Ein Importstopp für russische Energie würde die Lage im Holztransport weiter verschärfen.
Holztransporteure leiden schon jetzt massiv unter den hohen Dieselpreisen. Ein Stopp russischer Energieimporte würde die Situation drastisch verschärfen und gesamtwirtschaftlich zu schweren Einbrüchen führen.
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Stopp russischer Energieimporte könnte Deutschland 3 % Wirtschaftsleistung kosten

15. März 2022

Alle, die in Deutschland Energie benötigen, seien es Privathaushalte oder Firmen, spüren derzeit die Effekte einer möglichen Knappheit an Kohle, Erdöl und vor allem Erdgas aus Russland: Rekordpreise an der Zapfsäule und auf der Heizungsrechnung. Experten des ifo Instituts und EconPol haben ausgerechnet, welche Folgen ein Importstopp russischer Energie für die deutsche Wirtschaft hätte.

Kurzfristig könnte demnach ein Stopp der russischen Energieimporte Deutschland bis zu 3 % des Bruttoinlandsproduktes kosten. Das ergeben Schätzungen des Netzwerkes EconPol Europe mithilfe eines Simulationsmodells.

„Laufen Gefahr erpressbar zu werden“

Öl und Kohle könnten dabei durch Einfuhren aus anderen Ländern ersetzt werden, nicht so leicht hingegen das Gas, schreiben die Autorinnen und Autoren. Deshalb solle Deutschland die Abhängigkeit von russischem Gas schnell und entschlossen reduzieren. „Ohne entsprechende Maßnahmen heute laufen wir Gefahr im kommenden Winter erpressbar zu werden“, sagt Karen Pittel, EconPol-Netzwerkmitglied und Leiterin des ifo Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen.

Die Kosten eines Stopps der russischen Energieimporte wären erheblich, wenn man bedenke, dass die Corona-Pandemie etwa 4,5 % an Wirtschaftsleistung gekostet hat, sagt Andreas Peichl, EconPol-Netzwerkmitglied und Leiter des ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen.

Industrie hat sich noch nicht von Corona erholt

Auch größere wirtschaftliche Einbrüche und Verwerfungen können allerdings nicht ausgeschlossen werden, da die Stärke des potenziellen Schocks hohe Unsicherheiten für die Modellierung mit sich bringe. Zudem sei zu berücksichtigen, dass sich weite Teile der Industrie noch nicht von den Auswirkungen der Pandemie erholt haben, so Peichl weiter.

Aus dem simulierten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts insgesamt werde zudem nicht deutlich, dass einige Industriezweige, ebenso wie vor- und nachgelagerte Branchen, weitaus stärker betroffen sein können.

Defizit beim Gas ließe sich nur zum Teil ausgleichen

Die russischen Gasimporte zu ersetzen sei kompliziert, heißt es in der Studie. Man könne Gas aus anderen Ländern als Russland importieren, Kohle und Kernenergie statt Gas in der Stromerzeugung nutzen und die Gasspeicher über den Sommer auffüllen. Allerdings lasse sich das Defizit beim Gasverbrauch durch diese Maßnahmen in den nächsten 12 Monaten nur zum Teil ausgleichen.

In erster Linie sollten politische Maßnahmen darauf abzielen, die Anreize zur Substitution und Einsparung fossiler Energien so schnell wie möglich zu erhöhen, auch wenn ein Embargo nicht unmittelbar bevorsteht. „Ein sofortiges Handeln vermeidet noch härtere Anpassungen in diesem oder kommenden Jahr, wenn es hart auf hart kommt. Da die Preise sich im Zuge dessen noch weiter erhöhen, müssten gezielte Unterstützungsmaßnahmen für besonders betroffene Industrien und gesellschaftliche Gruppen ergriffen werden“, sagt Pittel.

Holztransport und Forstunternehmer besonders betroffen

Was die Forst- und Holzbranche betrifft, sind die Sparten von den hohen Energiepreisen besonders betroffen, die zwingend auf fossile Treibstoffe angewiesen sind, nämlich Forstunternehmer und vor allem Holztransporteure.

Nicht wenige dieser Unternehmen sehen durch die Rekordpreise ihre Existenz akut bedroht. So kostete Diesel am 14. März laut ADAC durchschnittlich 2,30 €/l. am 22. Februar waren es noch 1,65 €/l. Das ist ein Anstieg um 39 % innerhalb von drei Wochen. Ein Stopp russischer Energieimporte, der nach wie vor im Raum steht, würde diese Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit noch erheblich verschärfen.

Die forstlichen Dienstleister sind also zwingend auf höhere Preise für ihre Leistungen angewiesen, wenn es hier nicht kurzfristig zu Unterbrechungen in der Lieferkette kommen soll.

Quelle: ifo/EconPol/Red.