Forstpolitik

Streitfrage: „Primärholz in der Energieerzeugung“

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Seit einigen Wochen liefern sich Umweltverbände und das Forum Nachhaltige Holzenergie einen medialen Schlagabtausch zu der Frage, wie Europa zukünftig mit dem nachwachsenden Brennstoff Holz umgehen sollte.

Ausgangspunkt war ein offener Brief von NABU, Robin Wood und Biofuelwatch an die Bundesregierung, in dem gefordert wurde, auf EU-Ebene solle die Energieerzeugung auf der Basis von Holz nicht weiter gefördert werden. Konkret benannt werden hier umgerüstete Kohlekraftwerke und Pelletöfen. Den zeitlichen Anlass dazu boten Treffen der europäischen Regierungschefs und der Energieminister Ende Juni sowie die aktuell anstehende Überarbeitung der Richtlinie über erneuerbare Energien (RED II).

Der Forderungskatalog basiert dabei zum Teil auf stark verkürzten Annahmen, so z.B. der immer wieder falsch transportierten Behauptung, die Wälder bräuchten Jahrzehnte, das bei der Holzverbrennung freigesetzte CO2 wieder zu speichern. Aber es kommt auch ein Begriff vor, der uns in naher Zukunft noch stark beschäftigen dürfte: Die Bundesregierung soll darauf hinwirken, dass in der EU keine Verbrennung von „Primärholz“ mehr unterstützt wird.

Nachhaltigkeitsgrenzen

In der Antwort des BMEL betonte die Staatsekretärin Manuela Rottmann, dass Biomasse generell nur in ihren begrenzten nachhaltigen Potentialen genutzt werden dürfe und die zukünftige nationale Biomassestrategie einen klaren Vorrang der Kaskadennutzung sicherstellen soll. Reine Stromerzeugung aus Biomasse soll künftig ebensowenig gefördert werden wie Kraftwerke über 5 MW Gesamtfeuerungswärmeleistung. Daneben findet sich der Satz: „Auch den Ausschluss der Förderung einer energetischen Nutzung von Primärholz befürwortet die Bundesregierung.“

Unter anderem diese Formulierung rief massiven Protest des Forums Nachhaltige Holzenergie hervor, einem Zusammenschluss von Betrieben aus der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich der Holzenergie, angefangen bei Forstbetrieben über Anlagenbauer bis hin zu Kraftwerksbetreibern.

In der entsprechenden Pressemitteilung vom 31. August stellt das FNH klar, dass Primärholz derzeit einen Anteil von ca. 20% aller erneuerbaren Energien im Endenergieverbrauch der EU stellt. Eine völlige Abkehr davon wäre aus Sicht des Forums „sowohl für das Erreichen der Klimaziele, wie auch für die Gewährleistung der Energiesicherheit in Deutschland und der EU hinderlich.“ Bevor man leichtfertig die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft auf Spiel setze und den Ausstieg aus fossilen Energien infrage stelle, solle man diese Diskussion weiter ergebnisoffen gestalten.

Wichtige Detailfragen

Bei genauerem Hinsehen gibt es allein zum Begriff „Primärholz“ wohl noch einige Fragen zu klären. Die Umweltverbände definieren es in ihrem Forderungskatalog als „Holz, das kein sekundäres Nebenprodukt der Holzverarbeitung für die stoffliche Nutzung ist“. Damit wären Kurzumtriebsplantagen, die allein als Energieholz angebaut werden, schnell aus dem Spiel. Aber was ist mit dem krummen Baum, der im Rahmen einer Durchforstung entnommen wird, der für keine andere Anwendung taugt als Brennholz? Oder auch der Ast/die Krone eines Baumes, dessen Stamm ansonsten in eine höherwertige Verwendung gegangen ist? Bei diesen forstlichen „Nebenprodukten“ gibt es in der Tat oft keine sinnvolle stoffliche Verwendung, außer vielleicht in Spanplatten oder Papier, wobei diesen Einsätzen gerade beim Laubholz sehr enge Grenzen gesetzt sind.

Sollte man dieses Holz, das ja ohne Zweifel in der geregelten Forstwirtschaft anfällt, dann in Zukunft im Wald verrotten lassen? Das kann kaum im Sinne der Energiewende und des Klimaschutzes sein. Die neue Erneuerbare Energien-Richtlinie RED III wird darauf eine operationale Antwort finden müssen.

Heinrich Höllerl