotz knappem Abstand vom Kran zum Kabinenschutz kannst du mit dem Kran ungestört arbeiten.“ Auf etwa 800 m angekommen, setzt sich der seit Jahren bei Siat-Braun tätige Profi auf den Kransitz, fährt die Lafetten aus und hebt dem Kranarm. Mit dem Greifer packte er den Selbstlenker und setzt ihn hinter den Lkw. Mit dem ersten Stamm schiebt er den Dreiachser auf Maß und beginnt die Beladung. Die Stämme lagern an verschiedenen Stellen.

Einmal beladen und gesichert, beginnt die „Stunde der Wahrheit“. Wie fährt sich der 57 t schwere Zug? Das Gewicht hat Anthony dank der Wiegeeinrichtung schon während der Beladung im Blick gehabt. Auf der kurvenreichen Passstraße fährt er zügig bergab, als wenn er den Zug schon lange steuerte. Vom hinter ihm fahrenden Pkw aus erkennt man wie stabil der Zug in Ortschaften und Kreisverkehren auf der Straße liegt und der Selbstlenker der Spur des Lkw folgt.

Bei der Ankunft im Sägewerk wird Chauffeur Anthony schon erwartet. Die Generaldirektoren der Siat SAS Holding, Marc und Paul Siat, sowie Mitglieder der Technik- und Logistikabteilungen stehen bereit und beginnen sofort die Abmessungen des Stämme sowie die Gesamtlänge des Zuges zu kontrollieren. Die Brüder Marc, Paul und Philippe Siat, Beschäftigte des Sägwerks sowie einige anwesende Transporteure umringen den Zug. Philippe Siat ergreift das Wort zu einer kleinen Ansprache, in der er die Bedeutung des Transports für die Unternehmensgruppe hervorhebt und Christian Haas für die gute Ausführung des Auftrags dankt. Anschließend lädt er die Anwesenden zu einem Imbiss ein und erhebt symbolisch ein winziges Glas, um auf den erfolgreichen zukünftige Einsatz des neuen Lastzugs anzustoßen.

Gerlach Fronemann

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