Holzernte

Stihl Bilanz 2020: Corona-Gewinner

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Die Stihl Unternehmensgruppe verzeichnete im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz in Höhe von 4,58 Mrd. €. Das entspricht einem Wachstum von 16,5 % im Vergleich zum Vorjahr (2019: 3,93 Mrd. €). Ohne Währungseinflüsse hätte das Umsatzplus 20,8 % betragen. Im Vorjahr lagen die Wachstumsraten bei 2,8% bzw. 4%. Die positive Geschäftsentwicklung brachte auch Zugänge bei der Belegschaft von 9 % auf 18.200 Mitarbeiter weltweit (Stichtag: 31. Dezember 2020). Die höchsten prozentualen Zuwächse verzeichnete das Unternehmen im Akku-Segment. Der Akku-Anteil am Gesamtabsatz beträgt mittlerweile 17 %. Im Vorjahr waren es rund 15%.

Auch im deutschen Markt erzielte Stihl 2020 eine deutliche Absatz- und Umsatzsteigerung und konnte erstmals die 400-Millionen-Euro-Umsatzmarke übertreffen. Über Betriebsergebnis und Gewinn schweigt sich das Familienunternehmen traditionell aus – ein gutes Indiz ist aber die Erfolgsprämie für die Mitarbeiter, die für 2020 im Stammhaus in Waiblingen mit 69% eines Monatsgehalts über doppelt so hoch ausfällt wie 2019 (27%)

Coronapolitik

Zu Beginn der Coronapandemie hatte sich das Unternehmen trotz pessimistischer Prognosen entschieden, auf hohem Niveau weiter zu produzieren. Die starken Einbußen in den Monaten März und April 2020, in denen auch viele Fachhändler ihr Geschäft vorübergehend schließen mussten, konnten durch die wachsende Nachfrage ab Mai schnell überkompensiert werden. Hier machte sich der Trend zum Home-Improvement und zur Gartenarbeit anstelle von Urlaubsreisen deutlich bemerkbar. Für die Mitarbeiter, die zum Teil Sonder- und sogar Sonntagsschichten fahren mussten, gab es dafür eine zusätzliche „Corona-Prämie“ von 350 €.

Lieferengpässe

Zwischenzeitlich haben Probleme in den internationalen Lieferketten auch bei Stihl zu massiven Problemen bei der Warenverfügbarkeit geführt. Kunden berichten über z.T. monatelange Wartezeiten bei Motorsägen wie z:b. der neu eingeführten Stihl MS 400. Das Problem besteht auch im Frühjahr 2021 noch und ein Ende ist nicht konkret absehbar. Stihl reagiert darauf mit einer bevorzugten Belieferung der Fachhändler und schränkt die Verfügbarkeit im direkten Online-Vertrieb eher ein. Dieser war im März 2020 erst gestartet worden.

Produktpiraterie

Das Unternehmen berichtet in jüngster Zeit mehrfach von besonders dreisten Fällen von Produktpiraterie. Insbesondere der neu eingeführte Gehölzschneider StihlGTA 26 für die Gartenpflege wird oft kopiert und im Internet zu extrem günstigen Preisen angeboten. Eine gefälschte Motorsäge Stihl MS 250 hat es in diesem Jahr sogar auf das Siegerpodest des deutschen Negativpreises „Plagiarius“ geschafft.

Der Gehözschneider Stihl GTA 26 wurde im vergangenen Jahr vorgestellt und ist sehr beliebt bei den Produktfälschern // Foto: Stihl

Ausblick

Die Herausforderungen in der Lieferkette und im Materialfluss bleiben bis auf Weiteres bestehen. Der Stihl Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora sieht die Branche inmitten einer großen Transformation – getrieben von zunehmender Digitalisierung und Dekarbonisierung. Ein besonderer Wettbewerbsdruck entwickelt sich im Akku-Segment mit veränderten Kundenanforderungen sowie neuen Informations- und Vertriebskanälen. Für das laufende Geschäftsjahr 2021 ist er aber optimistisch und erwartet weiterhin eine Absatz- und Umsatzsteigerung.

Stihl bekennt sich zum Ziel des Pariser Klimaabkommens. Im Rahmen der hauseigenen Klimastrategie arbeitet das Unternehmen seit Januar 2021 in Deutschland klimaneutral. 2022 sollen die weltweiten Produktionsgesellschaften folgen und bis spätestens 2028 die internationalen Vertriebsgesellschaften.

Stihl / Red.